Franz Ferdinand – Always Ascending

Auf Always Ascending versuchen Franz Ferdinand ihren Status als Indie-Helden weiter auszubauen und wagen wilde Experimente, um sich weiterzuentwickeln.

Als Vertreter der alten Britpop-Schule des Jahrganges 2005 standen auch Franz Ferdinand in diesem Jahr vor der Entscheidung: Soll der Schuster bei seinen Leisten bleiben oder doch mal neue Schuhe zusammenfriemeln? Der Erfolg des bewährten Gitarrenrocks alter Tage ist natürlich unbestritten – Keine Indie-Party ohne Hits wie „Take Me Out“ oder „Love Illumination“ neben den Klassenkameraden alá Arctic Monkeys oder Killers. Da ewiger Stillstand und das Baden in alter Glorie aber auch keine dauerhafte Lösung sind, haben sich die Schotten dazu entschlossen, sich auf ihrem neuesten Werk ordentlich auszuprobieren.

Und nach dem Austritt vom ehemaligen Gitarristen Nick McCarthy schien der Zeitpunkt für einen Neuanfang so naheliegend wie nie. Die mittlerweile fünfköpfige Truppe zeigt schon im Titeltrack “Always Ascending” wie der frische Hase nun läuft: Immer weiter nach oben, den Aufstieg vorantreibend. Seinen Job als vielversprechender Opener macht der Song auch definitiv gut, aber danach kommt erst mal eine Phase, die den Hörer ins Grübeln bringt.

Der Track „Lazy Boy“ macht seinem Namen alle Ehre und so stellt sich die Frage, ob hinter dem kurzen, doch etwas simplen Song entweder künstlerisches Kalkül steckt und die Konzeption ein kritisches Statement werden sollte oder ob hier ein klassischer Fall von Lückenfüller vorliegt. So oder so, der gemeine Student hat in diesem Song jedenfalls seine neue Hymne gefunden. „Paper Cages“ überrascht dann mit einem Tears For Fears-Gedächtnisanfang, bei dem man gar nicht anders kann, als auf den Einsatz zu warten, laut „Shout, shout, let it all out“ zu grölen. Ist das nun eine ideenlose Kopie oder eine Hommage? Der Fan tut gut daran, in der ersten Hälfte des Albums nicht allzu viel zu hinterfragen.

Dann schaffen es die Jungs um Alex Kapranos nach langsamem, aber stetigen Aufwärmens doch noch zu wirklich hörbaren und gewohnt qualitativen Stücken. Die Ballade „The Academy Award“ überzeugt mit einer zwar auch einfachen, aber dafür umso lebensnaheren Botschaft. Seien wir doch mal ehrlich: Jeder hat diese eine Person, der man den Refrain „And the Academy Award for Good Times goes to you“ widmen und vorträllern möchte. Wenn in „Huck and Jim“ teilweise sogar Ausflüge in den Rap unternommen werden und bei „Feel The Love Go“ das Saxophon zu Solo-Höhenflügen ausgereizt wird, versöhnt sich der Hörer dann doch mit dem experimentellen Charakter der Platte.

Die beachtliche Diskografie von Franz Ferdinand wird Always Ascending allem Anschein nach nicht so bergauf führen wie gewünscht, trotzdem sollte die Band, die nach wie vor zu Großem fähig ist (was die letzten Tracks des Albums definitiv andeuten) keinesfalls jetzt schon abgeschrieben werden – Auch wenn der Neuanfang nicht ganz so geglückt ist. Ein neues Team muss sich schließlich auch erst mal einspielen. Die nächste Platte wird dann zeigen, ob sich das Austoben im Sand-/Mal-/Bau-Kasten gelohnt hat und wieder neue (und vielleicht noch bessere) Kunstwerke auf uns warten.

Bildquelle: Pressefreigabe

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Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Junky, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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