Sigrid – Sucker Punch

Ein nordischer Hurrikan namens Sigrid wirbelt seit ein paar Jahren durch die Pop-Landschaft und bringt einigen frischen Wind in das festgefahrene Genre. Mit ihrem Debütalbum “Sucker Punch” setzt sie endgültig zum Befreiungsschlag an.

Einfarbiges T-Shirt, Jeans und Sneaker – so erfrischend einfach präsentiert sich die 22-jährige Sigrid der Musikwelt. Der “Mädchen-von-nebenan”-Look ist nicht nur ungemein sympathisch in einem Genre, in dem sich sonst die Popsternchen mit Glitzer, extravaganten Bühnenshows und schlagzeilenfördernder Freizügigkeit gegenseitig übertrumpfen, sondern lenkt auch den Fokus auf das Wesentliche: die Musik.

Und mit der kann die charmante Norwegerin mehr als punkten. Bereits die letzten Jahre über hat sie uns mit Singles wie “Plot Twist” oder “High Five” regelmäßig Ohrwurm-Hits geschenkt, die uns den Kopf verdrehend an Ort und Stelle haben tanzen lassen – ganz egal, ob wir bewegungstechnische Grobmotoriker sind oder mit dem Beckenschwung des jungen Elvis gesegnet wurden. Dabei lässt uns Sigrid aber nicht alleine. In ihren Musikvideos und auch live auf der Bühne fetzt, hüpft, wirbelt sie umher und packt “dorky” Dance-Moves aus, die zwar alles andere als ästhetisch sind, aber dafür umso mehr ein ganz persönlicher Ausdruckstanz. So sieht das aus, wenn ein Song einem noch durch die Adern pumpt und in die Gliedmaßen geht:

Clever und eingängig

Und was die anderen dabei denken? Sowas von egal! Mit ihrem Debütalbum Sucker Punch setzt Sigrid ein klares Statement in bester Pippi-Langstrumpf-Manier: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Selbstverständlich geht es in den Songs auch um klassische Pop-Themen wie die omnipräsente Liebe, jedoch immer mit dem Tenor eines lyrischen Ichs, das sich stark seinen Problemen stellt und noch stärker wieder aus ihnen herauskommt, anstatt des klassischen Schmachtens und Leidens. Der aufbauende Power-Pop wie im Opener “Sucker Punch” oder “Strangers”, wo der Bass schön drückt und die gute Laune aus den Boxen strahlt, ist genau das, was Populärmusik immer sein sollte: clever und doch eingängig, eine kurze Realitätsflucht.

Selbstverständlich fährt die Platte aber nicht von Anfang bis Ende mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Auch wenn How I Met Your Mother Charakter Barney Stinson der Meinung ist, dass eine gute CD nur Höhen haben sollte, zeigt Sigrid, dass durchaus Platz für die ruhig-emotionalen Momente sein darf. Und die werden auf Sucker Punch an den genau passenden Stellen als Verschnaufpausen eingesetzt. “Level Up”, “In Vain” und das bewegende Finale “Dynamite”, bei denen der leicht kratzige Gesang der Newcomerin in seiner ganzen Bandbreite glänzen kann, sorgen für ein rundum perfekt ausbalanciertes Debüt.

Die Gratwanderung am ideenlosen Plastik-Pop vorbei wird zum Glück nie besorgniserregend, auch wenn die Streicher in “Sight Of You” den Song kurz gefährlich nahe in Richtung Schmonzette bringen. Dass das Debüt aber zu keiner Zeit abdriftet, liegt vor allem an dem charmant-frechen Charakter Sigrids, der jedem Song seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Ein Element, das sowohl Mainstream-Anhänger als auch Indie-Fans in Zukunft vor der gleichen Bühne versammeln dürfte. Sucker Punch ist voller Oden an das Selbstvertrauen, Ausbrechen, Anderssein – kurz: an den Hörer selbst.

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Bild: Pressefreigabe

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.