Vivie Ann – When The Harbour Becomes The Sea

Vivie Ann veröffentlicht mit When The Harbour Becomes The Sea ihr zweites Album. Das 13 Titel umfassende Werk handelt von stürmischen Zeiten und nachdenklichen Momenten.

Der Titel weist inhaltlich auf Wendungen und auf Turbulenzen hin. Denn wenn der sichere Hafen zur stürmischen See wird, gilt es den Wellen zu trotzen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Turbulenzen hat die 27-jährige Wahl-Hamburgerin in ihrem Leben wohl bereits zur Genüge durchlebt – in gesundheitlicher Hinsicht sowie als Tochter zweier Musiker. Doch von emotionalen Höhen und Tiefen nähren Künstler bekanntlich ihr Schaffen. So auch Vivie Ann, die ihr eigenes Label gründete, Geld via Crowdfunding sammelte und passende Mitstreiter, Musiker und Produzenten fand. Als unabhängige Künstlerin hält sie – vom Songwriting über die Produktion bis hin zum Coverdesign – alle Fäden selbst in der Hand.

Das Cover von When The Harbour Becomes The Sea ist dunkel und zeigt passend zum Titel ein Schiff auf hoher See. Es strahlt in seiner Weite Ruhe aus. Wer sich statt der digitalen Version für den CD-Kauf entscheidet, findet im Booklett neben den Songtexten Bilder der Musikerin: Mit geschlossenen Augen im Wasser voller Blumen liegend hat sie eine Ähnlichkeit mit Kylie Minogue im schwermütigen Musikvideo zu dem Nick Cave-Duett „Where The Wild Roses Grow“. Außerdem ein Konzertfoto, das etwas mehr Action in der Musik von Vivie Ann erwarten lässt. Beide Eindrücke finden sich in den Songs wieder – eben diese Mischung aus Schwermut und Aktionsdrang.

Die Stimme von Vivie Ann kann sich entwickeln und ausdehnen

Das leicht hallende und rein gesanglich aufgebaute, kurzzeitig an Bat for Lashes erinnernde Intro „No start“ und der letzten Song „No end“ bestimmen einen klaren Anfang und ein Ende für das Album. Ein sich schließender Kreis, in dem sich eingängige Popsongs mit zum Teil Ohrwurmrefrains zwischen Melancholie und Mut tummeln. Schnellere Stücke wie „Cold Water“ oder „Anytime“ bieten der breit gefächerten Stimme von Vivie Ann ebenso eine Bühne wie die ruhigeren Stücke, beispielsweise „Obsolete majesty“. Unterstützt wird diese an mehreren Stellen des Albums durch Chorgesang und abwechselnde Instrumente. Einer der Höhepunkte ist „Euphoria“: Durch galoppierende Rhythmen angetrieben gleitet der Gesang durch den Song und toppt fast schon den epischen Vorgänger „Loverboy“.

Trotz abwechslungsreicher Momente und nett platzierter Details zeigt sich die Platte stilistisch kontinuierlich. Darin kann sich die Stimme von Vivie Ann in all ihrer Bandbreite entwickeln und ausdehnen. Dabei zuzuhören ist ein Genuss und macht neugierig auf eine Live-Performance der Künstlerin. Denn dem teilweise etwas zu sehr konstruiert wirkenden Material dürfte eine rauere Umgebung gut zu Gesicht stehen. Ganz nach dem Motto: vom sicheren Studio auf die stürmische Bühne.

Tourdaten:

18.03.2019 – Hamburg, Nochtspeicher
03.05.2019 – Einbeck, Alte Synagoge
06.05.2019 – München, Ampere
07.05.2019 – Frankfurt, Brotfabrik
08.05.2019 – Berlin, Auster Club
17.05.2019 – Stuttgart, Schräglage
18.05.2019 – Köln, Subway
20.05.2019 – Hannover, Lux

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Bild: Pressefreigabe

Stefanie Zerres

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