Vorbericht: Juicy Beats

Mit dem Juicy Beats 21 steht ein Jubiläum an: Erstmals wird es im Westfalenpark zwei Tage rund gehen. Nachdem Sturmtief Zeljko das große Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen letztes Jahr ins Wasser fallen ließ, dieses Jahr der neue Anlauf. Am 29. und 30. Juli öffnet der Westfalenpark in Dortmund für 30.000 Gäste seine Pforten.

Im Line-Up überwiegt dieses Jahr Pop, wobei das Juicy Beats hier in den letzten Jahren immer ein gutes Händchen bewiesen hat: Auf die meisten Artists auf der Mainstage können sich wohl fast alle Besucher einigen. Wie immer rührt das Juicy Beats aber – um eine obligatorisch fruchtige Metapher zu bemühen – einen bunten Obstsalat, mit Indie, Electro, Hip-Hop und Rap, um nur die am stärksten besetzten Genres zu nennen. Auch Reggae, Dancehall, Urban Beats und Cross-Genre Acts werden nicht fehlen.

Schafft es das Juicy Beats bei dieser musikalischen Bandbreite sowas wie eine eigene Atmosphäre zu erzeugen oder ist das ganze doch zu bunt zusammengewürfelt? In Erinnerung an die letztjährigen Festivalbesuche gehen wir einfach mal davon aus, dass sich das Juicy Beats das bewahrt, was es ausmacht: Und das ist genau diese musikalische Vielfalt, die Chance sich treiben zu lassen und auch noch spät nachts Stages zu finden, die einem bisher verborgen geblieben waren, von einer winzigen Abrissparty mit 20 Leuten zur Mainstage zu pilgern oder das bunte Treiben vor der Bühne auch mal aus der Ferne zu genießen. Ein musikalischer Wochenendausflug vom feinsten!

Wenn man nach dem ganzen Spaß kaputt ist (oder nicht mehr in dem Alter zwei Tage und zwei Nächte durchzufeiern), dann bietet das Festival wie letztes Jahr eine Camping-und Übernachtungsmöglichkeit – für ein mehrtägiges Festival nur logisch. Genächtigt wird in unmittelbarer Nähe (im Westfalenpark selber wäre dann auch zu viel des Guten gewesen) auf einem Parkplatz. Wer bei der Wahl seines Schlafplatzes eher zimperlich ist, sollte daher vielleicht noch eine Isomatte mehr mitbringen! Zudem ist ein gesondertes Campingticket von Nöten.

Auf Stein schlafen ist sicher nicht der größte Faktor aufs Juicy Beats zu fahren, womit wir neben der Atmosphäre beim eigentlichen Grund – dem Line Up – angekommen sind. Wie bisher auch setzt das Juicy Beats auf alte Bekannte, übliche Verdächtige und Newcomer vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. Die bereits genannte bunte Mischung machen dieses Jahr als Headliner Deichkind, Fritz Kalkbrenner, Annenmaykantereit und Wanda aus, die Hip-Hop Ecke führen Genetikk, die 257ers und Motrip an. Auch der linke Block ist traditionell vertreten, dieses Jahr durch die Irie Révoltés, Feine Sahne Fischfilet und die Antilopen Gang, für den Abriss werden sich dieses Jahr wohl besonders die Drunken Masters verantwortlich zeigen. Mit noch weit über hundert Künstlern mehr kann man aber trotz der Festival-App schnell mal überfordert sein! Wir zeigen euch daher in unserem sehr subjektiven und musikalisch kaum miteinander zu vereinbarenden AHOI-Musik-Guide Künstler, die ihr nicht verpassen solltet:

Es fällt uns nicht schwer, uns auf einen Lieblings-Headliner festzulegen: Wanda. Inzwischen absolut etabliert und das gefährliche zweite Album erfolgreich gestaltet, wird es bis zur Erschöpfung schön – gut das man danach ja auch einfach mal eine Weile rumliegen kann.

