Gregory Alan Isakov – 20.03.2017 – Köln, Kulturkirche

 

Spätestens seit dem einige seiner Songs in Serien wie Suits, Girls und Californication verwendet wurden, ist der im südafrikanischen Johannesburg geborene Gregory Alan Isakov auch in unseren Breitengraden kein Geheimtipp mehr. Den etwas langsameren Musikfans ist er dann aber spätestens als Supportact von Passenger im letzten Jahr aufgefallen. Seine Musik, erzählt wie seine eigene Biographie vom Reisen, von Orten und Begegnungen. Isakov selbst ist nicht nur durch seine Konzerte in aller Welt zu einem Vagabunden geworden, sondern auch durch das Verlassen seiner Heimat, die er seit langem ersatzweise im amerikanischen Colorado gefunden hat. Seine Musik ist dadurch inhaltlich abwechslungsreich und doch immer irgendwie vertraut. Geerdet und handgemacht klingen die Songs, die sich durchaus in die Tradition von Singer-Songwriter und Folk einordnen lassen. Geradlinig ist die musikalische Karriere von Isakov trotzdem nicht, zeigt er sich doch in verschiedenen Formationen und Livekonzepten als durchaus experimentierfreudiger Musiker. In diesem Jahr hat er einige seiner Hits mit dem Colorado Symphony Orchester neu aufgenommen. Eine Zusammenarbeit, die durchaus mit der Kollaboration von José González mit The String Theory zu vergleichen ist. Die Unterstreichungen des Orchesters verleihen auch den Songs von Isakov einen neuen Anstrich, dennoch funktionieren die Songs auch in anderen Konstellationen. 2014 tourte Gregory Alan Isakov im Duo und in diesem März mit voller Bandbesetzung. Seine Band besteht aus Jeb Bows an der Violine, Philip Parker am Cello, Steve Varney an Banjo und Gitarre, Max Barcelow am Schlagzeug, John Grigsby am Bass und James Han am Piano.

Am Abend des 20.3 schloss Gregory Alan Isakov seine Deutschlandtour mit einem Konzert in der Kölner Kulturkirche ab, wir waren live mit dabei und bestätigen; kaum eine andere Location hätte seiner Musik besser Raum geben können. Sein steigender Bekanntheitsgrad und die wunderbare Location sorgten für eine restlos ausverkaufte Show, in der Raum und Klang extrem gut harmonierten. Während sich einige Zuschauer noch vor der Kulturkirche sammelten, begann mit dem Supportact Leif Vollebekk pünktlich um 20 Uhr ein vielversprechender Konzertabend. Dieser hatte mit seinem frisch am 24. Februar erschienenen dritten Album Twin Solitude genug Material, um das Publikum für den Abend einzustimmen.
Vollebekks Musik kommt reduziert daher, eine One-Man-Show die eindeutig von der Stimme des Musikers lebt, die markant und bluesig, nie aufdringlich wirkt und sich spielerisch zwischen Gerüsten aus Piano- oder Gitarrenklängen bewegt. Vollebekks Auftritt wurde außerdem auch durch sein doch sehr gestenhaft passioniertes Pianospiel interessant, welches verhoffen ließ, er würde den Tanz aus dem Musikvideo zu “Elegy” noch einmal im Sitzen aufführen wollen. Alles in allem eine wunderbare Einstimmung für das Konzert von Gregory Alan Isakov und definitiv ein Musiker, den man im Auge oder viel mehr im Ohr behalten sollte.

Um 21 Uhr füllte sich die Bühne dann mit zahlreichen Musikern, die sich um den im Zentrum stehenden Gregory Alan Isakov positionierten. Gemeinsam mit seiner Band schöpfte dieser aus den Vollen seiner Diskographie, spielte Songs des 2009er Albums This Empty Northern Hemisphere, welches wohl zu einem seiner beliebtesten Alben zählt und beispielhaft für eine ganze Tendenz in der Musikszene steht. Im selben Jahr erschien auch das Debutalbum von Mumford&Sons, der Folk gewann in dieser Zeit durchaus an Hörerschaft. Während manche Musiker aus diesen Jahren mittlerweile auf verpopte Musik mit Folkklischee Sahnehäubchen setzen, immer untermalt von einer fast Cotton-Eye-Joe-esquen Basedrum, ist Isakov seinem Stil wohl gänzlich treu geblieben.
Seine Musik kommt auch an diesem Abend nicht effekthascherisch rüber, sondern stets bodenständig. Intelligent und fein instrumentierte Songs betteten poetische, unüberhebliche Texte ein und schafften es trotz wenig Tanzbarkeit das Kölner Publikum, mit Hilfe des atmosphärischen Kirchenraums zu verzaubern, so dass sich der ein odere andere ein Schunkeln im Sitzen nicht verkneifen konnte.

Mit  dem Song “Amsterdam” des 2013 erschienenen Albums The Weatherman setzte der Singer-Songwriter schon zu Beginn des Konzerts einen vertrauten Akzent in der Setlist und stellte damit das Publikum zufrieden, welches den ganzen Abend lang aufmerksam lauschte. Zwischen den Songs blieb für Isakov immer wieder die Zeit kleine Anekdoten zu erzählen, um somit ein sympathisches, publikumsnahes Bild von sich zu hinterlassen.

Die Songs, die auf seinem neusten Album Gregory Alan Isakov with the Colorado Symphony einen aufwendig orchestralen Anstrich erhalten hatten, wirkten in den 90 Minuten Konzertabend wieder einfacher und transportierten damit wohl am besten wofür Isakov steht: Handgemachte Musik, ehrliches, kreatives Songwriting und eine Stimme, die es vermag, dem Zuhörer ein inneres, angenehm tröstlich warmes Lagerfeuer anzuzünden ohne dabei überlaufend kitschig zu wirken.

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Foto: Pressefreigabe

 

Maria Starfeld

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