A. Dyjecinski – The Valley Of Yessiree

Artur Dyjecinski gehört wohl zu den Musikern, die einfach Musik machen, weil sie müssen. Nicht, um damit den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern weil die Musik ein elementarer Bestandteil des eigenen Lebens ist. Im Fall von A. Dyjecinski resultiert daraus ein Werk, welches außergewöhnlicher wohl kaum hätte werden können.

Eine musikalische Einordnung des Künstlers fällt an dieser Stelle sehr schwer. Natürlich geht Dyjecinski durchaus als Singer/Songwriter durch, doch da ist eigentlich noch wesentlich mehr. Experimentelle Klänge die stellenweise schon fast psychedelisch angehaucht sind vermischt mit anderen, häufig analogen Klängen machen The Valley Of Yessiree zu dem, was es ist: Einzigartig, emotional und nahezu perfekt.

Ein Album als perfekt zu bezeichnen, mag hochgelobt klingen. Letztendlich wird Musik immer subjektiv wahrgenommen – A. Dyjecinski sticht für uns jedoch aus der großen Masse von Neuveröffentlichungen heraus.

Diese Sonderstellung der Platte resultiert vor allem aus der ihr innewohnenden Emotionalität. Die Mischung aus Traurigkeit und Melancholie zieht sich als roter Faden durch das gesamte Werk, doch gibt es an vielen Stellen Lichtblicke, die den Emotionsfluss weniger unterbrechen, als das sie ihn manipulieren, ihn in eine andere Richtung lenken. Teilweise braucht es dafür nicht viel – Gitarre und Drums dominieren viele Teilstücke des Albums, ohne dabei auch nur einmal monoton zu klingen.

Und dennoch schafft der Künstler zwischenzeitlich häufiger den Sprung zwischen destruktivem Experimental und melodischem Singer/Songwriter-Pop. Der Song „Yessiree“ kommt beispielsweise ohne Gesang aus und lebt quasi von Distortion bzw. Overdrive, doch setzt die Gitarre zwischenzeitlich auch für kurze Pausen aus und hält so die Vitalität des Songs aufrecht. Darauf folgt der Titel „Resurrection“, der anders kaum sein könnte – und trotzdem passt er in das Gesamtwerk hinein. Denn er hält, was er verspricht und kann auch musikalisch als „Wiedergeburt“ gesehen werden. Der Kontrast zwischen beiden Titeln ist deutlich hörbar, doch bewirkt er eher eine konstruktive Anreicherung als dass er die Stücke zu weit auseinanderreißt.

Inhaltlich beschäftigt sich der Künstler mit der Einsamkeit, mit der Existenz des Einzelnen – Musik und Text fügen sich ineinander ein und harmonieren miteinander.

Unterm Strich ist A. Dyjecinski mit The Valley of Yessiree ein wahrer Geniestreich gelungen. Die kontrastreichen Instrumentals überzeugen in Kombination mit den Texten, jedoch ohne dabei zu weit auseinander zu driften. Und auch wenn das Album vielleicht nicht in die Sparte „einfache Musik“ eingeordnet werden kann, so passt es wie angegossen in die Kategorien „Musik fürs Herz“ und „experimentelles Wunderland“.

Homepage: http://www.adyjecinski.com/

Live

15.05.2016   –    About Songs Festival (Hamburg)
16.05.2016   –    Auster Club (Berlin)
17.05.2016   –    Stereo Wonderland (Köln)

 

Lars Junker

About author

Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.