Ezra Furman – Transangelic Exodus

Das neue Album von Ezra Furman Transangelic Exodus ist eine aufgekratzte und faszinierende vierzig minütige Novelle auf das 21. Jahrhundert.

Das Intro “Suck the Blood from my Wound” erinnert noch am ehesten an die Vorgängerplatte Perpetual Motion People. Es wird rockig und fetzig, aber es gibt schon die ersten Breaks. Die Zeit der Doo Wops von Hits, wie “Restless Year” ist vorbei bei Ezra. Er läutet mit Transangelic Exodus ein neue Epoche seines Schaffens ein. Mit “Driving Down to L.A.” schafft er es trotz weniger Strophen eine starke Roadtrip-Atmosphäre zu kreieren. Da passt es umso mehr, dass das Musikvideo zum Song in einer wilden Verfolgungsjagd endet.

Sein zweites Album für Bella Union ist eine Offenbarung. Selbst der Letzte sollte nun merken, was für ein ungeheures Songwriting-Potenzial Ezra Furman besitzt. Klar ist der Vorgänger leichtere Kost gewesen. Für dieses neue Album braucht es Zeit. Aber der Wechsel von den wohltuenden Saxophonklängen zu den flüchtenden Schreien tut ihm gut und beschreibt nicht nur seine persönliche Lage ganz gut. Dem Deutschlandfunk erzählte Ezra, dass sie noch nie so viel Zeit in die Arrangements reingesteckt haben, auch sowas lässt sich der Platte anmerken. Denn sowohl Streicher und Bläser begleiten immer wieder intensiv die Stücke, in denen über seine imaginäre Flucht vor der Regierung und die Liebe zu einem Engel erzählt.

Doch ist dieses Fluchtmotiv nicht erschreckend nah an der Realität des 21. Jahrhunderts? Viele werden nun nicht für die Liebe zum Engel verliebt, sondern auf Grund vieler anderer Faktoren, aber Ezra schafft so eine schöne Metapher für die weltweiten Fluchtbewegungen. Zeit zum Durchatmen bleibt kaum, im Mittelteil wird es etwas fröhlicher und ausgeruhter mit “Marashino-Red Dress $8.99 at Goodwill” und “Love You So Bad”. Dabei sind beide Nummern keineswegs simpel arrangiert, sind nur mal zum Auflockern der emotionalen Platte da. Abgerundet wird ein nachdenklich machendes Album mit einem fröhlich klingenden “I Lost My Innocence”, die so auf der Platte markanten verzerrenden Gitarren durften aber auch im Outro nicht fehlen.

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Bildquelle: Pressefreigabe

Daniel Guggeis

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