German Roamers – Deutschlands neue Abenteurer: Auf der Jagd nach dem besonderen Augenblick

Die Zeiten, in denen der eigene Urlaub im Reisebüro gebucht wird, gehören mittlerweile für die meisten Menschen der Vergangenheit an. Vor allem die jüngere Generation geht heutzutage selbstbestimmt auf Reisen – an Reisezielen mangelt es dank fortschreitender Globalisierung nicht mehr wirklich.

Doch wohin soll die Reise gehen? Die Antwort auf diese Frage finden wir heutzutage – wer hätte das gedacht – im Internet. Neben zahlreichen Reiseportalen sind unter anderem auch die sozialen Medien für die eigene Urlaubsplanung häufig ausschlaggebend, sowohl bewusst als auch unbewusst. Wer kennt es nicht: Im eigenen Feed tauchen Bilder von weit entfernten Sandstränden, beeindruckenden Berggipfeln oder faszinierenden Großstädten auf, schnell sind die eigenen Gedanken in weiter Ferne. Seien es die Urlaubsfotos der eigenen Freunde, die Portfolios professioneller Fotografen oder der neuste Videobeitrag eines Influencers – ebenso schnell gebucht ist der nächste Trip. Airbnb, Skyscanner und Co. sei Dank. Doch warum eigentlich immer um den Globus reisen, um Neues zu entdecken? Warum nicht mal innerhalb der eigenen Landesgrenzen verreisen?

Die Antwort auf diese Frage liefert der nun veröffentlichte Bildband der German Roamers. Das aus mittlerweile 14 Fotografen bestehende Kollektiv präsentiert mit eben jenem Buch einige der eigenen Bilder, die hierzulande entstanden sind.

Mit mittlerweile knapp 250.000 Abonnenten bei Instagram zählen die Roamers wohl zu den bekanntesten Abenteurern in ganz Europa. Mal ganz davon abgesehen, dass jedes einzelne Mitglied auch über den eigenen Kanal ähnlich viele bzw. teilweise sogar noch wesentlich mehr Menschen erreicht. Auch die Referenzliste wird immer länger, hier ein Beispiel für eines der professionellen Projekte:

Sprechen wir hier von Influencern?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Der Kanal des Kollektivs wird ohne kommerzielle Absicht betrieben, bei den einzelnen Feeds der Mitglieder ist das nicht immer genau zu sagen. Da die Roamers alle auf einem professionellen Niveau agieren, steht häufiger verständlicherweise auch ein finanzielles Interesse im Hintergrund. Da der Begriff Influencer aber mittlerweile bei weitem nicht mehr überall auf positive Resonanz stößt, sollte hier ein klarer Unterschied herausgestellt werden: Ja, die Mitglieder veröffentlichen zum Teil Inhalte im Rahmen bezahlter Partnerschaften. Und: Nein, wir sprechen hier nicht von Product-Placements a la Bibis Beauty Palace. Sondern von Fotografen, die ihr Handwerk auf dem höchstmöglichen Niveau betreiben und ihre jeweiligen Projekte auch (bzw. teilweise hauptsächlich) über ihre Kanäle publizieren.

Ein Bild sagt mehr…

… als tausend Worte. Was als Redewendung jedermann ein Begriff ist, wird im Bildband der German Roamers eindrucksvoll bewiesen. Unterteilt ist das im Hardcover erhältliche, 256 Seiten starke Buch in drei essentielle Kapitel: „Up North“, „Right in the Heart“ und „At the very Top“. Diese entsprechen dem geografischen Norden, den mittleren Gebieten und dem Süden Deutschlands. Zu vielen Bildern finden sich dabei kurze Begleittexte, die unter anderem Informationen zum Motiv oder aber themengebundene Anekdoten bereitstellen.

