Hein Cooper – 02.10.2016 – Köln, Studio 672

Einmal mehr hat sich das Studio 672 im Kölner Stadtgarten am vergangenen Sonntag als geographischer und musikalischer Nabel der Welt erwiesen, als sich dort der australische Newcomer Hein Cooper und sein Support aus Kanada aus eurozentrischer Perspektive in der Mitte trafen. Das Ergebnis war ein bunter, unbekümmerter Abend in intimer Atmosphäre, der die Endorphinspiegel gen Decke pushte und Herzen sowie Räumlichkeiten ordentlich erwärmte.

Bereits kurz nach Einlass bis hin zum Ende des Abends waren die ersten Reihen in fester Mädchenhand im besten Snapchat-Alter, direkt dahinter fanden sich die ebenfalls überwiegend weiblichen und eher älteren Semester in kleineren Grüppchen zusammen, wohingegen nur eine Handvoll männliche Fans ihren Weg in den Stadtgarten gefunden hatten. Gendergefälle hin oder her, die Künstler und das Publikum ließen sich an diesem Abend nicht lange bitten und verwandelten das lauschige Studio 672 im Handumdrehen in das Innere einer Lavalampe, in dem sich fröhliche Körper in wärmsten Farben zum Herzschlag der Bass Drum symbiotisch hin- und herschoben.

Den Auftakt machten die fünf Jungs von Foreign Diplomats aus Montréal, die sich schnell als hervorragende Einheizer herausstellten. Zum einen lag dies sicherlich an der Vielzahl von Instrumenten, die zum Einsatz kam; zum anderen wohl an dem gewaltigen Bühnencharme der Kanadier. Die Herren aus dem Hause Indica Records beglückten diesen Herbst bereits die Gäste des Reeperbahn-Festivals in Hamburg mit tanzbaren Indiepop-Klängen und sorgten auch in Köln unter Einsatz von Posaune und Tamburin für ausgelassene Stimmung. Dazu bewiesen sie eine angenehme und bodenständige Art von Humor, witzelten über ihren Kumpel  Hein Cooper und ließen sich auch von der hohen Smartphonedichte nicht stören. Nach knapp vierzig Minuten verabschiedeten sich Foreign Diplomats in Richtung Merch mit dem Hinweis, man könne bei ihnen nicht nur T-Shirts kaufen, sondern auch über „Probleme in der Schule und sowas“ reden. Wirklich eine sehr sympathische und darüber hinaus musikalisch vielseitige Truppe.

Ganz bescheiden und bodenständig kam auch der Hauptact Hein Cooper daher, als er zunächst die Pause dazu nutzte, seinen Soundcheck höchstpersönlich durchzuführen. Dies dürfte jedoch nur denjenigen aufgefallen sein, die die Atempause nicht dazu genutzt haben, um sich draußen abzukühlen und ihren Lungen ein bisschen Sauerstoff zu gönnen. Als Hein wenige Minuten später wieder auf der Bühne erschien, war hier und da ein wenig Irritation zu verspüren, schließlich sah er gar nicht mehr nach dem australischem Sunnyboy aus, den man von den Youtube-Videos kennt. Die laut gestellte Frage „Oh, so… is that the guy?“ eines Landsmannes war kaum zu überhören und wurde mit einem verschmitzten Grinsen vonseiten Coopers quittiert, das bestätigte: ja, ich bin’s doch, nur die Haare sind ab. Die ersten Klänge der Akustik-Gitarre und der glockenreinen Stimme erstickten dann ohnehin jeden Zweifel im Keim.

Nach der Indie-Alternative-Sause der Foreign Diplomats wirkt die Setlist Hein Coopers geradezu wie eine Auszeit in einer wohltemperierten Oase der Ruhe.  Der von ihm gewählte Anfang mit „Polar Bears“ eignete sich zwar nicht unbedingt als Eisbrecher, aber die Fans haben ihre Herzen auch so von Sekunde eins an fein säuberlich zu seinen Füßen niedergelegt. In der folgenden Stunde wurde geschmachtet, was das Zeug hielt, vor allem, als Hein Deutsch sprach und „Köln“ sagte. Eigentlich war seine Aussprache ziemlich tadellos,  zumal das Ganze bei einer Silbe wirklich kein Hexenwerk ist – aber darüber kann man hinwegsehen. Mit seiner liebenswürdigen Hilflosigkeit sorgte der Australier für ausgelassene Heiterkeit in einem Ausmaß, das sonst nur Katzenvideos vorbehalten ist. Im weiteren Verlauf bekamen die Fans alle Songs zu hören, die Hein Cooper im Repertoire hat, inklusive des elektronisch angehauchten Songs „The Real“ und der zarten Balladen „Curse My Life“, „Water“ sowie „Dopamine“. Auch neues, rhythmisches Material hatte der Künstler im Gepäck und stieß damit auf überwältigend positive Resonanz.

Für Begeisterung sorgte auch der Einsatz eines Loopers, ein Effektgerät, mit dem Hein Cooper sich zur Performance von „Luna Sky“ in eine heitere Ein-Mann-Band auf drei Tonspuren verwandelte. Darauf folgte ein außerordentlich brillantes Cover des Dauerohrwurms „I Need A Dollar“ von Aloe Blacc, dessen Text mühelos über unzählige Lippen ging und mit stürmischem Applaus belohnt wurde. Zur großen Überraschung und als Highlight des Abends bat Cooper die Foreign Diplomats  zur Unterstützung für seine letzten Songs auf die Bühne, sodass noch einmal richtig Bewegung in den Kellerraum kam. Zu sechst fiel es den Künstlern zwar sichtlich schwer, auf der kleinen Bühne genug Platz zu finden, allerdings schien sich daran niemand zu stören, denn man kenne sich schließlich, wie Hein erzählte, seit er selbst „a little baby“ war. Gemeinsam performten sie mit „Overflow“, „All My Desires“ und „Rusty“ Indiepop-Herzstücke aus Hein Coopers Debüt-Album, wobei sich die Bands nicht immer allzu ernst nahmen. Für ihren letzten Auftritt in Europa hat die kanadisch-australische Kombo alles gegeben und blieb durchgehend kommunikativ und publikumsnah, wie es nur in besonders kleinen Locations wie dem Studio 672 möglich ist.

Für die Zugabe stand Hein dann wieder allein auf der Bühne und gab seine traumhaft schöne Ballade „The Art of Escape“ zum Besten, womit er die Fans noch ein letztes Mal zum Dahinschmelzen brachte. Geht man nach den Stimmen im Publikum, unterlag sein Auftritt scheinbar dem Mona-Lisa-Effekt, da sich in dieser intimen Atmosphäre fast jede oder jeder unmittelbar angesehen gefühlt hat – aber dies nur als kleines Mysterium am Rande. Wie auch die Herren vom Support-Act Foreign Diplomats hat sich übrigens auch Hein Cooper selbst mit einem strahlenden Lächeln hinter den Merch-Tapeziertisch gestellt. Insgesamt lieferte der Newcomer einen runden und stimmigen, wenn auch etwas kurzen Abend, der seine Fans nicht enttäuscht haben dürfte. Eins steht fest: wenn der Australier das nächste Mal in Deutschland auf Tour geht, wird er sich vermutlich eine größere Location suchen müssen.

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Hannah Ruediger

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Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.