John Wesley – a way you’ll never be

Mit a way you’ll never be veröffentlicht der Gitarrist John Wesley, der bereits bei Gruppen wie Porcupine Tree oder als Unterstützung für den Sänger Fish den Sechssaiter bediente, sein achtes Soloalbum. Das Album, dessen Titel absichtlich in Kleinbuchstaben geschrieben ist, soll zurückführen zu klassischen Progressiverock-Platten der 70er-Jahre und damit zu solcher Musik, die ihn selbst inspiriert hat, Gitarrist zu werden. Als seine, aus dieser Zeit stammenden, Einflüsse nennt der Künstler Namen wie Rush und Pink Floyd. Aufbereitet ist dieser Sound in modernisierter Form mit den heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Mit auf dem Album zu hören sind Mark Prator am Schlagzeug und Sean Malone am Bass, während die Vocals und Gitarren von Wesley selbst kommen. Der Backgroundgesang auf dem Song, der dem Album sein Titel gibt, „a way you’ll never be“, kommt von Geri X. Die Platte ist nicht ganz eine Stunde lang und umfasst 10 Stücke.

Sein neustes Werk beschreibt John Wesley als einen großen Schritt, da er darin zum einen den Singer-Songwriter-Stil und zum andern den Sound von „electric heavy guitar“-Elementen nutzt und zusammenbringt. Das Album fällt aber vor allem durch letzteres auf. Es dominiert das melodische und komplexe Gitarrenspiel des Protagonisten, der seine musikalische Karriere in den frühen 1980er Jahren begann und der mit verschiedenen Musikern zusammen weltweit Bühnen betrat. Die Gitarrensoli sind lange und verspielt. Hier wird das Plektrum beiseite gelegt und getappt, hier werden die Saiten ordentlich nach oben und unten gedehnt, um sie klingen zu lassen, hier darf der Musiker zeigen, was er kann, ohne Zeitdruck und Einschränkungen. Der Retrosound ist auch an der Rhythmusgitarre zu hören, wenn diese beispielsweise die Gesangsmelodie im zweiten Titel – mit über sieben Minuten Spielzeit im Übrigen das längste Lied der Platte – trägt und auch ohne die Stimme weiterführt. Der Pink Floyd-Vergleich kann beispielsweise an den Anfangssequenzen von „to outrun the light“ (Stück Drei) oder „unsafe space“ (Stück Sieben) gezogen werden. Aber auch an einen Steve Vai oder Gary Moore können dabei Erinnerungen wach werden.

Manche Gitarren-Abläufe mögen an – zugegebenermaßen sehr fortgeschrittene – Greifübungen oder Sequenzen zum Warmspielen erinnern, passen aber immer gut ins Gesamtbild hinein. Einige Stücke, wie „the silence in coffee“ beginnen ruhig, bei anderen geht es gleich zur Sache. Allgemein ist das Tempo recht unterschiedlich, auch innerhalb der Lieder. In „the revolutionist“ überschlägt sich die Gitarre fast, verheddert sich aber nicht und nach sich wiederholenden Breaks folgen unerwartete Zwischenparts. Im fünften Song, „Nada“ kommt ebenso wie in dem Schlussstück „pointless endeavors“ der tragende Bass schön zur Geltung.

Außer in einem instrumentalen Song ist immer der Gesang von John Wesley zu hören. Dieser scheint dabei nicht alle Möglichkeiten seiner Stimme auszureizen, der mehr erzählende Stil nimmt die Abwechslung heraus. Einzelne Passagen wie in „sun a rose“, wo besonders der später im Hintergrund agierende Gesang facettenreich ist, bilden hinsichtlich der Vocals eher eine Ausnahme und der Fokus bleibt auf der Gitarre. Mit der zunächst düsteren Stimmung durch progressiven Sound gefolgt von galoppierenden Rhythmen wird bei diesem Stück eine interessante Komplexität präsentiert. Auch der Abschlusssong mit der Textpassagen „turn around and go home“ feuert nochmal mit einer facettenreichen Gitarre, um dann recht abrupt zu enden.

Wer Fingerakrobatik mag, der liegt mit dieser Platte richtig. Für Hörer, die dafür nicht ganz so viel übrig haben, könnte die Platte etwas langatmig wirken.

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Bild: Pressefreigabe

Stefanie Zerres

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