St. Vincent – Masseduction

St. Vincent ist eine Klasse für sich und spielt auf ihrem sechsten Longplayer „Masseduction“ innerhalb eines Jahrzehnts wieder mit dem Hörer und fasziniert ihn dabei.

St. Vincent, die mit bürgerlichen Namen Annie Clark heißt, überzeugt mit ihrer subtilen Art, an Songtexte heranzugehen. Sie ist eine Meisterin der Wortspiele. Dazu kommen verzerrte Gitarren, welche auf ihrem neuen Album Masseduction aber etwas in den Hintergrund geraten. Schon der Titel ihres sechsten Albums bringt eine Doppeldeutigkeit mit, die sich auch in ihrer Musik wiederspiegeln. Die Musik ist nun effektlastiger geworden, denn St. Vincent hat mit Produzent Jack Antonoff (Bleachers) reichlich herumexperimentiert. Mit viel Aufwand und Soundpedals aus aller Welt gelang es, der Gitarre von Clark einen neuen elektrisierenden Sound zu verpassen.

Vorbilder für diesen Sound lassen sich im New Wave der 80er wiederfinden, bis hin zur großartigen Industrial-Musik eines Trent Reznor von Nine Inch Nails. So vereint sie auf der musikalischen Ebene schon Gegensätze. Lyrisch gibt es den Gegensatz zwischen gesellschaftlicher und persönlicher Perspektive, jeder kann für sich aussuchen, auf welche Art und Weise er die Stücke der amerikanischen Künstlerin interpretiert. Denn sie bietet durchaus für beide Ebenen reichlich Stoff.

Da wären zum einen die beiden Songs „Los Ageless“ und „New York“, welche die Diversität zwischen den beiden US-Metropolen sowohl musikalisch als auch lyrisch darstellen. Der Song über New York ist eine langsame und sehr gefühlsvolle Ballade, während der Song über den Mittelpunkt Kaliforniens biestig, verzerrt und rau daherkommt.  Auf eine Art spiegeln beide Songs auch die Lebensart, die Annie in beiden Städten dort persönlich erlebt hat wieder. Sie lebte vor ihrer Solokarriere lange in New York und besitzt bis heute dort eine Wohnung, in L.A. nahm sie das neue Album auf und verbrachte dementsprechend viel Zeit an der Westküste. Beides sind Hymnen an die Städte, wobei sie den maßlosen Schönheitswahn von Hollywood doch noch kritisieren wollte und so seinen Platz im Songtitel fand.

Doch wer St. Vincent genau zuhört, bemerkt nicht nur Gesellschaftskritik, sondern eine bei ihr so noch nie dagewesene, persönlicher Note. Seit gut zwei Jahren gibt es aufgrund ihrer Beziehungen zu Kristen Stewart und zuvor Cara Delevingne definitiv mehr Medienrummel um sie. Aber sie stellt in ihrer Musik klar, dass sie genau weiß, wer sie ist und zeigt sich nicht beeindruckt von diesem Rummel. Sie versucht ähnlich wie die Künstlerin Torres  klar zu stellen, wie chauvinistisch die Branche in vielen Momenten doch sein kann. Doch eine plumpe Provokation liefert Annie Clarke damit nicht, sie ist eine Künstlerin, die mit sehr viel Bedacht agiert und aus diesem Grund erst in der Lage ist, eine solche faszinierende musikalische Gestaltung zu schaffen.

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Daniel Guggeis

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