Bonobo – 17.02.2017 – Köln, Live Music Hall

Einen knappen Monat ist es etwa her, dass Simon Green alias Bonobo fünf restlos ausverkaufte Konzerte in Deutschland spielte und zeitgleich sein siebtes Studioalbum Migration unter Ninja Tune veröffentlichte. Nachdem Black Sands und The North Borders auf mehreren Kontinenten musikalische Erfolge feierten und für eine vehemente Verbreitung des Künstlernamens sorgten, war abzusehen, dass er sich in diesem Jahr nun endlich den lange verdienten Status eines international anerkannten Künstlers einräumte. Dies äußerte sich nicht zuletzt durch die Kooperation mit gleichermaßen bekannten Größen, die ihm bei den Studioaufnahmen zu Migration in diversen Features ihre Stimme liehen. Unter anderem Michael Milosh, Frontsänger der Band Rhye und Nick Murphy alias Chet Faker, Howling, Ry X oder The Acid, der mit Bonobo eine Ode an die Discohymnen konzipierte.

Während seiner Karriere schnitt Simon Green in den letzten Jahren einige Genreschwerpunkte an und aus den anfänglichen Trip Hop-Sounds erwuchsen mit seinen letzten drei Alben wahre Ambientperlen, die gekonnt Atmosphäre einfingen und einen Umschwung in tanzbare Tracks mit impulsiv-elektronischen Einflüssen erlebten. Am 17.02.2017 bespielte er mit orchestraler Live-Unterstützung zum dritten Mal in Folge die Kölner Live Music Hall und wir waren natürlich wieder vor Ort, um seine renommierte Livetauglichkeit auf den Prüfstand zu stellen. Support erhielt er dieses Mal von einem Bandmitglied, das unter den Fittichen Nick Murphys als Teil seiner unterschiedlichen Pseudonyme fungierte. Wenn es jetzt vorab noch nicht klingelt, sollte der Name Jens Kuross auf jeden Fall unter den Newcomern in der Merkliste verzeichnet werden. Er studierte Jazz am Berklee College of Music in Boston, spezialisierte sich dennoch als Solokünstler auf seine Singer-Songwriter-Fähigkeiten, die sich in sehnsüchtig anmutendem Pop mit stimmlichen Souleinflüssen niederschlugen. Referenzen wie Jono McCleery oder James Vincent McMorrow liefern zumindest einen groben emotionalen Eindruck der facettenreichen Songs, die sich in ihrem Aufbau langsam steigern, um als rührende Balladen auszubrechen. Seine erste gleichnamige EP des letzten Jahres ist es definitiv wert, genauer inspiziert zu werden.

Nachdem der ruhige Einstieg in sentimentale Sphären geglückt war, betrat Bonobo mit seinem Live-Orchester gegen 21 Uhr wortlos die Bühne. Hinter ihm wurden Drohnenvideos aus der Vogelperspektive auf drei Banner projiziert. Wer sich bereits beim mehrmaligen Hören ihrer neuen Songs durch Youtube geklickt hat, der wird den markanten Arbeiten des Art Directors Neil Krug vermutlich schon begegnet sein. Das Farbspektrum seiner Animationen variierte in verschiedenen Sättigungen und begleitete die Setlist von Anfang bis Ende visuell, sodass ein Blick auf die Bühne unumgänglich schien. Ein weiteres bekanntes Gesicht war die Londoner Leadsängerin Szjerdene Mulcare, die ihre sanft-fragile Stimme dem Song ,,Towers” des Albums The North Borders lieh und dieses Mal für jegliche Features den Part der Vocals übernahm. Jedem Live-Auftritt verleiht sie durch eine teils improvisierte Stimmvariation einen individuellen Charakter, dem eine Menge Soul innewohnt. Die nächsten eineinhalb Stunden sollten ebenso geziert von unerwarteten Improvisationen sein, die die Diskografie der letzten sieben Jahre wiedergab. Als Einstieg wurde natürlich der titelgebende Track ,,Migration” des gleichnamigen Albums ausgewählt, um die Show mit verträumter Atmosphäre einzuleiten.

Ein richtiges Konzept zwischen den schnell-rhythmischen und langsam-sphärischen Tracks gab es nicht, allerdings wurde dafür gesorgt, dass man so schnell nicht aus der Bewegung kam. Die Setlist changierte zwischen DJ Sets von Simon Green, die mithilfe rein elektronischer Tracks mit Drum Pads und Samples zum Tanzen animierten, gehauchten Gesangspassagen von Szjerdene, die die imaginäre Reise an ferne Orte unterstützten und hoben vereinzelt in unterschiedlichen Soli sein opulentes Live-Orchester hervor. So offenbarte sich Bonobo abermals als gekonnter Musiker, der sich unterschiedlichster Genrevielfalt bediente und ebenso mit dem passenden Equipment treffsichere Kompositionen erstellte.

Das Publikum drängte sich dicht an dicht, sodass man sich den Platz zum Tanzen leider etwas erkämpfen musste. Dennoch ließen sich die meisten sich nicht daran hindern, mit geschlossenen Augen die Setlist zu verfolgen, die besonders bei Tracks des Albums The North Borders nostalgisch gestimmt waren. Auf der Bühne erfolgte ein reger Wechsel der Lichterspots, die teils in die Menge strahlten und für den ein oder anderen ein blendendes Erlebnis waren. Teilweise sah man nur die Silhouetten der Musiker, die vor den Bewegtbildern auf und ab schwenkten. Zu Beginn und Abschluss jedes Songs zollte das Publikum durch Zurufe und Applaus seinen Tribut. Wer sich jenseits der Studioaufnahmen Bonobo live zu Gemüte führt, wird eben selten in Enttäuschung zurück gelassen. Songs werden in Überlänge gezogen, mit Solos von Klarinette und Saxophon erweitert, gesanglich variiert und liebevoll inszeniert und ausgestaltet.

Bunte Lichtkegel, Visuals mit liebevollen Artworks von Landschaftsaufnahmen trieben die persönliche Stimmung an exotische Orte, um mindestens eine Stunde lang abzudriften. Ein weiterer Bonus zeigte sich in der Songauswahl. Sie war nicht nur äußerst vielfältig und hob die Qualitäten der kompletten Besetzung hervor, sondern man hatte außerdem das Gefühl, dass die wichtigsten Perlen seiner Musiksammlung alle ihren Platz fanden und nicht ausgelassen wurden. Zweitstimmen und Backgroundchor waren dieses Mal zwar nicht vertreten, aber auch die Zugabe mit zwei Zusatzsongs fiel entsprechend zufriedenstellend aus. Trotz jährlich ansteigenden Ticketpreisen rentiert es sich über alle Maßen, mal eine Live-Performance von Bonobo erlebt zu haben. Allerdings gilt auch hier wiederum die Regel schnell zu sein, da ihre Tourkonzerte in Deutschland bereits innerhalb von zwei Wochen restlos ausverkauft waren.

 

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Denise Schmid

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