Green Juice Festival 2017

Zehn Jahre Green Juice. Was für eine Zahl. Vor zehn Jahren erschufen eine Handvoll Studenten ein Festival mitten in Bonn, mitten in einem Wohnviertel. Es war quasi zum Scheitern verurteilt. Doch Rock und Punk lockten die Besucher an – ein kleines, umkommerzielles Festival mit Charme. Endlich ein Festival direkt in der Umgebung, für wenig Geld. Zehn Jahre lang ackerten die Begründer, suchten Mitarbeiter und Bands und gründeten Forisk Entertainment. Und es hat sich gelohnt.

Vom 18.-19.8. feierte das Festival sein Jubiläum. Das erste Mal zwei Tage lang. Gerechnet ohne die ganze Woche WarmUp! Denn dieses wurde ebenfalls zum Jubiläum ausgeweitet. Sieben Tage lang spielten verschiedene Bands kostenlose Konzerte in Bonner Kneipen, Bars und kleinen Konzerthallen. Darunter Drawing Circles, Juri, Heldenviertel, Ijaz Ali, CBus und viele, viele mehr.

Festival unter keinem guten Stern

Vielleicht wurde dieser „Gigantismus“ dem Festival zum Verhängnis, denn der Wettergott hatte keine guten Absichten, als die Sause losgehen sollten. War in den letzten Jahren stets strahlender Sonnenschein, und nicht einmal die WarmUp’s unter einer grauen Wolke, so schickte der Wind dieses Jahr literweise Wasser vorbei. Der Park in Neu-Vilich verwandelte sich am Freitag in eine Schlammpiste, in ein kaum zu bändigendes Matschloch.

Die Veranstalter redeten mit der Feuerwehr, Einsatzkräften, ihrer Crew, mit den Wasserwerken. Es wurde geschippt, Steine ausgelegt, Platten verschoben, Wasser abgepumpt. Doch es wollte und wollte keine Besserung in Sicht rücken. Der eigentliche Einlass um 14:30 Uhr wurde auf 17:30 Uhr verlegt, um 17 Uhr dann der ernüchternde Facebook-Eintrag: Der erste Festivaltag des Jubiläums fällt ins Wasser. Wortwörtlich.

Die Band Lygo wich geistesgegenwärtig und selbstständig geplant zu ihren Freunden in die Szenekneipe Bla in der Bonner Innenstadt aus, was mit den anderen Bands war wusste niemand. Doch: die Aftershowparty findet wie gewohnt statt und nicht erst um 23 Uhr, sondern schon um 19 Uhr. Eintritt frei mit Festivalkarte. Angekündigt wurden „Special Guests“. Ein erleichterndes Aufatmen.

Ein kleines Wunder

Es war zu erahnen, dass die Veranstalter sich die Laune durch „ein wenig“ Regen nicht verderben lassen wollten und schafften es einen Deal mit dem Brückenforum einzugehen. Alle ausgefallenen Bands sollten auf der Aftershowparty spielen. Ein kleines Wunder wurde dort am Freitagabend wahrgemacht. Und die Leute strömten zuhauf Richtung Aftershowparty. Blackout Problems, Royal Republic, die als Nosebreakers mit Akustik-Sets sich selbst coverten, Adam Angst und The Prosecution rockten die Party.

Später am Abend kam die Warnung: „Brückenforum ist voll, wir lassen nur noch Leute rein, wenn welche raus gehen.“

Die ausgefallene Sause wurde zu einer ausgewachsenen Fiesta. Und die Wogen waren geglättet. Auch über die sozialen Medien sprachen die Menschen den Veranstaltern Mut zu. Es sei die richtige Entscheidung gewesen den Freitag abzusagen, die Aftershow Party ausufern zu lassen und den Samstag dann ordentlich zu rocken.

Der Samstag, der zweite Tag des Festivals, fand dann wie gewohnt statt und neben ein, zwei kleineren Schauern, war Sonnencreme dann wirklich zu empfehlen. Lobenswert ist hier die Arbeit der Crewmitglieder, die auch Samstags noch Schlamm schippten, um die Wellenbrecher ordentlich befestigen zu können. So musste beim ersten Konzert von Millennia das Publikum noch aus etwas weiterer Entfernung tanzen, was dem Auftritt dank der Bühnenpräsenz der Band aber keinen großen Schaden brachte.

Green Juice trotz Rückschlägen ein voller Erfolg

Als das Gelände vor der Bühne dann bei Betamensch sicher betretbar war, wurde eine wahre Schlammschlacht gefeiert. Die Musikliebhaber pogten, grölten, tanzten, sangen – und wurden dabei schmutzig.  Die Gedanken an den verlorenen Tag waren wie weggeblasen. Emma6, Alex Mofa Gang, Smile and Burn und Le Fly folgten, um die Menge auf Itchy und Madsen vorzubereiten, die den zweiten Tag gebührend abfeierten.

Und dieses „aus allem das Beste machen“ ist das Indiz dafür, warum das Green Juice mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Punk, Pop und Indie-Rock seit Jahren so gut funktioniert. Aufsteigende Künstler unterstützen, gleichzeitig größere Namen auf die Bühne holen und das alles für einen geringen Preis. Rückschläge einstecken und schnellstmögliche Alternativen aufzeigen. So wird sympathisches Festival gemacht.

Dafür Hut ab! Auf weitere zehn Jahre Green Juice!

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Fotos: Tobias Pape & Jonas Berger
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Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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