Thylacine – Transsiberian

Es gibt mittlerweile viele Musiker, die sich an Konzeptalben versuchen. Bei einigen funktioniert das sehr gut, es gibt jedoch auch genug Künstler, die mit ihren Konzeptalben gescheitert sind.
Auch wenn Thylacine mit seinem Album Transsiberian vielleicht nicht die großen Sprünge machen wird, eines steht auf jeden Fall fast: Das Konzept funktioniert, fasziniert und begeistert.

Mit seinen 23 Jahren hat der Franzose William Rezé bereits einiges an musikalischer Erfahrung in seinem Leben gesammelt. Mit 6 Jahren begann er am Saxophon und studierte in späteren Jahren Jazz. Eines führte zum anderen, und so veröffentlicht der junge Franzose mit Transsiberian sein Debütalbum unter dem Namen Thylacine.

Das Konzept, welches dahinter steckt, klingt so einfach wie auch faszinierend. Eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn, von Moskau bis nach Vladivostock. 9288 km, 990 Haltestellen, 6 Zeitzonen. Insgesamt verbrachte der Franzose 160 Stunden im Zug, die er auf kreative Art und Weise nutzte. So entstanden letztendlich 10 Tracks, die sich alle auf Transsiberian wiederfinden. Und ganz nebenbei noch 30 Stunden Videomaterial, 10 Stunden Audiomaterial und vier Fotofilme.

Enstehungsorte der Songs
Enstehungsorte der Songs

Und die Idee der Kreativreise geht auf. Die 10 Titel, die auf dem Album zu hören sind, bieten eine sehr ansprechende alternative zum sonst eher monotonen, elektronisch dominierten Genre.
Thylacine hat auf seiner Reise den Kontakt zu den Einheimischen gesucht, das spiegelt sich auch in der Musik wieder. An vielen Stellen sind Stimmen zu hören, welche der Franzose während seinen Stopps aufgenommen hat.

Eingeleitet wird die musikalische Reise mit Geräuschen, die wohl einem Bahnhof entspringen. Dazu gesellt sich dann in kontinuierlich zunehmend das Geräusch von ratternden Zugrädern, diese dienen als musikalische Basis für den Titel „Train“. Im weiteren Verlauf des Songs vermischt der Künstler natürliche, selbst aufgenommene Geräusche mit einigen elektronischen Komponenten und kreiert so eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Dancefloor und Fernweh einzuordnen ist.

Es fällt schwer, die Musik auf Transsiberian als elektronisch einzuordnen – obwohl sie das auf jeden Fall ist. Pumpende Beats, springende Melodien, geloopte Vocals. Anders als es bei vergleichbarer Musik jedoch häufig der Fall ist, wohnt vielen der Liedern eine stark ausgeprägte emotionale Komponente inne. Im Song „Poly“ beispielsweise kombiniert der Musiker analoge mit digitalen Instrumenten, daraus resultiert eine Ballade, wie es sie wohl nur selten gibt.

Das Ergebnis der musikalischen Reise ist nur schwer in Worte zu fassen. Die entstandene Musik lebt vor allem vom Feeling. Wer sich auf die Musik des jungen Franzosen einlässt, wird selbst mitgenommen auf eine Reise durch unbekannte Regionen und begegnet fremden Kulturen, lernt fremde Menschen kennen und bekommt die Möglichkeit, sich selbst in der Musik zu vergessen.
Transsiberian ist ein bedeutendes Stück Kultur – es ist Kunst.

Facebook: https://www.facebook.com/thylacine.w/

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.