Interview: Brett

Brett ist eine junge, deutschsprachige Band, die mit zwei bereits veröffentlichten EPs und ihrem Debütalbum in der Pipeline auf den Bühnen hierzulande unterwegs ist, um ihre Musik vorzustellen. Nach ihrem Auftritt auf dem „Vainstream Rockfest“ am Nachmittag des ersten Julis trafen wir die vier Jungs aus Hamburg. Im Gespräch berichteten sie über Genres, Einflüsse, Konstanten, Herausforderungen und Ausblicke sowie ihre Homebase, die „Hebebühne“.

Wo kommt ihr her und wie lange macht ihr schon zusammen Musik als Brett?

Felix: Uns gibt es als Brett offiziell seit August 2016.
Max: Das ist also ein relativ frisches Projekt.
Felix: Ursprünglich kommen wir zwar nicht aus Hamburg, aber nennen das jetzt unsere Heimat. Letztes Jahr haben wir unsere erste EP rausgehauen und dieses Jahr die zweite. Und damit sind wir sehr glücklich. Wir haben gerade auf dem Vainstream gespielt und es war mega. Auch wenn die Anlage mal kurz ausgefallen ist.

Was war da los?

Felix: Wir waren die mit Abstand lauteste Band des Festivals. (Alle lachen.)
Max: Es gab die ganze Zeit schon irgendwie Probleme mit der Technik und dann ist einfach die Beschallung ausgefallen. Wir haben da oben für uns gespielt, es kam Ton über die Monitore, aber die Leute hatten alle irgendwie Fragezeichen im Gesicht. Daher mussten wir eine Pause einlegen.
Felix: Das hat ne halbe Stunde gedauert, dann war es wieder gut. 

Aber ihr seid zufrieden?

Max: Ja, das krasse war, dass die Leute einfach stehen geblieben sind.
Felix: Oder wiedergekommen sind.
Max: Wenn sich die Leute für so ne Eierkapelle, die keiner kennt, Zeit nehmen, dann ist das genau der Grund, warum wir es machen.

Wie fühlt ihr euch bei so einem Festival. Ist das nochmal eine Möglichkeit für euch, neue Fans zu gewinnen?

Max: Super! Das ist unser erster Festival-Rutsch dieses Jahr, was dem geschuldet ist, dass es uns noch nicht so lange gibt. Das ist jetzt das fünfte Festival und wir spielen noch zehn, glaub ich. Alles ist für sich eigenständig voll gut und eine eigene Erfahrung, die uns wirklich bereichert. Auch, um einfach zu lernen, was die verschiedenen Anforderungen sind und um auf der Bühne besser zu werden.

Ein Festival-Auftritt ist wahrscheinlich etwas komprimierter als eure eigenen Shows. Was ist der Unterschied?

Max: Grundsätzlich stimmt das, es ist komprimierter. Zumindest wenn man genug Songs hätte, die man spielen könnte. Aber dadurch, dass wir erst seit kurzen zusammenarbeiten, können wir, wenn wir ganz viel rumsolieren und wilde Sachen machen maximal 15 Minuten füllen (lacht).

Also bei euren eigenen Shows wird mehr improvisiert?

Max: Du guckst halt, wo du so bist. Hier gibt es heute viel Geballer, sodass du das, was ruhiger und entspannter ist, ausschließt aus dem Set.

Wenn die Leute zu euren eignen Konzerten kommen, können sie dann auch etwa ruhigeres erwarten?

Felix: Die kriegen auf jeden Fall das volle Spektrum, ja.

Eurer Homepage ist zu entnehmen, dass ihr Wert darauf legt, nicht in irgendeine Schublade gesteckt zu werden? Was stört euch an Kategorien?

Max: Es gibt zwei Seiten. Jedes Genre ist wichtig, um Sachen zu erfassen. Das ist einfach so, so funktioniert die Welt. Man kategorisiert, um zu wissen wo es hingehört, um etwas einordnen zu können. Und das ist auch o.k. so. Aber als Künstler ist es schwierig damit umzugehen, weil du sehr genau weißt, warum du Sachen machst und woher die kommen. Dann fällt es einem einfach schwerer, das knallhart irgendwohin zu stecken. Wir kommen ja musikalisch auch aus ziemlich verschiedenen Ecken.

Welch Ecken sind das beispielsweise?

