John Grant – Love is Magic

Für sein viertes Album “Love is Magic” hat sich John Grant nach Island zurückgezogen, was beim Hören der Platte spürbar ist. Denn John Grant lässt uns trotz der Absurditäten seiner Gesangswelt auch mal ruhige Momente genießen.

Vor fast genau drei Jahren begeisterte John Grant mit seinem Studioalbum “Grey tickles, black pressure” die Indie-Szene zuletzt.  Hat der amerikanische Songwriter in den drei Jahren etwas von seiner Spitzzünglichkeit eingebüßt oder poltert er humoristisch und zynisch weiter drauf los auf seinem vierten Longplayer “Love is Magic”?

Mit “Metamorphosis” gibt John zunächst einen kleinen Rundgang in die absurde Welt seiner sarkastischen Songwriter-Künste, musikalisch gibts dazu einen dumpfen Synthie-Beat. Klingt so, als würde gleich ein gruseliger Tim Burton-Film losgehen, aber dann kommen beruhigende treibende Beats als Bridge. Doch John überrascht weiter mit einem radikalen Bruch im Song und lässt einem die Dramatik seines Schaffens erneut spüren. Im Titeltrack entlässt uns der Solokünstler in ein melancholisches Alltagsleben, in der Liebe nur Magie ist, aber nicht so greifbar, wie wir gedacht haben. Wir verlieren etwas den Zugang dazu und regen uns am Ende in der Beziehung über Kleinigkeiten wie fehlende Milch im Kühlschrank auf, statt über Gefühle zu sprechen.

Soundtechnisch hat sich John Grant nicht so sehr weiterentwickelt, aber das wollte er wohl auch nicht. Etwas extravagant aber auch gewöhnungsbedürftig sind in Sachen Sounddesign die Titel “Preppy Boy” mit 8-Bit Gedächtnis-Beat und “Diet Gum”, welches gleich eine siebenminütige Elektropop-Wand mit einem kaum singenden, sondern mehr sprechenden John Grant abliefert. Musikalisch ruhig, aber lyrisch umso kantiger kommt die Nummer “Smug Cunt” daher, in welcher John Grant sich den aktuellen US-Präsidenten etwas vorknüpft, beziehungsweise auf eine Weise beleidigt, welche es sonst nur Serien wie South Park tun. Textlich war das aber schon mal besser, was John abgeliefert hat, denn für seinen klugen Zynismus ist er eigentlich bekannt, die Schimpftirade ist dann doch etwas unnötig. In der Mitte des Albums wird es also etwas fahrig.

Aber zum Schluss hinaus beweist John doch nochmal sein wahres Können aus 8 Jahren Solokarriere. Denn mit Love Is Magic haben wir das Endergebnis, wenn seine drei Vorgänger in ein Album gepresst werden würden, in unseren Händen. Sowohl das orchestrale “Is He Strange”, als auch der Closer “Touch and Go” – eine Ode an die Whistleblowerin Chelsea Manning – überzeugen auf ganzer Linie. Nach einer knappen Stunde wird der Hörer also doch noch in eine ruhige Welt entlassen, die trotz all seines Zynismus uns doch noch die Liebe lässt.

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Bild: Pressefreigabe

 

 

Daniel Guggeis

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