Hippo Campus – Landmark

Mit ihrem Debüt „Landmark“ liefern Hippo Campus pastellfarbenen Pop-Rock und damit genau die richtigen Zwischentöne für den grauen Alltag.

Blauer Boden, rote Wand, schwarze Decke – Ein ungewohnt buntes Bild von einem innenarchitektonischen (Alp-)Traum, welches das Cover des Longplay-Debüts von Hippo Campus ziert. Im Comic-Stil wird hier eine Wohnzimmer-Idylle skizziert, bei der nicht alles so perfekt zu sein scheint wie im Ikea-Katalog. Vor dem Fenster versteckt sich zwar golden leuchtend die Sonne hinter saftig grünen Hügeln während ein üppig-behangener Orangenbaum durchs Fenster linst, dafür liegen Habseligkeiten kreuz und quer im Raum und sind stumme Zeugen des Lebensstils der Besitzer. Es ist eben nicht immer alles Gold, was glänzt. Das Leben ist mehr als schwarz und weiß – That’s the „way it goes.

Und das besingt nicht nur der erste Song nach dem (etwas gewöhnungsbedürftigen) Intro, sondern dieses Motto zieht sich auch musikalisch durch die ganze Platte.  So ist das Leben, mal ist es erfüllend, mal maßlos unbefriedigend. Dabei halten die vier Amerikaner es bei den meisten ihrer Songs aber wie mit dem Spiegelei: Sunny side up. Egal, ob Gitarrensaiten-zupfend die simple seasoneingeläutet, in boyishmit Two Door Cinema Club ähnelnden Anleihen die gute Laune auf die Spitze getanzt oder in western boys lauthals „i love it!“ in die Welt gerufen wird – den Jungs scheint immer die Sonne aus dem Ar…maturenbrett.

So scheint es zumindest. Doch Hippo Campus können auch dunkle Töne. Das innere Sommerwetter wird dann dabei schnell mal von einem monsoon abgelöst. Doch der ist alles andere als hart und peitschend, sondern eher ein lauer Frühlingsregen, der zart am Fenster herunterrinnt und in der Mitte kurz prasselnd anwächst, um gegen Ende wieder leise die Melancholie zu untermalen. Dann wird gegrübelt, man denkt zurück und schwupps – schon schwelgt der Hörer in epitaph schmachtend in vergangenen Zeiten zu poppig-nostalgischen Rhythmen und trauert der Verflossenen hinterher. Und so fröhlich sich ein Song wie vines auch geben und hinter einer Soundmaske aus Orgelsound und Schellenkranz verstecken mag, geht es dann doch wieder um unverstandene Liebe, Unzufriedenheit mit dem Status Quo und Raus-aus-dem-Keller-Romantik.

Aber irgendwie ist doch alles immer eine Mischung aus Gefühlen, Zuständen, Konstellationen und eine strikte Trennung sucht der Mensch im Leben sowohl wie bei Hippo Campus vergebens. Auf Landmark zelebriert der Indie-Nachwuchs aus den Staaten gekonnt diese Mischung aus positivem, negativem, und allem dazwischen und macht daraus ganz nebenbei auch noch Musik, die locker-leicht und eingängig den Tag versüßt. Nach zwei gefeierten EPs überzeugen die Jungs nun auch in Albumlänge und werden sich sicherlich in dem einen oder anderen Hippocampus (der Teil im Großhirn, der für das Gedächtnis zuständig ist) hartnäckig einnisten.

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Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.