Beach Fossils – 5.09.2017 – Köln, Blue Shell

Anfang September galt es in der kleinen, jedoch gemütlichen Atmosphäre des Kölner Blue Shell nochmal die letzte Sommerbrise einzufangen. Ein musikalischer Spaziergang auf der Sonnenseite der US-Staaten war garantiert, während die Wellen einige Lofi-Perlen an Land spülten und das Set mit analogem Charme fluteten: Die Rede ist von den Beach Fossils.

Mit ihrer aktuellen Platte formierten sich nicht nur ihre Mitglieder neu als ihr Langzeitdrummer die Band in fernöstliche Hemisphären nach China verließ, sondern auch der erste Self-Release auf dem Label Bayonet Records konnte auf den Prüfstand gestellt werden. Altbewährte Klänge kombiniert mit der Nostalgie der späten 60er unterstützten die Hinwendung zum Pop, sodass Somersault die Hymne des Sommers deklarierte. Über die Festivalsaison hinweg waren die Jungs nicht nur Teil vieler renommierter Festivals, sondern kündigten zugleich nach vierjähriger Abstinenz ihre Europatour an. Wie sich der Stilwandel in der Live-Performance schlug? Keine Angst, wir haben uns natürlich das Event schon Monate im Voraus fett im Kalender notiert, um euch eine Berichterstattung nicht vorzuenthalten.

Mit an Bord war diesmal blutjunger UK-Support aus Cambridge. Die Besetzung der Briten war zwar annähernd so vielzählig wie eine Fußballmannschaft, doch spielte diesmal niemand auf der Ersatzbank, sondern alle besaßen eine unentbehrliche Position im orchestralen Rahmen. Zwei Schlagzeuger, ein Saxophon, Geige, Bass, E-Gitarre und Synths sprengten die Bühnenempore mit einer Menge Kondition in petto: Nervous Conditions. Kontrastierend zur Zitterpartie gab es allerdings eher stoisch angehauchte, düstere Akkorde auf die Ohren, die von intensiv-böswillig oder gar konzentrierten Blicken des Frontsängers bestärkt wurden. Die Bühnenpräsenz der gerade mal 18-jährigen Schüler, war wohl genährt vom Selbstbewusstsein bekannter Größen – vielleicht ein Startschuss, um bald den Supportstatus gekonnt zu verwerfen. Die Venue brachte Post-Punk-Attitüde, zerrende Bässe, exzentrischen Sprechgesang, Jazz-Improvisationen aka Horsey in Einklang, die in krachig-noisigen Riffs langsam, von subtiler Aggression gezeichnet, einnehmend durch die Location waberten. Definitiv ein wahrer Underdog-Tipp!

Nach gelungener und überraschend anderer Einstimmung auf den Hauptact, betrat das Quartett aus Brooklyn die Bühne. Wie immer präsentierte die Erscheinung der Bandmitglieder einen unkonventionellen Clash aus 90’s und Moderne.  Zurückgenommene Gitarren, schwungvolle Bassläufe und die vertraute Stimme Dustin Payseurs, während die Crowd sanft pogend Ebbe und Flut am Bühnenrand imitierte und sogar jede halb so melancholische Zeile der Songs in übersteigerte Euphorie umgewandelt wurde.

Nach zwei etablierten Captured Tracks-Perlen wurde es langsam Zeit neue Wege einzuschlagen, die auch in musikalischer Hinsicht erfolgreiche Umsetzung fanden. Ihr neues Album verarbeitete den Zeitgeist der späten 60er und wirkt doch verglichen zu seinen Vorgängern dem Pop verschrieben ohne Mainstream zu signalisieren. Ein Feature mit Slowdive-Frontfrau Rachel Goswell (,,Tangerine”) oder die zweite Single-Auskopplung ,,Saint Ivy” sind nur zwei wundervolle Musterbeispiele. Restlos ausverkauft konnte man natürlich auch im Blue Shell nicht ganz so endlos viel tanzen, dennoch wurden die Fans nicht enttäuscht und auch Tracks der primären EP wurden in Gänze performt. Auch nach dem Konzert verschwanden die Bandmitglieder nicht hinter der Bühne, sondern ließen den Abend beim bierseligen Kickern ausklingen. Die Sympathie vor und hinter den Kulissen ist nur ein Aspekt, der die Beach Fossils noch empfehlenswerter macht: ,,What a Pleasure”.

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Denise Schmid

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