Von Wegen Lisbeth – 12.10.2017 – Köln, E-Werk

Tanzbarer deutscher Indie-Pop? Und dann noch aus Berlin? Wie ist das denn möglich?

Von Wegen Lisbeth machen es vor und sind in den letzten Jahren wohl jeder „vergleichbaren“ Band mit großen Schritten davon gelaufen. Eingängige und tiefsinnige Texte, elektronische, zum Bewegen äußerst animierende Musik und eine Handvoll sympathischer Jungs – fertig ist die Erfolgsmischung. Oft sind die Texte traurig („Das Zimmer“, „Bärwaldpark“), immer wieder aber auch spaßig („US-Studie“, „Sushi“). Meist geht es um Mädchen („Drüben bei Penny“, „Unterm Schrank“). Immer aber behandeln sie quasi Alltagssituationen – Witziges, Nachdenkliches – gut und schön verpackt.

Die Berliner nicht-mehr-so-ganz-Newcomer sind auf ihrer „Hallo Dispo“-Tour auch in Köln im E-Werk vorbeigekommen, um ein paar uralte Songs, ein, zwei neue und sonst ihr bis jetzt noch einziges Album „Grande“ zu performen.

Die Überraschung des Abends

Mit im Gepäck hatten sie die Carsten Jancker Allstars. Wen? Genau, keiner wusste so ganz wer das überhaupt ist, bis plötzlich AnnenMayKantereit als Support die Bühne betraten und das E-Werk komplett eskalierte. Henning May und Kohorten spielten dann doch nur eine halbe Stunde, wohl sehr zum Bedauern einiger weiblichen Fans, und wurden von den Lisbeths und Matthias vor Ironie triefenden Worten „Die haben wir irgendwo aufgelesen, Straßenmusiker, wir wollten denen auch mal ’ne Chance geben“ per fliegendem Wechsel abgelöst.

Von Wegen Lisbeth fackelte dann auch nicht lange und verwandelte das E-Werk in einen Tanzschuppen, in dem schon nach den ersten zwei Songs gut geschwitzt wurde und dessen Boden sich langsam mit verschüttetem Bier füllte. Letzteres erschwerte das Tanzen erheblich. Neben den wohl bekanntesten Songs des Albums „Grande“ spielten sie auch alte Youtube-Songs wie „Kafka Luise“  oder „Lang lebe die Störung im Betriebsablauf“.

Zudem performten sie noch einen Song mit AnnenMayKantereit zusammen und gaben auch ein neues Stück zum Besten, dessen Name wohl, rein hypothetisch, entweder „Wieso“ oder „Oder so“ heißen wird – gemessen an der auffällig hohen Frequentierung dieser Wörter im Text. Das sei übrigens eine „Weltpremiere“ wurde dem Publikum mitgeteilt. Musikalisch ähnelte der neue Song mit dem starken Synthi-Einsatz sehr an die 80er. Ansonsten spielte Von Wegen Lisbeth die komplette Palette außer „Schwester“ und „Unterm Schrank“. Das war irgendwie nicht verständlich, da Frontsänger Matthias Rohde nach der ersten Zugabe schon Zugzwang andeutete und die Band „ja noch nicht so viele Stücke“ habe.

Typisch Lisbeth

Ansonsten war es typisch Von Wegen Lisbeth. Gute Laune verbreiten, dem Publikum mitteilen, dass es wohl das größte Konzert der ganzen Tour sei und dann eine kleine Anekdote über das für Kinder gedachte Regenbogen-Xylophon, das bei vielen Songs und erst Recht auf der Tour, nicht fehlen darf. Dieses wurde nämlich vor einiger Zeit gestohlen und musste teuer über eine Online-Handelsplattform für acht Euro neu erstanden werden.

Von Wegen Lisbeth  schaffte es für die Zuschauer einen stimmungsvollen und überraschenden Abend zu gestalten, der wohl niemanden unverschwitzt in die Nacht entließ. Ein neues Album wäre dann aber doch mal schön.

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Jonas Berger

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Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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