Hælos – Any Random Kindness

Mit Any Random Kindness veröffentlicht das Quartett Hælos am 10. Mai 2019 sein zweites Studioalbum via Infectious/BMG und verabschiedet sich damit ein wenig, aber nicht vollständig von ihrem altbewährten dunklen Neo-Trip-Hop-Sound.

2016 war ein gutes Jahr für Hælos und das schon fast tot geglaubte Genre Trip-Hop: Die ersten Singles sind veröffentlicht und das Debütalbum Full Circle ein voller Erfolg, nicht zuletzt weil die Songs der Musikgruppe an die schaurig-schönen Stücke von Portishead oder Massive Attack aus den ‘90er Jahren erinnern. Aber eben auch weil sie nicht klingen wie ein billiger Abklatsch, sondern den Sound des 21. Jahrhunderts in sich tragen, ein bisschen The xx, ein bisschen Beachhouse.

The xx trifft auf Portishead, männlich-weiblicher Unisono-Gesang auf düstere Breakbeat-Instrumentals.

Dabei fällt das erste Album vor allem durch eines auf: Beständigkeit. Die Songs sind sich teils zum Verwechseln ähnlich, schon der Albumtitel Full Circle und das Intro mit einer Vokalspur des Philosophen Alan Watts lassen ein Konzeptalbum vermuten. Titelnamen wie „Pray“, „Earth Not Above“ oder „Oracle“ bestätigen diesen zumindest mythologisch-religiösen Touch, der sich auch in der a-e-Ligatur im Bandnamen niederzuschlagen scheint.

Any Random Kindness ist ein Album, das klingt, als wolle man etwas anders machen.

Wenn sich in Any Random Kindness ein Konzept andeutet, dann das der Gesellschafts-, Technologie- und Geopolitikskritik: Es geht um korrupte Politiker, Liebe in Zeiten des 21. Jahrhunderts und die Jetzt-Bezogenheit moderner Menschen. Diese Probleme zu thematisieren, ist löblich. Es ist jedoch ein großer Schritt von den eher profanen Texten des ersten Albums zu diesen weltbewegenden Themen.

Aus drei mach vier: Hælos haben ihr Kernteam für ihr zweites Album kurzerhand um den Live-Gitarristen Daniel Vildósola erweitert.

Auf dem Bild sieht man Hælos, die fortan zu viert Musik produzieren.
(c) Jeff Hahn

Durch den Beitritt zum Team scheint der Gitarrist Daniel Vildósola, der eine Ausbildung in klassischer und Jazz-Gitarre hat, auch den Sound verändert zu haben, wohingegen sich Arthur Delanay, wie er selbst sagt, von Techno-Legende Ricardo Villalobos hat beeinflussen lassen. Die musikalische Reichweite hat sich vergrößert, böse Zungen würden das Resultat jedoch als verwaschen bezeichnen.

Pop trifft auf Jazz trifft auf R’n‘B trifft auf Drum and Bass.

Es sind schöne Stücke auf der LP zu finden; „End of World Party“ zum Beispiel, die dritte Singleauskopplung, besticht durch geschmeidiges Drum-and-Bass-Ambiente und träumerischen Piano-Loop. Doch der so typische mehrstimmige Unisono-Gesang weicht eher dialogischen Vocal-Parts und dieses einzigartige melancholische Gefühl einer verrauchten Wohnung mit heruntergelassenen Rollos um fünf Uhr morgens wird ersetzt durch poppige Hits wie „Kyoto“ und jazzige Balladen wie „Last One Out (Turn the Lights Off)“. Das ist schade, und daran kann auch das mystische LP-Cover samt Bonsai und ausradierten Pixeln nichts ändern.

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Henrik Willun

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