Golden rays cutting through the myst of the morning. A spectacle of nature worth any lack of comfort. Shot by @theolator

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Doch damit nicht genug: Über das Buch verteilt finden sich zusätzlich Interviews mit jedem Mitglied der Roamers in Form von zehn Fragen, welche sich größtenteils auch auf das weite Themengebiet der Fotografie beziehen. Auch die Neugier nach dem genutzten Equipment der Mitglieder wird an dieser Stelle beantwortet. Oben drauf gibt es noch ein Kapitel, welches einen exemplarischen Tag auf einem German-Roamers-Abenteuer beschreibt, ebenso finden sich nützliche Fototipps.

Der eigentliche Kern des Buches bleibt dennoch im Vordergrund – nämlich die Bilder. Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, sparen wir uns an dieser Stelle eine detaillierte objektive Bewertung des Bildmaterials – einige Details jedoch verdienen Aufmerksamkeit. Als roter Faden durch das Buch zieht sich die optische Präsenz der jeweiligen Bilder. An vielen Stellen wird der Leser nicht von der farbenfrohen Pracht der Natur erschlagen, vielmehr finden sich häufiger auch düstere Kompositionen wieder. In Sachen Color-Grading und genereller Nachbearbeitung liegen die einzelnen Bilder der unterschiedlichen Mitglieder relativ nah beieinander. Durch die häufiger schlicht gehaltene Farbpalette rücken andere Schwerpunkte in den Vordergrund. Viele der Bilder leben von kleinen Details in der Komposition, die letzten Endes alle den gleichen Zweck verfolgen: Einen Maßstab zu definieren. Sei es ein Haus im Wald, das Kanu auf dem See oder eines der Mitglieder auf einem Berggipfel – der menschliche Verstand schafft es anhand dieser stilistischen Mittel, die Dimensionen wesentlich besser wahrzunehmen.

Die Roamers sorgen so für eine angenehme Abwechslung vom häufig übersättigten Bildmaterial in den sozialen Netzwerken. Viele der festgehaltenen Momente punkten auch durch ihre Einzigartigkeit. Häufig geht es nicht nur darum, das Motiv festzuhalten – sondern vor allem auch die Stimmung. Oder um es mit anderen Worten an einem Beispiel zu erläutern: Burg Eltz in der Eifel haben wohl schon sehr viele Menschen fotografiert, im frühmorgendlichen Nebel wohl nur die Wenigsten.

Die German Roamers vermitteln mit ihrem ersten gemeinsamen Bildband ziemlich genau die Aussage, auf deren Basis sie entstanden sind:

„Direkt vor unserer Nase finden sich umwerfende Landschaften, die man eher in fernen Ländern vermuten würde.“ (Max Münch)

Fazit

Auch wenn der informierte Instagram-Benutzer einige der Bilder und Motive des Bildbandes schon kennen wird: Die 34,90 € Anschaffungspreis sind jeden Cent wert. Der ambitionierte Landschaftsfotograf findet ein geballtes Werk voller Inspiration und nützlicher Tipps, der reiselustige Abenteurer bekommt viele gute Gründe gezeigt, auch mal das eigene Land zu erkunden. Und ganz nebenbei wären da noch die vielen atemberaubenden Bilder, die niemals langweilig werden.

Mitglieder & Links

Das Buch ist beim DuMont Reiseverlag erhältlich und kann hier gekauft werden.

Folgende Fotografen gehören aktuell zum Kollektiv, ein Blick ins Instagram-Portfolio sei an dieser Stelle empfohlen:

Leo Thomas – @theolator
Lennart Pagel – @lennart
Max Münch – @muenchmax
Remo Jacobs – @livingitrural
Johannes Höhn – @pangea
Maximilian Fischer – @iamarux
Johannes Becker – @hannes_becker
Asyraf Rizkyawan Syamsul – @asyrafacha
Jannik Obenhoff – @jannikobenhoff
Patrick Monatsberger – @moners
Jannik Heck – @jannxyz
David Kollmann – @davidnkollmann
Daniel Ernst – @daniel_ernst
Roman Königshofer – @rawmeyn

Instagram German Roamers
Facebook German Roamers
Youtube German Roamers
Homepage German Roamers

Lars Junker

About author

Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

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