Gold Panda – 06.10.2016 – Kulturkirche, Köln

Am Samstagabend, dem 06.10.2016 erstrahlte nicht nur die Kölner Kulturkirche in Nippes in einem experimentellen Licht. Gold Panda, der erst im Mai diesen Jahres seine neue Platte Good Luck And Do Your Best veröffentlicht hatte, tourte durch Deutschland und wählte sich für seinen Auftritt natürlich einen ganz besonderen Ort aus.

Die Außenfassade des rohen Gebäudes war in violettes und blaues Scheinwerferlicht gehüllt und auch der geladene Hauptact sollte mit mit einer sphärischen Aura überzeugen. Inmitten einer dreischiffigen gotischen Kirche wurde eine Bühne in der Apsis aufgebaut, auf der dennoch eher Sounds der westlich-asiatisch bis indischen Kultur gespielt werden sollten.

Den Support gegen 21 Uhr übernahm der Berliner Multiinstrumentalist Liam x, der experimentelle elektronische Passagen mit geloopten Pop-Hooks in deutscher Sprache zierte. Zugegebenermaßen waren die ersten Lyrics etwas irritierend, wenn man sich vor Augen führte, dass Gold Panda aus Peckham in London stammte und man eher einen Künstler des Lables City Slang erwartet hätte. Dennoch überzeugte er mit seinen sample- und multiinstrumentellen Fähigkeiten vor dem gedimmten Licht seines Mac-Bildschirms, verband Synthesizer mit Drums und bekundete Herzschmerz und seine Gemütslage in allen Facetten, die man sich auf seiner im Juni erschienen EP Lass es zu in kompletter Ausführung anhören kann. Zum Abschluss und als Einstimmung auf tanzbare Rhythmen gab er ein technoides DJ-Set zum Besten und lockerte die vorab etwas erstarrte Stimmung, sodass sich ein Aufwärmtraining für die Tanzfläche bot.

Gegen 22 Uhr betrat der Veranstalter persönlich die Bühne und kündigte Gold Panda alias Derwin Schlecker in persona an. Das Publikum stand unter Strom und ehe der Künstler wortlos die Bühne betrat und auf seinem Akai MPC die ersten Töne anschlug, um ,,Chiba Nights” einzuleiten und fernöstliche Sounds aufleben ließ, begann die Menge unentwegt zu tanzen. Es war natürlich durchaus befremdlich, eine Kulturkirche plötzlich als Spot für sphärische Beats wahrzunehmen, in der von der ersten bis letzten Reihe Menschen durchgehend im Rhythmus elektronischer Musik ihre besten Hüftschwünge und Kopfnicker demonstrierten – doch eines war sicher: die Euphorie und die strahlenden Gesichter waren authentisch und sie sollten die nächsten eineinhalb Stunden auch nicht so schnell verschwinden. ,,Pink and Green” zauberte eine imaginären Schleier über die kalte, rohe Sakralarchitektur und man fühlte sich an einen fernen, verwunschenen Ort befördert.

Die Setliste changierte zwischen drei wunderbaren Alben mit ruhigen und eingängigeren Tempi, sodass vom 2010er Debüt Lucky Shiner, Tracks wie ,,Marriage” oder ,,You” von einer ganz besonderen Atmosphäre durchzogen waren, die im Publikum durch erfreutes Pfeifen und Anfeuern bestätigt wurde. Ein jeder tanzte für sich alleine und trotzdem bestand eine gegenseitige Motivation, die es unmöglich machte, nur an Ort und Stelle zu verweilen. Während eine Leinwand, auf die mandalaartige Visuals projiziert wurden, sich mit Videoaufnahmen aus Japan abwechselte, die von Laura Lewis aufgenommen wurden und im Hintergrund der Bühne dahin flimmerte, konnte man die bewegten Silhouetten an der Wand verfolgen, die vom Publikum ausgingen. Der musikalische Pionier übernahm die Rolle des gefeierten Gurus, der niemals den Fokus seines Equipments verlor und konzentriert Übergänge schuf ohne durch Worte zu interagieren. Satte Bässe, ein Hauch Noise und sanft dahinplätschernde Rhythmen führten zu kurzzeitigen Trancezuständen, die weitesgehend mit geschlossenen Augen zelebriert wurden. Besonders bei ,,Time Eater” verbreitete sich die Intention einen kurzen Exkurs in asiatische Gefilde zu vollziehen, die in einer evangelischen Kirche doch sehr ambivalente Züge besaß. Zugegebenermaßen war das Konzert durch diese vielen aneinandergereihten Glücksmomente gefühlt doch sehr viel schneller vorbei. Es hätte noch durch einige Tracks des Albums Half Of Where You Live ergänzt werden können, die schneller und elektronischer ihre Zuhörer in den Bann zogen.

Fast erregte es den Anschein, dass hier einige Fans, auch ohne den Einfluss jeglicher Sinneserweiterungsmittel, zur transzendentalen Erleuchtung fanden. Gold Panda schaffte es definitiv den Abend mit einer kleinen Reise zu verbinden und alle banalen Gedanken des Alltags auszublenden, indem man durch sphärische Klangkulissen abdriften konnte. Diese Tatsache spricht schlussendlich für die einnehmende Live-Performance des Künstlers. Wer die Kulturkirche am Ende des Konzerts verließ, tat dies mit ähnlicher Miene wie nach durchfeierten Clubnächten. Insgesamt lässt sich somit feststellen, dass auch Künstler ohne ausgeprägte Vocals mit lediglich elektronischen Produktionsmethoden, zu pulsierenden Gefühlen verleiten. Sein titelgebendes Zitat des aktuellen Albums besagt: Good Luck and Do Your Best – er  tat es und das Karma meinte es gut mit ihm. Namaste!

 

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Denise Schmid

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