Max: Stoner, Blues, irgendwie alles Mögliche. Wir wollten dem gerecht werden und dass jeder ein Teil des Schreibprozesseses ist. Daher haben wir gesagt, komm, alles was wir sind, bauen wir rein. Das, was den Leuten gefällt, darüber zu sagen, sagen sie halt darüber. Wir erheben keinen Finger und sagen „scheiß Schubladen“. Das haben schon genug Leute gesagt. Außerdem, ehrlich gesagt ist das Quatsch. Genres braucht man, um Sachen zu verstehen.

Wie würdet ihr euch selber dann am liebsten beschreiben?

Max: Also ich glaube jeder sagt das anders. Was würdest du sagen?
Felix: Ich kann das grundsätzlich überhaupt nicht, ich sag immer das ist Rockmusik und musste selber gucken. Ich kann es nicht beschreiben, ich will es auch nicht.
Max: Ich glaub man würde sagen, es ist Alternative-Rock. Aber es ist auch schon ziemlich bluesy.
Stefan: Allerdings denkt man dabei natürlich immer gleich an englischsprachigen Rock.

Die deutsche Sprache ist eine Konstante in eurer Musik? Habt ihr euch darauf festgelegt?

Max: Voll!

Warum?

Max: Erst mal ist es, glaube ich, wichtiger, warum ganz lange nicht. Wir sind schon mit englischsprachiger Musik, insbesondere mit britischer und amerikanischer Musik groß geworden. Da kommt all das her, was wir schätzen, was wir mögen.
Felix: Musikalisch!
Max: Genau, von Hendrix über Led Zeppelin bis hin zu dem Zeugs, was neuer ist, Queens oft The Stone Age, diese ganzen Geschichten, die ganz wichtig für uns waren. Oder halt Indie-Sachen wie The Strokes beispielsweise. Wenn du als kleiner Pilz – wie ich damals – in fürchterlich engen Hosen durch die Gegend läufst und das sind Typen, die du geil findest, dann liegt der Schluss ziemlich nahe, zu sagen: Hey, die singen auf Englisch, dann mach ich das jetzt auch.
Felix: Ja, du machst es einfach, es ist logisch.
Max: Aber irgendwann haben wir für uns herausgefunden, dass wenn wir ernsthaft etwas von uns sagen wollen, wir das einfach mit Englisch nicht schaffen, weil wir es nicht gut genug können.
Felix: Das haben wir es ganz deutlich gemerkt.
Stefan: Da gibt es halt auch hunderttausende andere Bands, die dort leben und das viel besser machen.
Felix: Das ist nicht meine Muttersprache, ich kann damit nix anfangen. Es geht einfach nicht.
Max: Wir haben es auf Deutsch versucht und es hat geklappt. In unseren Augen hat es mega funktioniert.

Stoßt ihr beim Zusammenbringen der Musik und insbesondere der deutschen Sprache auch schon mal auf Schwierigkeiten? Wenn beispielsweise ein Part länger laufen muss, damit ein vollständiger Satz rein passt? Wie funktioniert das?

Max: Das geht schon. Es war eine Umgewöhnung. Man muss lernen, damit umzugehen. Manchmal ist es ultra schwierig, weil du ganz schnell in Richtung Schlager kommst.
Felix: Das ist das schlimmste.
Max: Deswegen musst du es dir erarbeiten. Das Verständnis von dir selber und wie du dich damit fühlst. Das hat auch gedauert, aber das geht alles.
Felix: Und es ist gut, sagen zu können, die Leute verstehen es!

Ihr habt bisher zwei EPs veröffentlicht und das Debüt-Album ist in Arbeit. Wie kam es zu dieser Reihenfolge und wie ist die Aussicht?

Max: Die zwei EPs haben wir bewusst zuerst gemacht, weil wir gedacht haben, wir nehmen erst alles nochmal mit und entwickeln uns so weiter. Und finden vorher die Leute, die Bock drauf haben. Dann haben wir ein Fundament und mit denen gehen wir den nächsten Schritt zusammen. Wir gucken, ob es überhaupt jemanden gibt, der auf sowas wartet, auch wenn es nur wenige sind.
Stefan: Wir schießen es nicht in den Äther und es verpufft.
Felix: Das ist ja oft das Problem. Auch bei deutschen Bands. Die veröffentlichen und dann passiert gar nichts. Ist doch schade. Muss ja auch nicht sein. Außerdem musst du erst einmal wissen, wie du ein Album machst. Da musst du erst mal hinkommen.
Max: Wussten wir vorher auch nicht, hat sich jetzt so ein bisschen herausgestellt. Wenn du ein Jahr im gleichen Studio arbeitest, lernst du mit den Leuten zu arbeiten und wie du klingst im Studio. Du lernst, wie du es schaffst, so zu klingen, wie du auch klingen willst.
Stefan: Das hat genau dieses Jahr gedauert, sodass wir jetzt so weit sind und glauben, dass wir es richtig hinbekommen.

