Communions – Blue

Wir haben sie schon eine Weile auf dem Schirm, weil sie zu den beachtlichen dänischen Nachwuchskünstlern des Labels Fat Possum zählen, die sich innerhalb kürzester Zeit einen Bekanntheitsgrad einspielten: Communions. Zunächst als kleines Bandprojekt der Brüder Martin und Mads Rehof begründet, vereinten sie sich mit Jacob Van Deurs Formann und Frederik Lind Køppen zu einem Indie Quartett, das sich durchaus von etablierten Größen stilistisch beeinflussen ließ und als Schulband in Umlauf geriet. Wo 2014 ihre Orientierung auf Cobblestone noch dem allseits beliebten Post Punk zu vernehmen war, frönte sie auf ihrer nachfolgenden selbstbetitelten EP schwelgenden Brit Pop-Hymnen. Der Leadgesang wurde deutlich hervorgehoben, um den klanglichen Part von Gitarrenakkorden und Bass zu dominieren.

Nach dreijähriger Einspielzeit, für die sogar der ehemalige Proberaum der Band Iceage um Elias Bender Ronnenfelt genutzt wurde und einem lokalen Wechsel der Rehof-Brüder nach Seattle, setzten sie sich erstmals wieder für ihre Aufnahmen zusammen und produzierten ihr Debüt. Es trägt den Titel Blue, erschien am 3.02.2017 und ist  klanglich dennoch relativ weit davon entfernt die Gedanken auf melancholische Pfade zu führen. Vielmehr versprühen die jungen Dänen in ihrem Elan jugendlichen Charme und unterstützen den Einklang von Optimismus und Unbeschwertheit, der in einem Genremix aus Brit Pop und Indie Rock mündet. Blue strotzt vor energetischen Gitarrenakkorden und motivierenden Lyrics, um gezielt Reminiszenzen der frühen Strokes und The Smiths zu verweben. Ein Vorwurf an den Mangel ihrer eigenen Kreativität oder viel mehr ein Kompliment an ihre Einflüsse? Zweifel an guter Laune sind hier jedenfalls fehl am Platz. Die vier Jungs haben einen passenden Soundtrack zum Frühlingserwachen geschaffen, der vor allem durch die helle, klare Gesangsstimme, versehen mit einem Quintchen Unschuld erweckt wird.

Communions. Photo: Pressefreigabe.

Das Image der Kopenhagener unterzog sich von ihrer ersten Veröffentlichung unter dem Label Posh Isolation zunehmend einem Wandel, so dass ihr Motto der rauen, authentischen Post Punk-Einflüsse weichen musste, um zum verspielten Brit Pop zu transformieren. Ihr Longplayer wird vom animierenden Leadsong ,,Come on, I’m Waiting” angeführt, der womöglich auch den radiolastigsten Charakter ihrer 11-Tracks besitzt. Ohne Intro treibt der Song direkt durch den Einsatz von Lyrics voran und kupftert in einem eingängigen Chorus, der sich im Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Drums ankündigt. Beim Song ,,Today” variiert Martin Rehofs Stimme in einem Wechselbad aus Low- und High-Fi, taucht in 80’s Sphären unter und plätschert von Freiheit angetrieben vor sich hin. Copy and paste by The Strokes? Wenn wir ehrlich sind, gibt es doch kaum bessere Oden an die Jugend als ihr prominentestes Beispiel ,,Someday”.

