Snow Patrol – Wildness

Nach sieben, für Fans langen Jahren melden sich Snow Patrol mit Wildness, ihrer bisher durchdachtesten Platte, wieder zurück und zeigen, dass sich das Warten definitiv gelohnt hat.

„Snow Patrol sind wieder da!“ „Nice! Ich liebe Chasing Cars und Run!“ „Welches ist dein Lieblingsalbum?“ „Äähhm“. So dürften wohl die meisten Gespräche ablaufen, wenn das neue Album Wildness der Briten als Thema aufkommt. Und grundsätzlich ist es auch nicht verwerflich, wenn man die Truppe um Gary Lightbody erst mal nur durch ihre Chartstürmer kennt, schließlich haben die Jungs einfach ein Händchen für Hits, die für die Ewigkeit sind, auch nach unzähligen Jahren Radiodauerbeschallung nicht nervig werden und immer noch so zu Herzen gehen wie beim ersten Hören.

Wer jedoch Snow Patrol vorschnell als Schmuserocker abstempelt und ihre restliche Diskografie mit Gleichgültigkeit gestraft hat, verpasst eine der talentiertesten und vielseitigsten Bands der 2000er. Gerade die Prä-Final Straw-Ära und auch spätere Tracks wie „Hands Open“ oder „Take Back The City“ beweisen, dass sie auch energiegeladene Gitarrenmusik können. Während die letzten Longplayer deutlich in die poppigere Richtung ausgeschlagen haben, ist die Mischung auf Wildness nun wieder deutlich ausgewogener.

Die Singles „Life On Earth“ und „What If This Is All The Love You Ever Get?“ hätten zwar genauso gut das nächste „Run“ werden können, stattdessen wird aber auf große Refrains und epochal-ansteigende Instrumentalisierung für’s Stadion verzichtet und auf leise Töne und den wie gewohnt zerbrechlich-nahbaren Gesang Lightbodys gesetzt. Dieser experimentiert auf der neuen Platte auch gerne mal, wie beispielsweise im Refrain von „Don’t Give In“, bei dem der grundsympathische Frontmann fast nicht mehr erkennbar ist und stark dem Newcomer Billy Raffoul und seiner kratzig-hauchenden Stimme ähnelt.

Es gibt also wieder große Gefühle, aber keine wirklich großen Hits – und das ist auch okay. Snow Patrol haben ihren Soll an Nummer 1-Ohrwürmern mehr als erfüllt. Und das merkt man Wildness auch definitiv an. Das Album ist erwachsener, durchdachter und im Gegensatz zu vielen Vorgänger-Scheiben mit ein, zwei Knallern und vielen Füllern hat hier jeder Song seine Daseinsberechtigung und kann überzeugen. „Heal Me“ und „Empress“ fühlen sich wie die bisher angesammelte und perfektionierte Quintessenz des Snow Patrol Sounds an, während „A Dark Switch“ und „A Youth Written In Fire“ Neues wagen und stampfende Beats oder synthetische Töne einwerfen.

Bei den meisten Songs bleibt zwar irgendwie das Gefühl, dass noch mehr gegangen wäre (vor allem, wenn man auf die vergangenen Werke blickt) und etwas Potential verschenkt wurde, jedoch ist der Neuanfang trotzdem gelungen und seien wir mal ehrlich: Es ist einfach schön, dass die Jungs endlich wieder da sind.

 

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Bild: Pressefreigabe

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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