Auf dem Foto sieht man das Produzentenduo HVOB.

HVOB – 11.04.2019 – Köln, Live Music Hall

Am 11. April haben HVOB ein Konzert in der Live Music Hall gegeben, das an Minimalismus und Perfektionismus wohl kaum zu übertreffen ist. Nach ihrer Clubtour im vergangenen Jahr sind sie nun noch weiterhin auf Europas Konzertbühnen unterwegs, um ihren neuen Longplayer Rocco vorzustellen.

Auf der Bühne befindet sich nichts als ein DJ-Setup, ein Schlagzeug und ein Synthesizer mit Mikrofon. Nacheinander betreten Paul Wallner, Anna Müller und Frank Sachinger die Stage, gefolgt von einem tosenden Applaus, der lauter und euphorischer wird, als sie “2nd World”, den Opener ihres neuen Albums Rocco, anspielen – ein atmosphärischer, melancholischer Song, der sich höchst subtil in einen dichten Klangteppich verflicht und einen so in eine andere, zweite Welt entführt.

Während HVOB beim Produzieren als Duo tätig sind, holen sie für ihre Live-Shows Schlagzeuger Frank Sachinger mit ins Boot.

HVOB, das sind eigentlich nur zwei, nämlich Anna Müller und Paul Wallner, die zusammen seit jetzt schon sieben Jahren elektronische Musik produzieren und diese dann gemeinsam mit dem Schlagzeuger Frank Sachinger auf die Bühne bringen. Am 15. März dieses Jahres erschien ihr drittes Solo-Album Rocco.Das nehmen sie nun zum Anlass für eine ausgedehnte, vier Monate lange Europa-Konzerttour, die so minimalistisch wie bezaubernd ist, und das aus einem simplen Grund: Es geht um nichts als die Musik.

Auch wenn auf dem Konzert Lieder von vergangenen Alben erklingen, liegt der Fokus eindeutig auf der neuen LP Rocco.

Dabei bestechen HVOB vor allem durch Vielseitigkeit: Die Songs vom ersten, selbstbetitelten Album wie „Dogs“ oder „Let’s Keep This Quiet“ gehen leichter ins Ohr, sie sind geprägt von einer melodisch-melancholischen Verflechtung von Beats, Piano und Anna Müllers Stimme. Auch von ihrem Nebenprojekt HVOB & Winston Marshall, das in der LP Silk mündete, wird der Track „Deus“ in einer „Solo-Version“ interpretiert; der Rest der eher ruhigen Tracks jenes Albums bleibt für diese Konzerttour im Koffer.

Dagegen haben sich Lieder wie „Tender Skin“ oder „Azrael“ vom zweiten Album Trialog durch lange ruhige Breaks und dazu im Gegensatz stehende tiefe, andauernde Bässe live zu einem Garant für euphorische Jubelschreie und tanzende Beine entwickelt. Es sind auch ihre berühmtesten Tracks, die mittlerweile schon unter Liebhabern Hit-Status erlangt haben und erst im Konzert auf einer großen Bühne ihre volle Wirkung entfalten.

Im Konzert werden sämtliche Stimmungen bedient: Ambient, Deep House, Rave.

Doch im Fokus des Konzerts steht das neue Doppelalbum Rocco, das sich in seinen dreizehn Stücken dem Loslassen und Neuanfangen widmet. Die Songs brechen vor allem mit gängigen Songstrukturen: Lieder wie „Panama“, „Alaska“ oder „Tykwer“ starten ruhig, wie mit einem Vorwort, und gehen dann über in den Hauptteil, der wieder deeper und beatlastiger ist. So wird auf dem Konzert automatisch ein Ausgleich geschaffen. Verschnaufen oder gar den Saal kurz verlassen: nicht nötig, die Lieder schließen, wie es sich für elektronische Musik gehört, nahtlos aneinander an, ohne dass viel gesagt werden muss.

Das Publikum kennt die Musik. Und während HVOB „Eraser“ performen, merkt man, dass es nicht die Hände von der gleichnamigen EP lassen konnte, die ein paar Monate vor dem neuen Album erschienen ist. Der Song funktioniert live hervorragend, er wird sicherlich bei keinem HVOB-Konzert mehr fehlen. Doch dann kommt da noch dieser neue, nie dagewesene Klang, als das Publikum nicht damit rechnet: Die Bassdrum von „Butter“ – einem Techno-Track allererster Klasse – trifft das tanzende Kollektiv unvorbereitet und versetzt es in einen achtminütigen Ausnahmezustand. Und genau das ist es, wofür die Menschen in der Live Music Hall HVOB lieben: für das Unerwartete, das Experimentelle, kurzum – die Musik.

Webpage HVOB mit weiteren Tourdates
(c) Foto Titelbild Andreas Jakwerth

Henrik Willun

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