Wer den Freitag verschlafen oder verpasst hat, muss sich unserer Meinung nach nicht endlos grämen, denn erst am Samstag gibt es bühnentechnisch das volle Programm, unter anderem auch die neue „Liveurope“-Bühne mit Razz als Headliner. Die vier Jungs aus dem Emsland haben unter anderem auch schon das Publikum des Hurricanes und des Taubertal-Festivals in pure Verzückung gebracht. Wir hoffen, dass Razz vor der erdenklich schönsten Kulisse eines Sonnenuntergangs zur Primetime auf der Bühne stehen dürfen, damit der allseits bekannte Schwermut vor dem nahenden Ende eines Festivals kurz Einzug halten kann, bevor wieder weiter getanzt wird.

Was tanzbaren Elektropop betrifft, ist der Tisch beim Juicy Beats bekanntermaßen immer reich gedeckt. Wer es abseits der Headliner eine Spur gefühlvoller vorzieht und gegebenenfalls auch noch ein Faible für die 80er hat, möge sich den sicherlich abwechslungsreichen Sound von Me and My Drummer zu Gemüte führen. Spätestens bei „Blue Splinter View“ sollten sich erste Symptome der Glückseligkeit einstellen – begleitet von der Hoffnung, dass der Sommer nie enden möge.

Sicher spannend werden auch Rangleklods, der träumerisch-dunkle Elektropop des dänischen Duos… Moment, die heißen ja gar nicht mehr so! Jetzt geht es als Blondage mit musikalischem Richtungswechsel weiter. Die erste Single „Dive“ lässt auf einen spannenden, weil wenig vorhersagbaren Auftritt hoffen. Und tanzen wird man auch dürfen!

Und zu guter Letzt aus der Abteilung Attacke: Wenn man eher ein Fan von altbewährtem ist, dann könnten Symbiz die richtigen sein. Wobei altbewährt hier meint: Als erfolgreich im Gedächtnis geblieben und nun erneut auf dem Juicy Beats. Die Weltenbummler von Symbiz sind vielleicht sowas wie das Juicy Beats in klein: musikalisch bunt, immer wieder mit neuen Innovationen, ein bisschen verrückt und trotzdem ihrem Sound treu: „Symbiz sind die besten tibetanischen Bergblockflötenspieler die es gibt!“

Klar, wer hier internationale Top-Artists erwartet, wird eher enttäuscht sein, und auf die eine oder andere Band hatten auch wir uns insgeheim Hoffnungen gemacht (wie das eigentlich bei fast jedem Festival so ist). Das Juicy Beats bleibt aber auch dieses Jahr mit dem Line Up seiner Linie treu, kein rein headlinerfixiertes Festival sein zu wollen, sondern auch den eher unbekannten Künstlern eine Bühne zu bieten. Mit dem wirklich schönen Westfalenpark, den es während der zwei Tage zu entdecken gilt, landet das Juicy Beats sowohl bei Ravern, als auch bei Hipstern mit Turnbeuteln, dem 0815-Festivalbesucher (wozu wir uns zählen) und auch bei Familien. Geeint in Vielfalt haben alle Besucher die Chance ihren Horizont musikalisch zu erweitern. Dazu werden wieder Essens- und Obststände von gesund bis ungesund und von vegan bis wurstig zur Stärkung beitragen, Plattenstände zum Stöbern einladen und Mode- Design- und Streetwearstände kleine Marken aus ganz Deutschland präsentieren. All diese wollen dazu beitragen, den Fokus des Festivals im positiven Sinne noch zu erweitern. Auf das man sich Sonntags mit schönen Erinnerungen wieder auf den Weg gen Heimat macht.

Juicy Beats Festival Nr. 21, am 29. Und 30. Juli 2016 im Westfalenpark in Dortmund. Tagesticket Freitag oder Samstag jeweils 38,40€, Festivalticket 69,40€, Campingticket für zwei Personen mit Zelt 26,00€ im Juicy Beats Karten-Shop.

Facebook: https://www.facebook.com/juicybeatsfestival/?fref=ts
Homepage: http://www.juicybeats.net/

Von Hannah Rüdiger und Philipp Lehmann

Philipp Lehmann

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