Coup – Der Holland Job

Es ist soweit: Mit „Der Holland Job“ bekommt Rap-Deutschland ein Kollaboalbum präsentiert, welches alleine schon aufgrund seiner Erschaffer in die Geschichte eingehen wird. Denn hinter Coup verstecken sich die beiden Rap-Größen Haftbefehl und Xatar. Nachdem beide Künstler im vergangen Jahr noch eigene Projekte umgesetzt haben, folgt nun die lang erwartete Kooperation.

Ihre Einzigartigkeit bezieht die Platte alleine schon durch die Einzelleistungen der beiden Künstler. Mit Unzensiert veröffentlichte Haftbefehl ohne große Vorankündigung im letzten Jahr ein Mixtape, das auf ganzer Linie einschlug. Unter anderem fand sich auf Unzensiert auch der Titel „CopKKKilla“ wieder, der als Reaktion auf das Musikvideo „Ich hab Polizei“ folgte, welches von Jan Böhmermann im Rahmen des Neo Magazin Royale veröffentlicht wurde.
Auch der Erfolg des vorangegangenen, 2014 veröffentlichten Albums Russisch Roulette lässt sich nicht leugnen. Darauf beschäftigte sich der Rapper mit seiner Jugend in Offenbach und stellte eindrucksvoll seine Talente für Text und Technik unter Beweis. Diese blieben natürlich nicht unentdeckt, so bekam Russisch Roulette beispielsweise im Musikexpress eine Wertung von 6,5 von 7 Sternen.

Doch auch um Xatar gab es in den letzten Jahren einigen Wirbel. Das 2015 veröffentlichte Album Baba aller Babas des in Bonn aufgewachsenen Rappers landete für einige Wochen auf Platz 1 der Albumcharts. In den Jahren davor machte der Musiker vor allem durch negative Presse auf sich aufmerksam, aufgrund eines Überfalls auf einen Goldtransporter verbrachte der Rapper einige Jahre in Haft.

Dementsprechend wundert auch der inhaltliche Fokus auf „Der Holland Job“ nicht: Richtig gedacht, es geht um Geld. Und wie das im Hip-Hop so üblich ist, feiern die Rapper sich auf ihrem Kollaboalbum vor allem selbst. Auch die restlichen Themen auf „Der Holland Job“ fallen nicht wirklich aus der Reihe: Kriminalität, Knast, Drogen. Doch ehrlich gesagt: Wer hätte da etwas Anderes erwartet?

Im Gegensatz zu vielen anderen Rappern kann man Haftbefehl und Xatar jedoch den Vorwurf der fehlenden „Realness“ nicht machen. Denn auch wenn die Texte an vielen Stellen umstritten sein mögen, so sind sie dennoch immer authentisch. Das liegt unter anderem auch an der sehr passenden Beatwahl und der fast makellosen Technik der beiden Rapper.

Absolutes Highlight des Albums ist der Titel „AFD“. Denn bei diesem Song schöpfen Haftbefehl und Xatar ihr Potential voll aus. Hier heißt es nicht „Alternative für Deutschland“, sondern „Ausländer für Deutschland“.
Hip-Hop hat als sogenanntes „Sprachrohr der Straße“ auch eine politische Stimme – die häufig jedoch nicht wirklich wahrgenommen bzw. genutzt wird. Mit „AFD“ geben Coup auf eine zeitweise ironische Art und Weise ein Beispiel für die Nutzung dieses Sprachrohrs.

Musik wird in der Regel mit verschiedensten Maßstäben beurteilt. In Relation zur restlichen deutschen Hip-Hop-Landschaft wird „Der Holland Job“ bei Rap-Enthusiasten sicherlich sehr gut ankommen. Ob es das Kollaboalbum jedoch auch schafft, eher kritisch eingestellte, dem Hip-Hop nur bedingt zugeneigte Hörer, zu überzeugen, muss sich erst noch zeigen.


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Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.

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