Don Broco – 28.05.2018 – Köln, Luxor

Es ist schon reichlich merkwürdig, wie die Jungs von Don Broco in ihrer britischen Heimat kaum noch aus der lokalen Musikszene wegzudenken sind, aber hierzulande immer noch kleine Clubkonzerte spielen, die wohlgemerkt selten ausverkauft sind. Im Londoner Alexandra Palace ließen die Jungs um Sänger Rob Damiani zuletzt so richtig die Fetzen fliegen; Headline-Show, 10.000 grölende Fans, Musikvideodreh.

Beim Konzert im Kölner Luxor, das an einem Montag stattfand, sah das etwas anders aus, aber keinen Deut schlechter: 40 Grad im Club, knapp 300 grölende Fans, Schweiß von der Decke und die nach Bandangabe “best crowd of the tour”. Aus diesen Zutaten zauberte Don Broco mit der Vorband The LaFontaines einen Abend der Extraklasse.

Wenn Schotten schocken

Aber von Anfang: Der Tag war ohnehin schon übermäßig heiß, in den Katakomben des Kölner Luxor staute sich also die Hitze. Durch eine gut funktionierende Lüftungsanlage konnte aber Abhilfe geschaffen werden. Als Vorband hatten Don Broco sich für ihre kleine Europatour die Schotten von The LaFontaines ausgesucht. Die betraten recht flott die Bretter und die Spiellaune war ihnen im Gesicht abzulesen.

Verständlich, denn eine derartige Kombination sieht man nicht immer: Frontmann Kerr Okan ist ein unfassbar taktverliebter Rapper, der mit seinem starken schottischen Akzent eine eigene Marke setzt. Die drei verbleibenden Bandmitglieder liefern als Soundkulisse soliden Rock ab, der mit spannenden Beatstrecken zu unterhalten weiß. Mehr noch: sogar verdammt Spaß macht! Dabei werden Okans Lines immer wieder gut getimed von John Gerards (Bass) klarem Gesang unterbrochen. Das Ganze geht vom Ohr direkt in die Beine und die fantastisch gelaunte Band animierte zum Springen, Crowdsurfing, Moshen und Tanzen, bevor sich Kerr Okan schließlich sogar selbst in die feiernde Meute schmiss. Und das war erst die Vorband – Hut ab.

Einen Blick auf die abwechslungsreichen Musikvideos der Schotten können wir neben dem unbedingten Tipp zum Anhören auch empfehlen!

Schwitzen, Tanzen, Leben

Nach Umbau-, Bier- und Soundcheckpause eröffneten Don Broco als Main-Act brachial brillant. Mit “Pretty” und dem eingängigen Chorus “8 Days a Week, Sucker, 8 Days a Week!” schallerte es gleich mal so richtig. Die Menge explodierte förmlich vor der Bühne und hing euphorisiert an Rob Damianis Lippen, der sich beim ersten Song schon vorn auf die Absperrung stellte und nicht dran dachte, einfach so auf der Bühne zu bleiben. Es folgten mehrere solcher Explosionen.

Die Briten spielten ein gut ausgewogenes Set aus Songs ihrer erst im Februar erschienen Platte Technology gleichberechtigt neben ihrem ersten aufgenommen Track. Dabei bewiesen sie einmal ihre klangliche Ambivalenz. Trotz hörbar tief gestimmter Gitarren, vereinten sich bei ihrem Auftritt Punk, Pop, Electro, Alternative, Metalanleihen und sogar Rockballaden zu einem großen Ganzen – und das konnte überzeugen.

Die Crowd wogte ohne Pause, immer zwischen Springen, Schwitzen, Pit-öffnen. Den Höhepunkt erreichte die Stimmung circa zur Hälfte des Konzerts, als der Schweiß an der niedrigen Decke des Luxor begann zu kondensieren und vereinzelt Wasserflaschen umher geworfen wurden. Dabei jederzeit präsent: Don Broco.

Nach einem ausführlichen Set, das eindringlich dargelegt hat, dass die Jungs in Deutschland kein Geheimtipp mehr sein sollten, verabschiedeten sie sich würdig mit zwei Zugaben. Zu “Come Out to LA” durfte noch einmal jeder Anwesende die letzte Luft aus den da schon mitgenommenen Stimmbändern pressen. Beim “T-Shirt-Song”, den das Publikum ohnehin schon den ganzen Abend forderte, flogen dann ebenjene besungene Kleidungsstücke durch den Club.

Ein wahnsinniger Abend, der trotz Traumwetter triefend nass endete und wahnsinnig viele gute Erinnerungen hinterlässt. Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht, als Band mit so viel Bock hierzulande eine gute Nummer kleiner zu spielen.

 

Links

Homepage Don Broco

Facebook Don Broco

Facebook The LaFontaines

Bild: Pressefreigabe

 

Christian Greiner

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Christian Greiner

Paar-und-zwanzig. Immer irgendwo zwischen Alternative, Indie, Future Bass und Hip Hop unterwegs. Vorzugsweise deutschsprachig. Ich grüße meine Oma!

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