All Them Witches – 11.10.2017 – Köln, Gloria

Wer an Stoner,- und Psychedelic-Rock denkt, hat meist erst einmal einschlägige Größen wie Tame Impala, Kyuss oder auch Black Sabbath im Kopf. Die 2012 in einer der Musikhauptstädte der Welt, Nashville, gegründete Band All Them Witches haben viele dabei nicht auf dem Schirm. Von den Medien wird ihnen gerne mal der Retro-Stempel aufgedrückt. Dieses Etikett könnte eventuell noch beim Debütalbum “Our Mother Electricity” zutreffen.

Während ihrer Album-Tour für die neue Platte, die den schönen Titel “Sleeping Through the War” trägt, kamen die Rocker auch in Köln vorbei. Dabei konnte schon der Schlange vor dem Gloria Theater angesehen werden, welches Klientel die Musiker ansprechen. Die alternative Szene Kölns, Alt-Rocker und stark individuelle Studenten versammelten sich, um sich für 90 Minuten musikalisch in eine andere Welt beamen zu lassen.

Neo Psych mit bekanntem Einfluss

Dem neuen Album, das im Februar dieses Jahres erschien, lassen sich die Einflüsse, die die Band in ihrer Anfangsphase begleiteten, anhören. Jedoch hatte man als Zuhörer nie den Eindruck, Gitarrenriffe oder Drum-Fills schonmal irgendwo anders gehört zu haben. All Them Witches spielen Neo Psych, dem jedoch anzumerken ist, dass er unter anderem von Bands wie Pink Floyd beeinflusst ist.

Abgesehen davon, vollbrachten All Them Witches musikalische Meisterleistungen auf der Bühne. Es entstand nicht selten der Eindruck, dass dem Zuhörer einfach ein Jam auf allerhöchstem Niveau geboten wurde und die Titel der neuen Platte nur Wegweiser durch das Konzert waren. So konnte ein Song auch gerne 20 Minuten lang gehen. Ließ man den Blick währenddessen durch das Publikum schweifen, sah man viele geschlossene Augen und der Musik angepasste, ruhige Bewegungen. Hin und wieder wurde sich auch ein Joint angezündet.

Viel neues, wenig altes

Was langjährige Fans wohl etwas verärgert haben dürfte, war die Konzeptionierung des ausschließlichen Album-Konzertes. Außer “Elk. Blood. Heart.”, bei dem leider der Solopart fehlte, sowie dem Konzertaufmacher und wohl bekanntesten  Song “When God Comes Back” spielte die Band keines ihrer älteren Stücke.

Das tat der ganzen Sache aber im Endeffekt nicht wirklich Abbruch. Nicht nur wegen des starken Auftritts, sondern auch weil Leadsänger Charles Michael Parks Jr. sich köstlich mit dem Publikum amüsierte, als er aus dem Publikum gefragt wurde, ob er schon auf dem Kölner Dom gewesen sei. Übrigens: Zwei Mal schon und es sei ein “amazing building”. Und auch Drummer Robby Staebler sorgte nach dem letzten Song “Am I Going Up?” noch für einen Lacher. Nach einem exzellenten Solo auf dem Jazz-Drumkit (nur eine Hängetom) verließ er oberkörperfrei und sichtlich außer Atem lässig mit der Peace-Geste die Bühne.

Die Vorband

Als Vorband für das Konzert war The Ghost Wolves gebucht. Die texanische Zwei-Mann-Band beziehungsweise eine-Frau-und-ein-Drummer-Band spielte stark am Country orientierten Metal. Die perfekte Vorbereitung auf das doch sehr ruhige Konzert von All Them Witches. Allerdings stimmte die Abmischung nicht so ganz, sodass die sowieso schon sehr hohe Stimme von Carley Wolf noch verzerrter wurde. Dazu kam, dass der texanische Slang für Wechselchöre mit dem Publikum in Deutschland scheinbar nicht allzu viel Anklang fand.

Dennoch ließen sich Wolf und ihr Drummer Jonathan Konya, der ebenfalls am Jazzkit spielte, davon nicht runterziehen und legten eine Bühnenpräsenz hin, die einfach Freude machte. Wolf sprang über die Bühne, zog zuerst ihr Cowboy-Oberteil aus, verlor ihren Cowboy-Hut, danach ihre Jacke, bis sie nur noch im weißen, schulterfreien Spitzenoberteil da stand. Das Gloria-Theater wurde plötzlich seiner alten Bestimmung wieder gerecht, so schien es. Musikalisch verausgabte sich dann zum Ende des Supports noch Konyan, der immer wieder danach aussah, als würde er ganze Songs komplett improvisieren.

Alles in allem ein rundes, gut besuchtes Konzert, dass dazu einlud, sich vom Alltag freizusagen und der Musik hinzugeben. Und genau das sollte bei All Them Witches auch getan werden.

Links

Gloria Theater Köln

All Them Witches

The Ghost Wolves

 

 

Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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