Ought – 03.05.2018 – Köln, Bumann & Sohn

Am Donnerstag, den 03.05.2018 brachte es das Kölner Popanz Booking wieder musikalisch auf den Punkt und vereinte die skandinavischen Newcomer von Hater mit dem kanadischen Post-Punk-Quintett von Ought. In der Location des Ehrenfelder Bumann & Sohn wurde die kleine, bescheidene Bühne mit Homerecording-Charme zum Performance-Schauplatz, um das im Februar erschienene Album Room Inside the World anzupreisen, das unschlagbare eineinhalb Stunden das Publikum in seinen Bann zog und nicht zuletzt durch Frontmann Tim Darcy fuzzig-geladene Post Punk-Passagen mit Einflüssen von 80er-Jahre Wave-Elementen vereinte.

Mit der skandinavischen Band Hater an ihrer Seite, die bereits im Vorjahr die Formation The Radio Dept auf ihrer Europatour unterstützten, war ein seichter Dream Pop-Einstieg geschaffen. Ihre im Dezember erschienene EP Red Blinders liefert einen kompakten Überblick über ihr Songwriting, das vor allem von emotionalem Input zehrt, die romantische Verklärtheit von Land of Talk oder Amber Arcades wiederspiegelt ohne an Antrieb zu verlieren und gleichzeitig durch die Stimme ihrer Frontsängerin Caroline Landahl so bittersüß-fragil anmutet ohne in ausgiebiger Melancholie auszulaufen.

So konträr ergänzten die jungen Schweden den Einstieg der Quebecer Post-Punk-Virtuosen. Nachdem die blonde, zurückhaltende Fraktion aus Malmö mit ihrem gemütlichen Coming-of-Age Sound die Bühne verlassen hatte, füllte sich allerdings die Location innerhalb weniger Minuten. Nicht nur durch ihr selbstbewusstes Auftreten und den trotz kanadischer Wurzeln, exorbitanten britischen Stil hinterließen Ought einen bleibenden Eindruck: Wer sich die Band aus der ersten Reihe ansah, konnte sofort erkennen, dass die Bühnenpräsenz nicht nur durch die Theatralik von Darcy’s Stimmorgan gegeben, sondern auch von seiner Art zu performen, abhängig war. Das Mikrofon lässig im Takt und immer bereit den großartigen Mark E. Smith zu imitieren, während Drums und Bass einen regen Wechsel der Be- und Entschleunigung unterstützten und musikalisch für ständige unerwartete Wendungen sorgten.

Während das erste, 2014 erschienene Album More Than Any Other Day und sein Nachfolger Sun Coming Down (2015) noch im Post Punk á la Fugazi oder den frühen Joy Division verwurzelt waren, wo der treibende Sound mit rohem Gesang kreuzte, löste ,,Room Inside the World” eine Hinwendung zum Wave aus. Die komplette Bandbreite von Ought wurde zum Besten gegeben – Klassiker, wie ,,Beautiful Blue Sky”, mit seinem langsam, trabende Intro und den mantraartigen Oden an die Vergänglichkeit von ,,I’m no longer afraid to die .. YES!” sowie mit dem geballten Optimismus von ,, Today More Than Any Other Day”, stieg Darcy zum pathetischen Prediger des Realismus empor. Natürlich immer mit einem Augenzwinkern gewappnet, das auch die Fans in der ersten Reihe zum überschwänglichen Rangeln animierte. Eine großartige Show, ein Publikum das 100 Prozent dabei war und eine Menge Songs, die eine Welle der Bewegung initiierten.

2018, nach der 2-jährigen Studiozeit, machten Ought eine Entwicklung durch, die etwas ruhiger als ihre Vorgänger ausfiel, aber dennoch ihre Lyrik nicht eingebüßt hat, die phasenweise ruhiger und verträumter ihre Realisierung fand. Eine kurze Verschnaufpause also bei ,,Brief Shield” und dem wavig-angehauchten ,,Alice”, bis eine Rhythmussteigerung von ,,Desire” über ,,Disgraced in America” eine euphorische Stimmungskurve nahm, um ihrer ersten Single-Auskopplung ,,These 3 Things” einen Tribut zu zollen und ihre Genrevielfalt auf ein Album komprimiert vollkommen auszuspielen. Eine Band, die live locker mit ihrem Albumformat mithalten kann und durch die schmächtige Statur ihres Frontsängers mit der variablen, klaren Falsettstimme nochmal doppelt überrascht, wenn er sich gesanglich wieder in das instrumentale Post Punk-Gewabere begibt. So endet ein Abend im Bumann & Sohn, der durch seine Auswahl an Underdogs immer wieder dafür sorgt, neuem musikalischem Input eine Chance zu geben und den Entdeckerdrang vollends zu befriedigen.

 

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Denise Schmid

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