Quiet Slang – Everything Matters, But No One Is Listening

Unter dem Namen „Quiet Slang“ geht der Beach-Slang-Frontmann James Alex neue Wege abseits des Punk-Rocks, jedoch mit alten Klassikern im Gepäck.

„Play It Loud, Play It Fast“ – Das ist nicht nur eine Textzeile aus dem Song „Future Mixtape For The Art Kids“, der auf dem letzten Beach Slang Longplayer A Loud Bash Of Teenage Feelings erschienen ist, sondern auch das inoffizielle Motto der Punkband aus Philadelphia. Doch damit ist (fürs Erste) Schluss: Frontmann James Alex gönnt sich eine Pause und widmet sich den ruhigeren Tönen. Als Quiet Slang setzt er nun mit dem Album Everything Matters, But No One Is Listening die lange geplante Idee um, seinen Songs eine Frischzellenkur in reduzierter und akustischer Form zu spendieren.

Der Punkrock von Beach Slang hat sich schon immer durch eine gewisse Melancholie hervorgehoben, die bei jedem Song durch die ehrlichen, lebensnahen Texte und emotionsgeladenen Melodien mitschwingt. Dieses Gefühl, gleichzeitig tanzen und das Leben feiern zu wollen, während eine nostalgiegeschwängerte Träne die Wange herunterkullert. Die minimalistische Instrumentierung als Quiet Slang aus Piano, Cello und Gesang geht noch einen Schritt weiter und schaltet mehrere Gänge herunter, um durch emotionale Entschleunigung nun vollends die Herzen der Hörer zu kapern. Da wirkt es fast schon ironisch, wenn die oben genannte Zeile „Play It Loud, Play It Fast“ auf einmal in gedrosseltem Tempo und mit Klavierbegleitung statt schneller E-Gitarre und treibenden Drums den Song eröffnet.

Die kratzig-rauchige Stimme von James Alex, die bisher im Rock-Gewitter manchmal fast schon untergegangen ist, schwebt nun erhaben über den dezent, aber perfekt dosierten Instrumentalarrangements und gibt jedem Song nochmal eine ganz besondere, berührende Note. Wie der rau-piksende Pulli, den man aber trotzdem in wohliger Erinnerung anzieht, weil ihn Oma gestrickt hat, schmiegt sich der Gesang in die Gehörgänge. So wird ein Song wie „Noisy Heaven“, der sonst die Tanzfläche füllt, zu einem ergreifenden Meisterwerk.

Selbst bei „Too Late To Die Young“, das schon auf dem 2015 erschienenen The Things We Do To Find People Who Feel Like Us als Akustik-Version deutlich herausstach und die ersten Anzeichen für das zukünftige Quiet Slang-Schaffen zeigte, schafft Alex es, nochmal mehr Druck auf die Tränendrüse aus dem Song herauszukitzeln – was bei dem Original fast gar nicht mehr möglich erschien.

Ist das nun Kammer-Punk? Klassik-Rock? Wie auch immer das ambitionierte Projekt „Quiet Slang“ kategorisiert werden mag, etwas ganz besonderes ist es auf jeden Fall. Der geträumte Herzenswunsch eines Punkrockers, der der Welt das volle Potential seiner Songs zeigen will und es mit Everything Matters, But No One Is Listening auch definitiv geschafft hat.

 

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Bildquelle: Pressefreigabe

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.