Album-Cover No Geography Chemical Brothers

The Chemical Brothers – No Geography

London, 1994: Im Mondschein, unweit des Regent’s Parks, machen sich einige illustre Gestalten mit einem Bier in der Hand auf in Richtung Albany Pub in der Great Portland Street. Doch ihr Ziel ist nicht besagte Kneipe, sondern der darunterliegende kleine Underground-Kellerclub, aus dem tiefe Bässe dröhnen und der bis zum Anschlag mit Menschen gefüllt ist, unter ihnen zuweilen auch Noel Gallagher oder Beth Orton. An den Turntables stehen Tom Rowlands und Ed Simons, die sich zu diesem Zeitpunkt noch The Dust Brothers nennen, und die Musik, die sie spielen, wird später „Big Beat“ genannt werden. Der Name ist Programm: Pumpende Basslines, Lo-Fi-Synths und jede Menge Breakbeats versetzen die feierwütige Menge in Rage.

Big Beat vereint die verschiedensten Musikstile wie Funk, Hip Hop und House. Und das hört man auch auf dem neuen Album der Chemical Brothers No Geography.

Heute zählen die Chemical Brothers, die sich 1995 nach einem Namensstreit umbenennen mussten, zu den ganz Großen aus der Szene und den Begründern ebendieses Genres. Mit ihrem achten Studioalbum No Geography kehren sie heute nach vier Jahren Abstinenz zurück, und das mit einem lauten Knall. „The Eve of Destruction“ sprechsingt die verzerrte und gepitchte Stimme der norwegischen Sängerin Aurora im ersten, gleichnamigen Song. Ein Weltuntergangsszenario wird musikalisch inszeniert, das stark an den Chemical-Brothers-Hit „Galvanize“ von ihrem 2005er Album Push the Button erinnert.

Der vorab releaste Song „Got To Keep On“ und das dazu von „longtime collaborator“ Michel Gondry produzierte Video zeigen eindeutig: Die Musik der Chemical Brothers ist Tanzmusik!

Trotzdem zeigen sie sich auf der neuen Platte experimentierfreudig und setzen eben nicht mehr auf die altbewährten Vokalspuren des Rappers Q-Tip, sondern hauptsächlich auf Auroras sanfte Stimme, die häufig einen Gegensatz zu den kraftvollen Instrumentals bildet. Alles in allem kann der Longplayer als eine Art Hommage gelten: an Disco („Bango“), an Trance („No Geography“), aber auch an Acid („Eve of Destruction“) und die eher psychedelischen Sounds des Produzentenduos („Free Yourself“). Nicht zuletzt ist auch das Cover ein Relikt aus vergangenen Tagen. Es stammt aus der Covereinlage des 1977er Debütalbums Consequences von Godley & Creme. Ein schrilles und buntes Album mit einem unerwartet ruhigen Outro („Catch Me I’m Falling“), das vielleicht doch erahnen lässt, dass die Chemical Brothers erwachsen geworden sind.

Das Album erscheint heute, am 12. April 2019, auf Vinyl, CD und digital via Universal.

Homepage Chemical Brothers
SoundCloud Chemical Brothers

Im Sommer gehen die Chemical Brothers auf Festivaltour, davon spielen sie ein Konzert auch in Deutschland:
24. Mai: All Points East Festival, Victoria Park, London
11. Juli: Mad Cool Festival, Madrid, Spain
13. Jul: NOS Alive Festival, Lisbon, Portugal
21. Juli:  Deichbrand Festival, Cuxhaven, Germany
24. August: Creamfields, Daresbury, UK

Henrik Willun

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