Enno Bunger – Was berührt, das bleibt

Mit seinem vierten Studioalbum liefert Enno Bunger eines der emotionalsten und wichtigsten deutschsprachigen Platten des Jahres ab!

Das neue Album von Enno Bunger berührt tatsächlich und wird auch hoffentlich länger bleiben, als viele andere Deutschpop-Alben. Wieder einmal lässt Enno in seinen Songs sehr tief in seine Seele blicken. Schon 2012 überzeugte er mit seinen Konzeptalbum “Wir sind vorbei”, indem er eine langjährige Beziehung verarbeitete. Doch mit “Was berührt, das bleibt” hat sich Enno selbst in dieser Hinsicht nochmal übertroffen.

Vom ersten Song an nimmt der ostfriesische Singer-Songwriter einen mit, auf eine Reise durch seine Gefühlswelt. Die Zeile “Wir wollen nichts mehr werden, wir wollen nur noch sein” bestimmt den Song “Kalifornien”, aber auch das gesamte Album. Musikalisch geht es noch optimistisch ins Album hinein, lyrisch ist Enno stets nachdenklich.

Ein ähnliches Motiv entwickelt der Song “Bucketlist”. Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Mit diesem Song beginnt auch eine wichtige Geschichte, des Albums, die Geschichte von Lena, welche an Blutkrebs erkrankt ist, hat Enno Bunger nicht nur musikalisch, sondern auch cineastisch verarbeitet.

Die zweite Geschichte des Albums, welche einem den Boden unter den Füßen wegzieht, verarbeitet Enno im Song “Stark sein”. Der Song thematisiert unter anderem die unendlichen Aufenthalte im Krankenhaus nach der Krebsdiagnose bei seiner Freundin Sarah (Sängerin des Folk-Duos Sarah & Julian). Zusammen mit ihr hat er auch viele Songs vom Album geschrieben. Denn nicht nur der Verlust von Lena, sondern auch die zusätzliche Erkrankung von Sarah hat das Paar einfach umgehauen.

Enno sagt darüber, er hätte in dieser Phase wohl eher einen Psychotherapeuten aufsuchen sollen. Stattdessen hat er “Stark sein”, “Konfetti” und “Ponyhof” geschrieben. Die drei Stücke stellen definitiv die wichtigsten Songs des Konzeptalbums dar.

Im Song “Ponyhof” wird Enno Bunger dagegen fast schon zum Rapper, er verfällt in einen Sprechgesang, den man sonst von Marteria kennt, dazu gibt es schwungvoll vor sich her treibende Beats. In den schönsten sechs Minuten Deutschpop seit langen thematisiert er eine innige und wichtige Männerfreundschaft mit Nils, der Freund von Lena. Diese Ode fungierte zugleich als Trauzeugenrede auf der Hochzeit von Nils und Lena.

Das Abschlusskapitel bildet der Song “Konfetti”. Hier beginnt der ergreifende Trauerprozess des Singer-Songwriters. Er widmet sich in der fünfminütigen Hymne noch ein letztes Mal berührend an die Verstorbene. Die erste Hälfte des Albums ist also verdammt intensiv.

Es folgen Songs, die zum einen zeigen wie Enno in ein Loch fiel (“Glaube an die Welt”, “Wofür hältst du dich”), zum anderen hat er noch Hoffnung und will anderen Menschen, die durch eine schwere Zeit gehen mit Stücken wie “Niemand wird dich retten” helfen und motivieren. Neben diverser Kulturpop-Analogien liefert der Song den Ausruf sein eigener Held zu werden.

Insgesamt liefert Enno Bunger mit “Was berührt, das bleibt” ein starkes Stück ab. Ein Album was einen betroffen macht und die nötige Zuversicht für die Zukunft liefert.

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Bildquelle: Pressefreigabe


Daniel Guggeis

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