Deadlock – Hybris

Die deutsche Melodic Death Metal-Band Deadlock besteht bereits seit Ende der 1990er Jahre und hat kürzlich, am 8. Juli um genauer zu sein, mit Hybris ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht.

Insbesondere in den letzten zwei Jahren hat die Band, deren Mitglieder eng miteinander verbunden sind, personelle Veränderungen gekoppelt mit persönlichen Verlusten hinnehmen müssen. 2014 verstarb Schlagzeuger Tobias Graf, der zu den Gründungsmitgliedern zählte. Zudem entschied sich die zweifache Mutter Sabine Scherer, die seit 2005 als Sängerin der Musik von Deadlock eine ganz besondere Note gab, zugunsten ihrer Familie und gegen ein Leben auf Tour und im Tonstudio. Eine Entscheidung, die ihr nicht leicht gefallen ist, wie gleich am Anfang der aktuell zusätzlich erschienen 90-minütigen Band-Doku „The longest road“ beim Abschied von den Fans deutlich wird. Ebenso deutlich stellt die Band klar, dass man einen adäquaten Ersatz fürs Mikro gefunden hat: Margie Gerlitz hatte bereits als Sabine Scherers Schwangerschaftsvertretung gewirkt. Die Fans kennen sie somit schon und haben sich von dem neuen Gesang zum Teil live überzeugen lassen können. Auch neu mit dabei ist der Mann am Viersaiter, Christian Simmerl (ex-Akrea).

 

 

Die zehn Stücke umfassende Platte – zwei deutsche Titel befinden sich darauf – klingt gleich anders, als man es erwarten mag. Gerade, wenn die Stelle des Gesangs in einer Band neu besetzt wird, macht dies naturgemäß einen Unterschied. Margie Gerlitz ist keine Kopie ihrer Vorgängerin, keinerlei Versuche in diese Richtung werden deutlich. In allen Songs wird ihre stimmlich große Bandbreite ausgeschöpft. So zum Beispiel auch in „Ein deutsches Requiem“, das ein Tribut an den verstorbenen Schlagzeuger Tobias Graf ist und eine Schweigeminute beinhaltet.

Dass es sich hier um ein düsteres Album handelt liegt wohl nicht nur im Genre selbst, sondern auch in den Erfahrungen und Verlusten, deren Verarbeitung in die Musik miteingeflossen ist. Vergangenheitsbewältigung und Therapie wie die Künstlerseele sie braucht. Diese Beeinflussung benennt auch Hauptsongwriter Sebastian Reichl in der Band-Doku, wobei er Metal-Musik als sehr geeignet für das Transportieren von Gefühlen wie Zorn und Wut beschreibt. Diese herauszuschreien ist dann was die Vocals angeht die Sache von John Gahlert. Auch er äußert sich im Film nachdenklich und beschreibt seine Sorgen um die Band, die ihm am Herzen liegt.

Häufig wiederholt der weibliche Gesang bei Deadlock die Worte, die zuvor gebrüllt wurden und umgekehrt. Dieses Schema trägt nicht immer zum Abwechslungsreichtum bei, erzeugt aber Wiedererkennungswert. Die Kontraste von melodischem weiblichen Gesang und harten Shouts eines Mannes funktionieren bei Deadlock nach wie vor, wenn auch das Konzept durch einige andere Bands wie beispielsweise die Italiener Lacuna Coil schon gut vertreten und bekannt ist.

Die Platte, deren horrorerotisches Cover zusammen mit den klaren Linien des Bandlogos besticht, steigert sich von Song zu Song. Nahezu unerwartet kommt es nach den ersten Liedern zu Höhepunkten und interessanten Abweichungen vom Schema. So erzeugen zum Beispiel die unverzerrten Gitarren am Anfang und Ende – ein Kreis schließt sich – von „Blood Ghost“ Aufmerksamkeit. Hier erinnert der Einstieg der harten Riffs im Übrigen leicht an Killswitch Engages „Life to lifeless“. Der Albumtitel-gebende Song „Hybris“, mit der Nummer fünf in der Mitte angelangt – ist eines der Highlights. Dabei lässt der Einsatz der Sängerin auf sich warten und bleibt zunächst im Hintergrund, bevor andere Töne angeschlagen werden. Der Refrain hat Mitsingqualität und auch Gitarrensoli haben in diesem Stück einen guten Platz gefunden.

Das Album Hybris ist neu und anders, so gibt es beispielsweise weniger poppige Einflüsse als bei den älteren Veröffentlichungen. So wird es in der Doku auch als „schnelleres, traditionelleres Metal-Album“ beschrieben. Vielleicht findet damit auch eine personelle Veränderung der Zuhörer statt: Manche gehen, andere kommen neu hinzu, eine feste Fangemeinde hat Deadlock aber sicher. Für diese ist die DVD „The longest road“ vielleicht besonders interessant. Hier werden viele Hintergrundinfos, aufgeteilt in mehrere Kapitel, gegeben: wer kennt wen woher, was sind die Vorgaben der Plattenfirma, wie erreicht man es diese einzuhalten und auf welchem Weg entsteht so eine Deadlock-CD. Für die Neuinteressierten an der Band oder solche, denen die Musik wichtiger ist als die Entstehungsgeschichte, mag das Ganze etwas langatmig sein und allein für die Livemitschnitte lohnend.

Live wird die neue Platte von Deadlock natürlich auch vorgestellt, so z beim Beispiel  beim Summerbreeze-Festival im August und anderen Terminen.

Tourdaten:

19.08.2016 Dinkelsbühl – Summerbreeze
20.08.2016 Wenden – Rockin’ Rümmerschen
26.08.2016 Tennenbronn – Metalacker Festival
27.085.2016 Krefeld – Kulturfabrik / Mosh Room Festival

Links:

www.facebook.com/deadlockofficial

www.deadlock-official.com

Foto: Pressefreigabe

 

Stefanie Zerres

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