William Patrick Corgan – Ogila

Ja genau, Billy ist die Kurzform von William. Und bei dem nun unter seinem vollen Namen, William Patrick Corgan, veröffentlichenden Künstler handelt es sich um Billy Corgan, der in den 90er Jahren besonders als Frontmann der Smashing Pumpkins bekannt wurde.

Die zweite Soloplatte kommt ohne Verzierungen daher

Die aktuelle Platte des Grammy-Gewinners, Ogila, ist nach dem vor zwölf Jahren erschienenen TheFutureEmbrace sein zweiter Langspieler als Solokünstler und hat mit dem alten Grunge-Sound der zerschmetternden Kürbisse wenig zu tun. Allenfalls die Balladen der Meisterwerke wie Mellon Collie and the Infinite Sadness könnten als Referenz herangezogen werden. Oder auch eben nicht. Denn William Patrick Corgan zeigt unter bürgerlichem Namen seine puren Singer-Songwriter-Fähigkeiten. Pur im Sinne von simpel und ohne viel Schnick-Schnack. Eine Dichte wie sie eine komplette Band bot, ist hier nicht anzutreffen. Die Besonderheit von Ogila beschreibt Corgan wie folgt: „So lange wie ich zurück denken kann, konnte ich den Unterschied zwischen Songs, die ich für mich schrieb und Songs, die ich für welche Band auch immer schrieb, nie genau erklären. Und das ist noch immer so, denn sie fühlen sich alle sehr persönlich für mich an, egal aus welcher Zeit oder Ära. Der einzige Unterschied bei den Songs für Ogilala ist, dass sie wenig Verzierung benötigten.“

Hochkarätig an den richtigen Schrauben gedreht

Wohl ebenso, wenn nicht sogar noch bekannter als Corgan ist sein Produzent. Die Rede ist von Rick Rubin, der bereits für Künstler wie Metallica, Linkin Park, Eminem, Tom Petty, Gossip und Lana Del Ray, um nur sehr wenige der langen Liste zu nennen, an wichtigen Schrauben drehte. Der Hintergrundmann für den richtigen Sound bekam von William Patrick Corgan, welcher selbst die Produzententätigkeit schon inne hatte, freie Hand. „Nachdem ich die Songs für Gesang und Gitarre geschrieben hatte, habe ich mich in Ricks Hände begeben und ihm die Entwicklung der Musik überlassen. Normalerweise hätte ich mehr getan und mehr an der Produktion geschraubt, aber stattdessen hat Rick mir die Bürde auferlegt, Live-Aufnahmen auf einem molekularen Level abzuliefern. Der Rest war einfach nur eine Reaktion”, so Corgan.

Markant, eigenwillig , ohne große Überraschungen

Was den Begleitern aus jüngeren Tagen durchaus geläufig und vertraut sein wird, ist die eigenwillige und für so manch einen möglicherweise gewöhnungsbedürftige Stimme des hochgewachsenen Amerikaners. Markant macht sie das Soloalbum zu einer Wiedersehensfreude für Fans. Wirkungsvoll und warm anmutend in den tieferen Tonlagen und dann fast schon schwer erträglich, je höher sie getrieben wird, zeigt sich die Stimme Corgans in all ihren Möglichkeiten.

Kostbares Glas ist zumindest nur an manchen Stellen der Platte gefährdet. So zum Beispiel direkt zu Beginn des Albums im Song „Zowie“, bei dem Corgan stimmlich in Begleitung eines schönen Klavierparts seine Höhen ausreizen wollen zu scheint. Musikalisch eine schöne pure Einleitung für Soloalbum Nummer zwei ist dieses Stück, das mit seinem simplen Daherkommen für ebendieses exemplarisch ist. Ebenso wie beispielsweise „Mandaryne“, in dem auch das Pianospiel hinsichtlich der Instrumente dominiert. Hier gibt es noch untermauernde Streicher, die zusammen mit gesanglichen Wiederholungen für Eingängigkeit sorgen. Denn neben dem unverkennbaren Gesang sind auf Ogila vor allem das Piano, die Akustikgitarre, die im zweiten Song einsetzt und fortan ihre wichtige Rolle spielt sowie Streicher zu hören. Verzerrungen und krachige Einlagen sind vergebens zu suchen. Pur und einfach, besonnen und bestimmt – so präsentiert sich der Protagonist hier. Akzente setzen tropfenartig plätschernd klingende Sounds wie in „Amarinthe“ und mit etwas erhöhter Frequenz angeschlagene Akustikgitarren wie in „Aeronaut“ oder „Antietam“. Immer wieder gibt es kurze, seichte Breaks in den Songs, in denen der Erzähler innezuhalten scheint. Direkte Highlights finden sich jedoch nicht auf dem Album, das digital sowie physisch als CD und als 180 Gramm Gatefold Vinyl erhältlich ist.

Wenn auch im sonnigen Malibu produziert, macht sich diese Platte gut als Herbst- oder Wintermusik, als Untermalung und Begleitung, die keine großen Schreck- bzw. Überraschungsmoment aufbietet. „Take me as I am“ verlangt Corgan in „The Spaniards“ und bringt es damit auf den Punkt.

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Foto: Alpha Pan

Stefanie Zerres

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