King Krule – 1.12.17 – Köln, Bürgerhaus Stollwerk

Zum Einbruch der kalten Wintermonate kündigt sich nach vierjähriger Abstinenz endlich ein Lebenszeichen von Archy Marshall in Form eines komprimierten Albumformates an. Als Sprössling des britischen Prekariats, ging er bereits 2012 nach Veröffentlichung seines Debüts 6 Feet Beneath The Moon als Newcomer mit Kultpotenzial in die musikalische Historie der Szene Südlondons ein und kreirte mit seinem stilistischen Mix aus Jazzelementen, minimalistisch-verhallten Gitarrenriffs, sowie krudem Sprechgesang einen wahren Hype. Mit seinem neuen Ableger The OOZ lebt die Dämmerungsliteratur erneut in ihm auf, sodass ein blau-grauer Schleier sich gewohnt düster über sein Songwriting legt und die Abgründe von Verstand und Gefühl durchschimmern. Seine lokal situierten Wurzeln verbinden sich mit Erfahrungen persönlicher Desillusionierung, Verzweiflung und Einsamkeit,  den symbolischen Höhen und Tiefen geballter Emotion über denen der Mond als sowohl unerreichbares, als auch romantisches Motiv seinen Platz findet.

Die Neuveröffentlichung konnte man sich nun zu drei Terminen in Deutschland, darunter in Berlin, Hamburg und Köln zu Gemüte führen und wir haben die Show im Bürgerhaus Stollwerk am 1.12.2017 natürlich für euch mitgenommen, um live zu berichten. Der Support blieb ebenso in der Familie und wurde von der Band Horsey übernommen, in der Archys Bruder Jack die Songs mit dem Bass begleitete.  Das Tempo variierte auf jeden Fall mit einigen PS.

Auch hier zeugte die Konstellation der Band von theatralischem Charakter mit narrativer Struktur, allerdings gespickt mit einem zynischen Augenzwinkern, das zB. auf der EP ,,Park Outside Your Mother’s House” im Zusammenspiel von Gesang, Bass, Gitarre und Schlagzeug in Perfektion zum Tragen kam. Vibrierende Stimmvarationen brachen hier unter fuzzigen Riffs aus und führten in polyphones Geklimper über, sodass die Band sich sofort zum Publikumssympathisanten mauserte, der mit seinem Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kam.

Als Einstieg definitiv ein gekonnt ausgewählter Support für die jazziger angehauchten Tracks von King Krule und seine entschleunigteren Melodien, die Leid und Liebe gleichermaßen würdigten und den musikaffinen Zuschauer seine mitgeführte Ration Taschentücher bis zum bitteren Ende aufsparen ließen. Gegen 22 Uhr erfolgte der Bühnenumbau, der etwa einstündige Wartezeiten mit sich zog und die Vorfreude minutiös steigerte – das mitternächtliche Flair der Dämmerung als stetiger Begleiter der Tragikballaden war präsent.

In der Location stauchte sich so langsam das Publikum dicht gedrängt im Innenraum und auf den Emporen und warf suchende Blicke in Richtung der Bühne. Der Dimmer der Flutlichter wurde stetig heruntergefahren und erste Silhouetten der Musiker bewegten sich im Schein langsam zu ihren Instrumenten, um erste Akkorde altbewährter Songs anzuspielen. Wie man bereits erahnte, trat der rothaarige Frontsänger mit seiner schlacksigen Statur in typisch britischer Manier zurückhaltend an sein Mikrofon, während sein Stimmorgan im Bariton zeitgleich eine gekonnte Symbiose mit ihrer instrumentalen Begleitung einging. Zunächst mit Klassikern der ersten selbstbetitelten EP, wie ,,Portrait in Black and Blue”, die eine begnadete Einführung in seine Diskographie schufen, sodass mit Balladen wie ,,Baby Blue” oder dem Mantra von ,,Easy Easy” nicht nur ihre Leichtigkeit unter Beweis gestellt wurden, sondern auch instant Gänsehaut aufkam, die nicht zuletzt durch die redundanten Basslines ausgelöst wurde.

Mit dem surfig-angehauchten Rhythmus von ,,Half Man Half Shark” erwachten die müden Geister im Verlauf des Konzertes innerhalb weniger Sekunden und schufen eine bedrohliche Atmosphäre, die im Post-Punk gipfelte und die Menge zum Tanzen animierte, wo doch bei ,,Logos” und ,,Czech One” auf subtile Weise, die Macht der Gedanken Führung übernahm und das Publikum verträumt abdriften ließen. Die Diversität der Songs ließ einen emotionalen Auf- und Abstieg der Rezipienten zu und vertonte somit nochmals das Sujet des Albums in gewohnter Manier: Mensch, Verfall, Traum, Melancholie, Realität und Illusion, das Treiben und die Perspektive der Nacht, die so schön in jazzig-bluesige Passagen eingebettet war – dennoch innere Unruhen schuf, sodass ein Einklang mit dem Bewusstsein auf Dauer ein unerreichbares Bestreben darstellte. Mister Marshall erwies sich auch hier wieder als wahrer zeitgenössischer Poet der Ära ,,Black and Blue”.

Zwischen Traum und Realität, Stillstand und Beschleunigung, emotionaler Zerrissenheit und temporärem Gerührtsein, spiegelte das Konzert nochmals alle Kompetenzen des jungen Briten wieder. Nicht nur auf Platte, sondern auch live, bewies er, dass er ein Publikum mit seiner kompletter Bandbreite musikalischer Fähigkeiten überzeugen und gar wortlos stimmen konnte, sodass man Abend das Gebäude noch wie gebannt verließ und es kaum erwarten konnte The OOZ erneut in Dauerschleife an sich vorbeiziehen zu lassen.

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Denise Schmid

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