Mammal Hands – 18.03. – Köln, die Wohngemeinschaft

Gedimmtes Licht, sich im Takt hypnotisch bewegende Köpfe und verträumte Gesichter: ein faszinierender Anblick, haben sich an diesem Sonntag Abend doch “nur” drei bescheiden gar scheu wirkende Jungs Anfang 30 mit ihren Instrumenten auf der Bühne der Wohngemeinschaft in Köln eingefunden. Nur 70 Stühle fasst der kleine Saal und jeder einzelne von ihnen ist besetzt, restlos ausverkauft und das bereits Wochen im voraus.

Mammal Hands sind ein Jazz-Electronica-Trio aus Manchester, das sich auf der musikalischen Weltkarte mal gen Orient, afrikanische Äquatorlinie oder folklorischen Balkan bewegt. Genrezuschreibungen fallen hier schwer und in jedes Stück mischen sich andere exotische Einflüsse. Ihr einzigartiger Sound ist dabei klar und atmosphärisch zugleich, aber auch experimentell und elektronisch verdichtet: eine träumerische Symbiose.

Ihr Debüt Album Animalia führte Mammal Hands bis zum Montreal Jazzfestival, ihr dittes Album Shadow Work erschien letztes Jahr. Aus letzterem sind die meisten Stücke an diesem Abend entnommen, aber auch Werke wie das mitreißende “Kandaiki” oder “Hillum” aus den vorherigen Alben finden ihren Platz. Die wabernden Klaviermelodien erfüllen den Raum, während das Saxophon die gesamte Tonskala des menschlichen Gehörs abwandern zu wollen scheint, mal eindringlich und pulsierend, mal weich und zurückhaltend. Ihren exotischen Sound lassen Mammal Hands dabei so leicht und stufenlos mit gängigen Jazz-Vibes verschmelzen, dass man vor ihrem Werk nur den Hut ziehen mag. So zählen sie Künstler wie Bonobo, Gilles Peterson und Jamie Cullum zu ihren Fans und werden mit Größen wie dem Portico Quartet und GoGo Penguin verglichen. Way to go für das sympathische Trio.

Im Halbdunkeln liegt das gut ausgestattete Effektboard imposant zu Füßen von Jordan Smart, der sein Saxophon durch die bunten Pedale jagt und es so singen und weinen lässt, begleitet von diversen Trommeln und Rasseln, die Jordan Besse neben dem klassischen Jazz-Schlagzeug und der sogenannten Tabla, einem nordindischen Schlaginstrument, mit in die Komposition einbindet. Daneben wippt der Kopf von Nick Smart gedankenversunken hin und her, während sich seine repititiv schwebenden Pianoriffs in die Musik weben und den Sound vollenden.

Und nicht nur die musikalische Harmonie ist an diesem Abend beachtlich, auch die menschliche: ein Kopfnicken, ein Seitenblick, mehr bedarf es nicht. Man findet zurück und geht gemeinsam einen Schritt weiter. So baut sich jeder Song Stück für Stück auf, keine Alleingänge, immer die Gesamtkomposition im Blick.

 

Shadow Work Tour 2018

2. Juni – Elb Jazz, Hamburg

4. Juni – Zakk Summer Jazz, Düsseldorf

 

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Marit Kleinert

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