Motorama -13.02.2017- Köln, Gebäude 9

Für den vergangenen Sonntag hatte sich in Köln Besuch aus Rostow am Don angekündigt.
Die russische Band Motorama besteht seit 2005 und hat schon einige Mitglieder auf der Strecke gelassen, das einstige Quintett ist mittlerweile zum Trio zusammengeschrumpft. Den Status als Geheimtipp hat die Band überwunden und wird mittlerweile durch das französische Independent Label Talitres vertreten.

Motoramas Sound lässt sich besonders an den 2010-2015 erschienenen drei Alben Alps, Calendar, und Poverty manifestieren. Die charismatische Stimme Parshins in Kombination mit treibenden Bass- und Gitarrenläufen bildet auf allen drei Alben Collagen aus Postpunk, Cold Wave und rockigem Indie Pop. So lässt es sich vielleicht erklären, dass kein Artikel und keine Rezension zu Motorama ohne Vergleiche zu Ian Curtis, Joy Division und New Order auskommt. Ob man diesen Vergleichen beipflichten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Besonders die ersten drei LPs der Band sind gespickt mit Postpunk- Referenzen, nur das 2016 erschienene Album Dialogues kann sich etwas davon lösen und lässt deutlich mehr Pop- Tendenzen und Verspieltheiten erkennen, obgleich der Sound sich immer noch stark den 80er Jahren verschreibt.

Der Sound der Band verspricht, dass man bei einem Konzert eine kleine Zeitreise in die Glanzzeiten von Postpunk und Cold Wave miterleben darf, ohne dabei einer depressiven Verstimmung zum Opfer zu fallen, denn die Musik der Band ist deutlich leichtfüßiger, fast immer tanzbar, ganz im Gegensatz zu ihren stets erwähnten Vergleichsgrößen.

Dass sich im Gebäude 9 versammelte Publikum scheint die Erwartungen an eine Zeitreise gänzlich zu teilen, auffällig viele Ü40 Männer befinden sich Hufe scharrend vor der noch leeren Bühne, mindestens 10 Leute im Publikum tragen das Tshirt zu Joy Divisions Unknown Pleasures, die ersten drei Reihen sind gespickt mit Lederjackenträgern. Ein Geruch wie in einer Sattelkammer.

Ganz bescheiden betreten die drei Musiker die Bühne und spielen mit „By your Side“ ihren ersten Song. Auf Publikumskontakt wird bewusst verzichtet, eine Begrüßung bleibt aus. Allerdings weiß die Band mit einer sehr schönen Songauswahl die zahlreich erschienenen Fans zu belohnen. Eine Reise durch die letzten sieben Jahre Bandgeschichte wird an diesem Abend serviert. Mit „Wind in her Hair“, „Heavy Wave“ und „Corona“ beweisen die drei Musiker immer wieder das Ohrwurm-Potential ihrer Musik. Leadsänger Vladislav Parshin und Maxim Polivanov wechseln sich rege mit Gitarren- und Bassspiel ab. Rhythmisch konstant und fast stoisch spielt Oleg Chernov an seinem Schlagzeug. Zwischen Postpunk-Atmosphäre und der düsteren, tiefen Stimme Parshins lassen sich am Sonntagabend wunderbar eingängige, dynamische Melodien finden, die von treibenden Drums untermalt werden. Wirklich still stehen kann das Publikum also nicht, hier und da quietschen die Lederjacken und der ein oder andere Zuhörer kann verzückte Zurufe an die Band nicht unterdrücken. Nach gut 90 Minuten sind alle Beteiligten, ob auf oder vor der Bühne, genug aufgeheizt, um sich die kalte Kölner Nachtluft durch die Haare streifen zu lassen.

Motorama ist sicherlich keine Band, die große musikalische Experimente wagt. Ihre Alben sind Konzentrate aus Vergangenheitsmusik mit einem Hauch Modernität, die eine ganz explizite Sparte bedienen und so für den ein oder anderen Nostalgiker nochmal die Chance bieten im Kleiderschrank nach der Lederjacke von damals zu suchen. Wer gerne zu melancholisch wavigen Sounds tanzt, tiefe postpunkige Stimmen mag oder sich einfach freut, dass eine russische Band es bis zu uns nach Deutschland schafft ,was sicherlich nicht so häufig passiert ,der sollte sich Motorama unbedingt eimal live ansehen.

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*Foto: Pressefreigabe

 

Maria Starfeld

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