Portugal. The Man – 18.09.2017 – München, Muffathalle

Wer bei der komplett ausverkauften Show von Portugal. The Man in der proppevollen Muffathalle mit dabei sein durfte, hat so einige Überraschungen erleben dürfen. Die fünf Jungs aus Alaska haben eine Seite von sich ausgepackt, die Viele so noch nicht gekannt haben dürfen.

Schon der Support in Form der wunderbaren Steaming Satellites sorgte für den ersten Aha-Moment. Ihr Set strotzte nur so vor Energie und die auf Platte sonst so zahmen Österreicher ließen jeden Song zu einer Wucht werden, die dem Publikum entgegenbrauste. Das Quartett performte mit einer ansteckenden Leidenschaft, die zu jeder Zeit mitriss. Anscheinend haben sie sich eine ordentliche Scheibe von der Hauptband des Abends abgeschnitten, die sie zum mittlerweile dritten Mal auf Tour begleiten durften. Und obwohl die Anwesenden es zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, spiegelten die Steaming Satellites mit ihrem ungewohnt kraftvollen und neuinterpretierten Sound das wieder, was die Fans an dem Abend bei Portugal. The Man noch erwarten sollte.

Denn nach dem trügerisch-einlullenden „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers als Intro vom Band setzten die selbsternannten „Lords of Portland“ schon mit den ersten Riffs von „Whom The Bell Tolls“ laut und donnernd ein Zeichen für die musikalische Fahrtrichtung des Abends. Nach dem Metallica-Klassiker, der auch schon bei Drangsal einen festen Platz in der Setlist gefunden hat, folgte der nächste Golden Oldie in Form von Pink Floyds „Another Brick In The Wall“. Dieser ging nahtlos in den Hit „Purple Yellow Red And Blue“ über, der dann die Runde mit den eigenen Songs einleitete.

Die vielen Teenies und Fans der bekannteren Nummern von Portugal. The Man dürften große Augen gemacht haben, denn die elektronischen Parts wurden für den Abend auf das Nötigste heruntergeschraubt und ließen den Saiteninstrumenten genug Platz zum Entfalten. Dieser Freiraum wurde auch mehr als ausgiebig genutzt, um selbst die poppigsten Songs vom aktuellen Woodstock-Album wie den Über-Hit „Feel It Stil“ oder „Live In The Moment“ zu psychedelischen Hardrock-Brettern zu formen. Wenn das Klientel ein anderes gewesen wäre, hätte bei dem Härtegrad der Versionen durchaus mit heftigem Pogen und vielleicht sogar einem gediegenen Pit gerechnet werden können.

Gefühlt jeder zweite Song wurde um mindestens ein bis zwei Minuten verlängert, indem auf den Gitarren geschreddert wurde, bis die Saiten glühten. Jeder Song wurde zum absoluten Jam-Fest und da sich die Band mit den Ansprachen zum Publikum sehr zurückhielt, fügten sich alle Tracks zu einer Setlist wie aus einem Guss zusammen. So entstand ein unglaublicher Flow mit Sogwirkung, der die fast zwei Stunden Spielzeit überhaupt nicht bemerken ließ. Die Band hielt sich generell lieber im Dunkeln auf und war die meiste Zeit nicht ausgeleuchtet – vermutlich um den Fokus auf ihre Visuals zu legen, die vom bunten Batik-LSD-Rausch bis hin zu humanoiden Figuren reichten, die im Ganzkörper-Latexanzug auf gigantischen Bananen ritten oder gelegentlich nicht jugendfreie und etwas verstörende Dinge mit ihnen anstellten.

Gegen Ende wartete sogar noch ein weiteres Cover auf die Zuschauer. Sänger John Gourley stimmte stilecht im tarngrünen Parka, den er übrigens die gesamte Show über angehabt hatte, eine gelungene Version vom Oasis-Klassiker „Don’t Look Back in Anger“ an und das Publikum antwortete mit gezückten Feuerzeugen, schwenkenden Armen und lautem Mitsingen.

Die Show dürfte für viele anders als erwartet gelaufen sein, jedoch kann aufgrund der phänomenal-leidenschaftlichen Darbietung beider Bands und den vielen unerwarteten Highlights davon ausgegangen werden, dass es für die meisten eine positive Überraschung gewesen sein dürfte.

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Fotos: Christian Gschwilm

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Suchti, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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