Generell spiegelt das Album keinen einzigen Moment von Bedrücktheit wieder, obwohl es gerade instrumental Bezug zum sarkastischen Vorgänger Morrissey zu nehmen scheint. Bereits in einem Interview gab die Band vor einigen Jahren preis, dass ihre Studioaufnahmen sich klanglich von ihrer Live-Performance sehr unterscheiden würden und ein lineares Raster anstrebten. Bitterböse Zungen würden jetzt vielleicht behaupten, dass Tonspuren mehrfach gepitcht und mit Filtern überlagert wurden, die eine Verfremdung erzeugen. Eine Zeitreise vom Stimmbruch in die Pubertät wäre denkbar. In typischer Produktionsbearbeitung vernimmt man zurückgenommene Instrumentals, die weniger verhallt in Erscheinung treten und eine klare Hervorhebung des Gesangs. Mit ,,Passed You By” folgt ein weiterer schwungvoller Song, der verweichlicht den Trennungsschmerz besingt und in kraftvollen, positiven Melodien einbettet, die ebendiese Zeilen wie ,,Ohhhh.. everything goes wrong” verschwimmen und nichtig werden lassen.

Die beiden Tracks ,,Don’t Hold Anything Back” sowie ,,Eternity” wurden bereits 2016 auf einer 7-inch veröffentlicht und fanden abschließend in die Reihenfolge des Albums. Mit Brit Pop-Flair und Echo-Filtern sticht ,,Midnight Child” etwas hervor und mausert sich zum wahren Ohrwurm, der beschwingt im Alltag begleitet oder ,,Got to Be Free”, der den stetigen Wunsch nach Freiheit verfolgt. Vanitas ist wohl nur eines vieler Motive, das sich permanent wiederholt. Vergänglichkeit, Unbeschwertheit, Naivität und die Jugend mit all ihren Facetten.

,,Take it All” gewinnt an Tempo und wird gerade im Rhythmus von Post Punk-Elementen getrieben, die auf poppige Songwriting-Tendenzen treffen und auf verspielte Weise im Chorus gipfeln, der nochmals Raum für rocklastige Gitarren bietet. Vielleicht erklären Communions diesen Twist zu ihrem Erkennungsmerkmal, indem sie kraftvoll einsetzende Drums in seichten Power-Pop überführen. Insgesamt verströmen sie auf Blue eine Menge Potential die Anfänge ihrer Karriere mit Motivation und ständigem Drang zur Entwicklung zu meistern und schaffen es zumindest ihren favorisierten Bands einen Tribut zu zollen. Ein Manko stellt jedoch die Tatsache dar, dass sie ihrem Albumtitel, der einstig in der New Wave- Epoche Aversionen zu Schwermut und Melancholie auslöste in keinster Weise mit ihrem Sammelsurium an Songs gerecht werden. Die zu erwartende emotionale Komponente, die den Hörer voller Empathie einnimmt, wird leider davon geschwemmt, sodass ein Abtauchen mit Tiefgang vergeblich bleibt.

Nichtsdestotrotz etablieren sie sich als talentierte Newcomer, die Spaß und Lebensfreude mit ihrer Musik verbinden und sich der Aufgabe widmeten, die Vorzüge unserer 80’s – Helden erneut aufleben zu lassen und in einen modernen Schleier zu hüllen. Mögen sich einige aktuell darüber beklagen, dass aus dem teils dark-wavigen Post-Punk und der Ian Curtis-Attitüde des Frontsängers plötzlich quicklebendige Pop-Hymnen entsprungen sind, so hinterfragt man tatsächlich, ob die junge Band noch in einer Selbstfindungsphase steckt.

Noch befinden sich Communions in ihrer Blütezeit und beweisen sowohl optisch, als auch musikalisch, dass sie in der Lage sind, verschiedene Genres und Stilrichtungen gekonnt zu adaptieren. Durch die collagenartige Aneinanderreihung bestehender Einflüsse, lässt sich die Band mit ihren Eigenarten jedoch schwer greifen und stellt ihre individuellen Charakteristika in den Schatten. Ob sie damit langfristig gegen den Strom schwimmen oder von den Schnellen des Mainstream mitgerissen werden, wird sich mit der Zeit wohl herausstellen. Jedenfalls ist der optimale Reifegrad der vier verschmitzten Dänen noch nicht vollständig erreicht, sodass wir künftig noch einiges von ihnen erwarten.

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Photo credits: Pressefreigabe.

Denise Schmid

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