Apparat – LP5

Simpel, auf den Punkt und offen für eine ganz individuelle Interpretation: Genau wie der Titel LP5 ist auch das neue Album des Produzentengenies Sascha Ring alias Apparat. Es erschien am 22.03.2019 via Mute.

Seine letzte Soloplatte ist sechs Jahre her, doch es war mitnichten ruhig um ihn: Moderat – bestehend aus ihm, Apparat, und dem DJ-Duo Modeselektor – haben 2013 und 2016 mit ihren LPs II und III den einen oder anderen Hit gelandet. Vor allem „Bad Kingdom“ in seiner Originalfassung und im DJ-Koze-Remix haben auf Raves mittlerweile Hymnen-Status erlangt. Ironischerweise gibt genau dieses Projekt Sascha Ring nun die Freiheit, in die gegenteilige Richtung zu gehen; das zu machen, was er gerade für richtig hält, nämlich: keine großen Pop-Hymnen zu schreiben, und sich zurückzubesinnen auf diesen ganz speziellen Apparat-Sound.

Dieser Sound hat wenig mit den vergleichsweise eingängigen Hooks, droppenden Beats und strammen Basslines von Moderat zu tun. Das Album sollte nicht pathetisch werden, sagt Ring selbst. Das ist es auch nicht, wenngleich seine Stimme genau den Funken Pathos in sich trägt, der dieses Musikprojekt so interessant macht. Es ist ein Album, das aus Skizzen besteht, an das Alte anschließt und etwas Neues kreiert. Die Songs sind sehr ruhig, intim, manchmal untermalt mit einem dezenten Drum-and-Bass-Beat, der uns durch den Song trägt, und natürlich geführt durch Rings Stimme. Beim Hören des Albums wird klar, warum das Genre „Ambient“ genannt wird: Es werden Gefühle und Situationen erschaffen, die freien Interpretationsspielraum lassen. Einige Male wird etwas angefangen und nicht zu Ende geführt, und das im besten Sinne. So sieht man auf dem Albumcover und in den Musikvideos zu den Songs „Dawan“ und “Voi_Do” auch eben nur geometrische Visuals. Das Gesamtkonzept ergibt Sinn.

Auch wird hier die enge Verbindung zur Filmmusik klar: Von rein „elektronischer Musik“ kann kaum mehr die Rede sein. In den die klassische Songstruktur aufbrechenden Arrangements hören wir Cello, Posaune, Trompete, Saxofon, Harfe, Kontrabass und andere Streicher. Die Tour zur LP5 wird zwar auf Konzertbühnen stattfinden, sie hätte aber auch genauso gut in schicke Konzertsäle oder auf Theaterbühnen gepasst. Als ob Ring das im Hinterkopf gehabt hätte, endet der letzte Song der Platte „In Gravitas“ auch mit einem Gedicht im Spoken-Word-Format, das schon fast wie eine Bahnansage anmutet. Es handelt sich um ein großes Stück Arrangement-Kunst, die einzelnen Songs haben sich – und das hört man auch – über Jahre hinweg entwickelt. Was lange währt, wird eben endlich gut.

Tourdaten 2019:
05. April – Teatro Acacia – Neapel, Italien
06. April – Palaeastragon – Bologna, Italien
07. April – Alcatraz – Mailand, Italien
11. April – Loftas – Vilnius, Litauen
12. April – Film Studios – Kiev, Ukraine
16. April – Alte Kongresshalle – München, Deutschland
17. April – La Gaîté Lyrique – Paris, Frankreich
18. April – Kampnagel – Hamburg, Deutschland
19. April – Motel Mozaique Festival – Rotterdam, Niederlande
20. April – Muuziekgebouw aan ’t IJ – Amsterdam, Niederlande
23. April – Täubchental – Leipzig, Deutschland
26. April – Attenborough Centre for the Creative Arts – Brighton, Vereinigtes Königreich
27. April – Barbican Centre – London, Vereinigtes Königreich
28. April – Ancienne Belgque – Brüssel, Belgien
04. Mai – Donaufestival – Krems an der Donau, Österreich
10. Mai – Tempodrom – Berlin, Deutschland
17. Mai – Известия Hall – Russland

Tracklist: Apparat – LP5
01 VOI_DO
02 DAWAN
03 LAMINAR FLOW
04 HEROIST
05 MEANS OF ENTRY
06 BRANDENBURG
07 CARONTE
08 EQ_BREAK
09 OUTLIER
10 IN GRAVITAS

Webpage Apparat

Henrik Willun

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