Interview: Elderbrook

Elderbrook ist bekannt für tanzbare Beats, soulige Vocals und Tracks, die sich nicht so einfach einem bestimmten Genre zuordnen lassen. Im Rahmen der Veröffentlichung seiner EP „Old Friend“ und seines Konzertes in Köln, über das ihr hier eine Kritik lesen könnt, hat er uns ein Interview gegeben.

Elderbrook, wir kennen deine Stimme schon seit dem Jahr 2015: Damals hast du mit Andhim zusammengearbeitet; ihr Remix von deinem Song „How Many Times“ wurde eine Party-Hymne. Was hat das mit deiner Karriere gemacht?

Diese Zusammenarbeit hat mich in die Welt der Tanzmusik gelenkt. Es ist bis heute mein am meisten shazamter Titel und es gab mir die Möglichkeit, meine Fühler in Richtung elektronische Tanzmusik auszustrecken.

Zu dieser Zeit hast du auch angefangen zu remixen. Was magst du daran und wie fühlt es sich an, andere Künstler zu remixen beziehungsweise selbst geremixt zu werden?

Ich mag es, andere Leute zu remixen, weil ich es mag, über die Genregrenzen hinaus zu arbeiten. Erstmal hat jeder Song das Potenzial, geremixt zu werden und am Ende klingt er anders als das Original. Das gibt einem viel kreativen Input. Natürlich hat es für mich auch viele Vorteile, geremixt zu werden, das sehen wir ja zum Beispiel an dem schon erwähnten Andhim-Remix

2017 hast du dann mit dem DJ-Duo CamelPhat zusammengearbeitet, das Ergebnis war der Song „Cola“, ein noch größerer Erfolg als „How Many Times“. Wie kam es dazu und wie war die Arbeit mit ihnen?

Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht! Eigentlich waren wir nur für drei oder vier Stunden zusammen im Studio. Die beiden kommen aus dem Norden von England und sie kamen nach London, um mit verschiedenen Künstlern zusammenzuarbeiten. Sie haben mir ein paar Instrumentals vorgespielt, eins war das von „Cola“. Dann habe ich mich hingesetzt, ein paar Wörter Text geschrieben, bin aufgestanden und habe sie gesungen. Diese Vocals haben wir dann auch in der finalen Version genutzt. Das nächste Mal habe ich sie dann ein Jahr später gesehen, als sie mir sagten, dass der Song veröffentlicht wird.

Ich habe gelesen, dass du immer nach neuen Sounds suchst, die du in deinen Produktionen verwenden kannst. Bist du da stetig auf der Suche oder passiert das manchmal quasi aus Versehen?

Ich schlage eher aus Versehen irgendwo gegen. Die Snare zum Beispiel, die ich häufig benutze, ist so entstanden. Ich will dann, dass es anders als sonst oder einfach ein bisschen seltsam klingt. Wenn es mir gefällt, benutze ich es. Wenn nicht, dann nicht. Dann bearbeite ich es am Computer und probiere verschiedene Effekte aus.

Was ist dein persönliches Rezept, um einen guten Track zu produzieren? Fängst du mit einem Pattern an oder mit den Vocals?

Normalerweise brauche ich erst mal einen nicen Beat, dann murmle ich etwas in der Tonlage darüber. Irgendwann ergeben sich daraus Wörter. Dann bilde ich ein textliches Gerüst darum. Am Ende habe ich dann hoffentlich einen ganzen Song, aber das klappt natürlich nicht immer.

Deine neue EP und der Titeltrack heißen „Old Friend“. Welche Geschichte erzählst du in dem Song?

„Old Friend“ handelt von diesem bestimmten Gefühl, das du bekommst, wenn du mit Leuten aus deiner Vergangenheit abhängst und alte Verhaltensweisen wieder annimmst.

Hier sieht man das Cover der Old-Friend-EP von Elderbrook.

Basiert dieses Gefühl auf deinen Erfahrungen?

