Cigarettes After Sex – 16.11.2016 – Zoom, Frankfurt

Es war Mitte der Woche, als sich der Winter in schleichenden Etappen näherte, während ein Blick aus dem Fenster nur eine trostlose Einöde versprach,  die sich in einer vom Regen benetzten Fensterfront wiederspiegelte. Wer sich an diesem Tag nach Balsam für die Seele oder lediglich musikalischer Untermalung für die melancholischen Tage und Nächte sehnte, konnte sich treffender nicht vertrösten, als ein Konzert der Band Cigarettes After Sex aus Brooklyn zu besuchen. Auf ihrer Deutschlandtour bespielten sie am 16.11.2016 das kleine überschaubare Zoom in der Frankfurter Innenstadt. Ihre Veröffentlichungen beschränken sich zwar bis dato nur auf die beiden EPs I. sowie Affection, doch erreichten in einem relativ kurzen Zeitraum eine immense Resonanz, sodass das Ticketkontigent an der Abendkasse nicht weit vom Ausverkauf entfernt lag.

So dicht gedrängt wie das Publikum, hüllte im Laufe des Abends ebenso die Atmosphäre den kompletten Raum in sich ein, doch vorab folgte Unterstützung durch den Support Tender, der ein musikalisches Kontrastprogramm zum Hauptact liefern sollte. Das Duo aus London, bestehend aus James Cullen und Dan Cobb, trat viel energetischer in Erscheinung und bot durchaus tanzbare Rhythmen, die sich in modernen Electro-, Indie Pop /Rock und RnB-Einflüssen bemerkbar machten, der in neonfarbenes Licht getaucht wurde und leichte Referenzen zum derzeit beliebten Synthie Pop der 80er aufwies. Am 4.11. erschien ihre EP III, sodass sich in ihrer Setlist gleich ihre fünf aktuellsten Tracks wiederfanden, die neben funkigen Elementen und impulsiven Synthesizern, Loops und gepitchte Vocals aufgriffen. Dennoch ertönten Songs wie ,,Design” und ,,Smoke” in sehr verkitscht-romantischen Passagen mit Groove-Charakter, die sich in eingängigen Pop-Kompositionen präsentierten. Fans der Bands HONNE oder MOTHXR hätten vermutlich ihr komplettes Potential an Tanzenergie ausgeschöpft, da vor allem die Ergänzung der androgynen Gesangsstimme voller Elan steckte. Nichtsdestotrotz stieg das Publikum nicht so recht auf diese euphorischen Beats und Tanzpassagen ein, blieb von Perkussion, Drum Pads und Gitarrenriffs eher unberührt. Man könnte jedoch auch einfach vermuten, dass die Vorband durch den hohen Genrekontrast nicht hundertprozentig den Geschmack des Publikums traf. Im Musikvideo zu ,,Violence” von Jack A Bowden, könnt ihr euch in einer minimalistischen Industrieatmosphäre zwischen Pfeilern, Ausdruckstanz, modernen Lichtinstallationen und Visuals selbst einen Eindruck verschaffen.

Nachdem gegen 22 Uhr der Auftritt von Cigarettes After Sex angekündigt wurde, füllte sich der Bereich vor der Bühne langsam und verwandelte sich in ein dichtes Gedränge. Die zu erwartende Atmosphäre: Nostalgische, intime Momente, eingehüllt in Zigarettendunst bei gedimmten Licht oder Kerzenschein. Untermalt von Songs wie ,,Nothing’s Gonna Hurt You Baby”, ,,Dreaming of You” oder ,,Affection”, die vor Retrocharme sprühten, verliehen sie den Bezeichnungen Bedroom-Pop oder Slow-Motion-Ambient den passenden Namen. Das Projekt um Mastermind Greg Gonzales schaffte es binnen weniger Sekunden die Zeit anzuhalten und sie in einen dunklen Schleier aus Samt zu hüllen, der besonders durch die langgezogenen, fast hypnotischen Takte sowie die zurückgenomme Gitarre und Elemente aus Hall und Echo erzeugt wurde. Gleichermaßen fasziniert bis eingenommen, reagierte das Publikum und richtete den Blick durchweg erstarrt oder mit geschlossenen Augen in Richtung Bühne. Die Setlist, die Songs der ersten und zweiten EP beinhaltete, hätte gleichermaßen ein in sich geschlossenes Konzeptalbum sein können, das Themen wie Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft fokussiert. Cigarettes After Sex blieben ihrem Stil durchweg treu und ließen wenig kompositorische Veränderung zu, die allerdings nicht ihre Wirkung verfehlte. Das Publikum verfiel in eine beinahe regungslose Erstarrtheit, wenn nicht die musikalische Untermalung nochmals genutzt werden konnte, um in einem Meer aus Pärchen gegen den Strom zu schwimmen, die sich permanent subtile Liebesbekundungen machten. Eine besondere Überraschung wurde durch die Veröffentlichung des Songs ,,K.” hervorgerufen, der zeitgleich die Ankündigung ihres Debütalbums für 2017 mit sich zog.

Außerdem stellte Gonzales seine Neuveröffentlichungen ,,Young And Dumb”, sowie das erst viermal live inszenierte ,,Please Don’t Cry” öffentlich vor. Insgesamt erwiesen sich Cigarettes After Sex als gekonnte Musiker in ihrem Bereich, die ein geradliniges Ziel verfolgen. Doch ist es eigentlich der Versuch, das Gefühl von Beschwingtheit durch eine Einzelperson einzufangen, die sehr unaufgeregt voranschreitet und jedes romantische Klischée erfüllt ohne wahnsinnig kitschig zu sein. Was der Hörer hier eventuell vermisst haben könnte, ist eine Variation der Instrumentalisierung, da es durch die gewisse Monotonie keinen extrem emotionalen Tiefgang mehr besaß. Trotz alledem sind wir natürlich gespannt darauf, wie der erste Longplayer klingen wird und ob er eventuell Veränderung zulässt, die sich musikalisch experimentierfreudiger demonstriert als ihre ersten Veröffentlichungen.

 

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Denise Schmid

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