Bergen – Zeiten für Kerle

Bergen sind ratlos. Besorgt, über Langeweile, die eigene Beziehung, das Heimatland. Es sind die großen und kleinen Dramen des Erwachsenenalters, wann auch immer dieses eintritt, welches die Band aus Dresden auf Zeiten für Kerle beschäftigt. Diese sollten sich mühelos nach Prioritäten sortieren lassen, und doch sind sie bei Bergen alle gleichermaßen besorgnisserregend.
„Jetzt ist alles entgleist“, haucht Frontmann Mario Cetti im Prolog und gibt sich offenbar größte Mühe, seiner engelsgleichen Stimme etwas Düsteres zu verleihen. Dieser Kontrollverlust zieht sich mit „Klötze“ fort. Die Trompete und die leichte Gitarre locken zwar auf eine beschwingte Fährte, doch eigentlich erzählen Bergen hier die Problematik einer Trennung mit Kind.

Es ist eben eine sorglose wie nachdenkliche Sorte des schlageresken Indiepop auf den Spuren von Virginia Jetzt!, wie er über die Jahre scheinbar immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Besonders ist Bergen die Ähnlichkeit mit Erdmöbel anzuhören, was wohl zuletzt an der Zusammenarbeit mit deren Produzent Ekimas liegt. Der Sound schwankt zwischen charmanter Selfmade-Atmosphäre und Studioklängen, zwischen heiter und betrübt. Auch „Die laufenden Toten“ ist davon betroffen. Cetti besingt hier Pegida-Demos aus der Perspektive eines emotional-vereisten Demonstranten: „Am Ende sind da bunte Fahnen und wir sind das Volk / Und auch wenn du nichts spürst, so hast du’s immer gewollt“. Um Abschluss wird der sonst glasklare Gesang im erzählerischen „Frau vom Fischer“ vom Dresdner Knabenchor begleitet, der in Dauerschleife Heinrich Schütz’ „Wie ein stolzer Adler“ adaptiert. Die Angst vor Entgleisung können Bergen am Ende nicht loswerden, dafür aber, hat das Minialbum ihnen auf rund 21 Minuten vielleicht etwas Luft gemacht.

Live:

08.12. Dresden, Peissnitzhaus
09.12. Dresden, Kino in der Fabrik

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Lena Zschirpe

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