Ich glaube, es ist ein Gefühl, das jeder kennt und schon mal mit alten Freunden aus der Vergangenheit hatte, wenn man auf einmal wieder anfängt, wie früher zu reden oder wieder Bier zu trinken. Es kann alles Mögliche sein, was dieses Gefühl lostritt.

“Old Friend” ist dein erster großer Solo-Erfolg. Fühlt sich das anders an als die vorigen Erfolge, die Kollaborationen waren?

Es fühlt sich anders an, es fühlt sich großartig an. „Cola“ mit CamelPhat war ja schon ein großes Ding, aber wie du sagst, bedeutet es mir noch mal mehr, wenn es mein eigenes Stück ist, das in Deutschland auch so gut angenommen wird. Sogar besser als in Großbritannien.

Und das Cover der EP, wer hat es designt und was bedeutet es? Ich mag das Artwork sehr.

Das hat ein Freund gemacht. Es ist ja ein Wolf, den man darauf sieht. Ich habe das Bild mit einem alten Freund verbunden, denn der älteste Freund des Menschen ist ja der Hund. Das war die simple Idee dahinter, und ich finde auch, dass es einfach gut aussieht.

Im Video zu “Old Friend” tauchen ja auch die Wölfe auf.

Ja, man könnte sagen, das Thema des Songs sind Wölfe.

Wenn man den Namen „Elderbrook“ googlet, findet man ihn als Nachnamen, aber es ist nicht dein richtiger Nachname. Warum hast du ihn als deinen Künstlernamen gewählt?

Anfangs machte ich ja nur mit meiner Gitarre Musik. Als ich dann angefangen habe, elektronische Musik zu produzieren, dachte ich: Ich brauche einen neuen Namen. Ich habe dann einmal so einen Comedian auf Netflix geschaut und er hat typisch britisch klingende Nachnamen mit einem britischen Akzent nachgemacht. Einmal hat er gesagt: „Now introducing the lovely and talented Lady Elderbrook“ und ich dachte: Ich würde es die ganze Zeit benutzen, wenn ich so heißen würde. Dann habe ich es zu meinem Künstlernamen gemacht. “Elderbrook” hat diesen Herr-der-Ringe- oder Game-of-Thrones-Klang, das mag ich daran.

Du hast auch ein paar akustische Versionen deiner Songs auf YouTube veröffentlicht. Kannst du dir vorstellen, einige davon auch mal auf einer CD zu veröffentlichen oder bleibst du eher beim Dance-Genre?

Es ist eher etwas für nebenbei, weil es wirklich sehr anders ist als meine typischen Songs. Einige meiner Songs könnten aber auch in dieser Singer-Songwriter-Welt existieren. Der Grund, warum ich die Videos gemacht habe, ist, weil ich ja so angefangen habe: nur ich und ein Klavier, beziehungsweise die Gitarre und ich. Es fühlt sich gut an, auch solche Musik nach vier Jahren mal wieder zu spielen.

Und ist deine neue EP schon ein Vorbote auf deine Debüt-LP?

Ich arbeite noch an einem längeren Album. Es sollte nächstes Jahr herauskommen, aber ich kann noch kein genaues Datum nennen. Daran arbeite ich zurzeit viel und ich schreibe eine Menge Songs.

Aber am liebsten spielst du live, habe ich gelesen. Wie sieht deine Live-Show aus?

Ich bin auf der Bühne und spiele Keyboard, eine elektronische Drum-Machine, drücke Knöpfe, spiele Sachen ein und nehme sie wieder raus und singe die ganze Zeit. Und ich springe viel herum. Es wird viel gesprungen.

Warum nur du alleine? Hast du probiert, mit anderen Leuten auf der Bühne zu stehen?

Ja, ich habe es probiert, aber so kann ich vor der Show noch Dinge verändern, die mir nicht so zusagen. Das gibt mir Freiheit.

Also bleibst du dabei?

Erstmal schon, ja!

Wir bedanken uns bei Elderbrook und dem Management für das Interview. Zu Elderbrooks Soundcloud-Profil kommt ihr hier.

Copyright Foto: Elderbrook / PR.

Henrik Willun

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