Powerflo – 21.06.2018 – Köln, Luxor

Von L.A. nach Köln – vielleicht nicht auf direktem Wege, aber mit Tour-Zwischenstationen – kam Powerflo am 21. Juni ins Kölner Luxor. Hier stellte die Band, deren gesamter Cast Top-Stationen im Musiker-Lebenslauf hat, ihr Schaffen vor. Das gleichnamige Debütalbum der Combo wurde an diesem Abend kraftvoll präsentiert. Dass dabei keiner Debütant ist, war deutlich in dem – wenn auch etwas kurzgeratenen – Set des Konzertes zu spüren.

Der Opener für Powerflo an diesem Abend in Köln war die Band Grindhouse, vom Sänger als ansässig in Köln und Euskirchen vorgestellt. Die Hardcore-Punk-Mischung der sichtlich erfreuten Lokal-Band war energiegeladen und gut gespielt. Kurze Stimmpausen für Gitarre und Bass überbrückte der Sänger mit angenehmer Natürlichkeit und ebnete den Weg für rollend einleitende Bassläufe oder kleine Gitarrensoli. Leider waren noch nicht genug Besucher im Club, um die Vorband zu erleben. Er füllte sich erst später. Zumindest bot dies Sänger Moritz die Gelegenheit, vor die Bühne zu treten, wo er während der Shouts das Mikro entstöpselte. Ungeachtet dessen, fuhr er fort und holte auch ohne technische Lautverstärkung alles aus dem jungen Kehlkopf heraus, was möglich war.

Nach dem Bühnenumbau und gleich mehreren Intros vom Band kamen die im Verhältnis zur Vorband ein wenig älteren Herren von Powerflo auf die Bühne. Zunächst effektvoll mit dem Rücken zum Publikum, das zwischenzeitlich etwas größer geworden und mehr nach vorne gekommen war, bewegten sie sich beim Einsetzen des Spielens schon bald in Richtung Publikum. Dieses war recht bunt gemischt und es ließ sich vermuten, dass eher Hip-Hop-Fans sowie Metal- oder Hardcore-Hörer dabei waren. Aber eben auch solche, die schon länger genau die Mischung der zwei Genres mögen. Denn das, was Powerflo auf Platte und auf die Bühne bringen, ist so ganz neu nicht. Dennoch kommt es enthusiastisch und interessant rüber, sodass der Crossover-Stil ganz frisch genossen werden kann.

Sie sind aus Los Angeles, damit stellte Rapper Sen Dog die Band Powerflo vor. Die musikalischen Referenzen der Mitstreiter wurden genannt und akustisch untermalt. So wurde Biohazard-Sänger und Gitarrist Billy Grazadei mit der Aufforderung zu springen und Downset-Gitarrist Rogelio ›Roy‹ Lozano sowie Ex-Fear Factory-Bassist Christian Olde Wolbers mit kurzem Anspielen bekannter Songs der jeweiligen Haus-Bands bekannt gemacht. Sich selbst benannte der unter dem Künstlernamen Sen Dog bekannte Rapper als Mitglied der Band, die gesagt habe, Marihuana sei keine Droge. Die Rede war von Cypress Hill. Das Schlagzeug wurde an diesem Abend und auf der Tour nicht bedient von Worst-Drummer Fernando Schaefer, der auf dem Album zu hören ist, sondern von dem Peruaner Fred Aching Rios. Er stand im Können und der Präsenz in nichts seinen Mitspielern nach.

Gespielt wurden Songs wie „Start a war“, „Made it this way“, „Where I stay“ oder „The grind“ vom Debütalbum. Nun umfasst dieses elf Lieder. Vielleicht deshalb oder einfach nur, um langjährigen Fans eine Freude zu machen, spielten Powerflo dann auch noch den Biohazard-Song „How it is“ von 1994. Schon damals wurde dabei die Band am Mikro von Sen Dog unterstützt. Dieser bewegte sich eher gemächlich, hielt aber während des ganzen Konzertes seine Stimmbänder in reger Aktivität. Billy Grazadei, der Jiu-Jitsu praktiziert, zeigte seine Fitness auf der Bühne. Immer wieder hüpfte er herum und stattet mal dem Drummer, mal den anderen Kumpels einen Besuch ab.

Auch das Publikum war zwar in Bewegung, aber nicht unbedingt exzessiv. Trotzdem schien es Spaß zu haben an diesem – eher kühleren – Sommerabend. Zum Mitsingen ließen sich die Besucher auch noch von Powerflo animieren. Der Bandname lässt sich gut splitten, indem die Band „Power-“ und das Publikum „-flo“ brüllte.

Bühnenerfahrung und ein fester Platz im Musikbusiness scheint für die Herren von Powerflo nicht zu heißen, dass das Ganze keinen Spaß mehr macht. Diesen transportierten sie deutlich. Und spielten mit Leidenschaft, Präzision und ausgefeilter Technik. Eine Zugabe gab es nicht und das Konzert hätte zeitlich durchaus etwas ausgedehnter sein können. Dafür gab sich die Band unmittelbar danach im Vorraum des Luxors die Ehre und stand den Fans für Autogramme, Fotos und Gespräche zur Verfügung.

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Fotos: Stefanie Zerres

Stefanie Zerres

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