Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – 21.03.2018 -Muffathalle, München

Nathaniel Rateliff ließ in München zusammen mit seinen Night Sweats die Muffathalle zu seinem zeitlosen Blues-Sound in die Nacht tanzen.

Das handwerklich gut gemachter Blues und Soul auch heute noch die Menschen sowohl auf Gefühlsebene als auch auf dem Tanzboden bewegen kann, hat die Show des sympathischen Amerikaners Nathaniel Rateliff und seiner Truppe bewiesen. Die rappelvoll ausverkaufte Halle war gefüllt mit Fans aller Altersschichten, von denen sich viele recht schnell als eingefleischte Fans entpuppten.

Bevor Nathaniel seine markant-kratzige Stimme von der Bühne schmettern konnte, durften sich erstmal Slim Cessna’s Auto Club beweisen. Schon der Anblick der sechsköpfigen Formation ließ erahnen, dass hier etwas ganz Besonderes auf die Anwesenden zukommen sollte. Und allein die ersten Töne bestätigten die These. Von Anfang bis Ende des kurzen Sets rollte ein elektrisierender Hochspannungszug aus energiegeladenen Songs dem Publikum entgegen – Non-Stop ohne Zwischenhalt, für Pausen war keine Zeit. Es war wirklich schwer zu entscheiden, was faszinierender war: Die musikalische Blues-Folk-Rockabilly-Bluegrass-Extravaganza oder die wahnwitzige Show mit vollem Körpereinsatz. Die beiden Sänger fegten wie Derwische über die Bühne, schauten für einen kurzen Abstecher im Fotografengraben vorbei und legten einen perfekt abgestimmten Squaredance hin. Ein Fest für Augen und Ohren!

Da nun alle definitiv angemessen aufgewärmt waren, ging es nach der Support-Überraschung auch bald weiter mit dem Main-Act. Nach und nach betraten die Night Sweats die Bühne, positionierten sich und legten schon mal los, bis sich der große Nathaniel Rateliff ans Mikrofon begab. Dieser blickte in die Menge, zog anerkennend seinen Hut und ließ sofort seinen Tenor die Halle einnehmen. Wie die Platte Tearing At The Seams wurde auch der Abend in München mit dem butterweich groovenden „Shoe Boot“ eröffnet. Zusammen mit den schwungvollen „Look It Here“ und „Be There“ im Anschluss dauerte es nicht lange, dass neben Nathaniel und Kumpanen auch die ersten Leute im Publikum die Hüften kreisen ließen.

Filmfans waren unweigerlich an die legendären Blues-Brothers erinnert, die mit ihrem ansteckenden Sound die Massen in Bewegung brachten. Einigen Anwesenden dürfte es sicher wie Jake Blues gegangen sein, als er in der Kirche von James Brown als Pfarrer und seiner Gospel-Gemeinde erstmal ehrfürchtig versteinert und dann vollkommen mitgerissen wurde und sich mit Flick-Flacks dem tanzenden Mob anschloss. Stillstehen war auch in der Muffathalle keine Option!

Auch in Sachen Coolness kam die Band um Nathaniel an die Ikonen-Brüder heran. Egal was die gut durchmischte Setlist aus ruhig-souligen Songs wie „Wasting Time“ oder das fulminante „Intro“ auch bot, jeder der Vollblut-Musiker ließ deutlich erkennen, dass sie für ihre Kunst leben – mit euphorischem Lächeln und dem absoluten Groove. Die eigene Bläser-Section aus zwei Saxophonen und einer Trompete und dem fähigen Mann am Piano haben deutlich zur Authentizität beigetragen und das Klang-Erlebnis enorm aufgewertet. Auch wenn die neuen Songs zahlenmäßig doch deutlich überwogen, passte alles wunderbar zusammen und wirkte wie aus einem Guss.

Der offizielle Abschluss konnte natürlich nicht anders als mit dem Über-Hit „S.O.B.“ gefeiert werden. Textsicher gab hier das Münchner Publikum nochmal alles und zeigte sich von seiner besten Seite. In der Zugabe wurde zunächst nochmal ordentlich mit „Trying So Hard Not To Know You“ aufgeputscht, um dann mit dem gefühlvollen „Tearing At The Seems“, das auch das gleichbetitelte Album abschließt, den fantastischen Abend mit dieser metaphorischen Klammer zum Ende zu bringen und die Anwesenden mit einem intensiven Grande Finale mehr als zufrieden in die Nacht zu entlassen.

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Bilder: Christian Gschwilm

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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