Waren die EPs somit eine Art Probelauf?

Stefan: Jein, denn das Umfeld ist schon da, das uns so professionell unter die Arme greift. Die EPs sind ein professionelles Produkt.
Max: Musik ist einfach immer nur ein aktueller Spiegel der Gegenwart. Du machst einen Cut, das ist es und dann gehst du weiter und es ist sofort Vergangenheit.
Felix: Ein Jahr später bist du komplett woanders, wenn du Glück hast.
Max: Genau das war es, zu gucken, wie es sich entwickelt und wie wir ankommen. In drei Jahren sagen wir, alles ist gut, alles ist wichtig für uns gewesen, weil es der Weg ist. Aber in drei Jahren werden wir – wenn wir das überhaupt so lange machen dürfen – über‘s erste Album sagen: Alter, da wussten wir noch nix. Das ist auch das Spannende daran. Dass du Dinge immer weiter verstehst. 

Häufig gibt ja auch den umgekehrten Effekt, zumindest von Fanseite, wenn diese sagen: Ich fand die früher gut, die ersten Alben waren die besten.

Max: Das haben Fans so an sich.
Felix: Ich bin auch so einer.
Max: Ja klar, du sagst doch immer, das Album war‘s, danach ist alles Scheiße. Ich glaube, man vergisst bzw. man weiß es nicht, wenn man es nicht selber als Musiker so erlebt, dass so eine Entwicklung für einen selber unabdingbar ist. Wenn du das nicht machst, dann versandest du, dann kannst du es auch gleich lassen, das bringt dir nichts.
Felix: Das verliert halt an Relevanz.
Max: Das ist zu vergleichen mit jemand, der sein Leben lang immer nur dasselbe macht. Es gibt Leute, denen geht es damit super. Ich will das gar nicht großartig ver- oder beurteilen. Aber wenn du dein Leben lang immer nur dasselbe machst, dann wird dich das nicht fordern. Ganz viele Leute versuchen sich auch weiterzuentwickeln, weiterzukommen, Perspektiven zu finden.
Stefan: So eine Entwicklung passiert auch automatisch. Wenn vielleicht eine Band in einem Monat ein Album veröffentlicht, das ich großartig finde, das mich völlig vereinnahmt, dann fließt das mit ein in die Truppe. Das kann ich jetzt noch nicht sagen.
Max: Das ist auch die DNA der Truppe, dass wir uns Fragen stellen und immer wieder gucken, was wir neues machen können.

Was die Texte angeht, das ist wahrscheinlich eher deine Hauptaufgabe, Max? Bist auch du derjenige, der die tolle Schwester hat, der die aktuelle Single gewidmet wurde?

Max: Ich glaube wir haben alle coole Geschwister, aber wenn ich das singe, singe ich von meiner Schwester.

Es sind also viele persönliche Dinge dabei?

Max: Ja, ich würde sagen, dass es mit der Zeit persönlicher geworden ist bezüglich des Schreibprozesses. Zuerst war viel Energie, viel Wut darin. Bei der zweiten EP war dann das Bewusstsein für die Sprache so, dass ich gesagt hab, o.k. jetzt ich erzähl mal paar Sachen, die mir wichtig sind. Das ist nicht alles biografisch. Aber es gibt Dinge, über die man nachdenkt und die teilt man mit. Auch wenn man davor Angst hat, den Leuten das so vor die Füße zu setzen. Sie könnten schließlich darauf rumtreten. Mittlerweile ist mir das egal.

Neben eurer Musik in der Band, habt ihr in Hamburg ein Kulturprojekt ins Leben gerufen. Worum genau handelt es sich?

Max: In Hamburg besteht eine sehr schlechte Situation was Raum betrifft, und zwar in jeder Hinsicht. Ob du ne Wohnung suchst oder egal was. Außer vielleicht Büros, die aber teuer sind.
Felix: Aber das ist auch das einzige, was wir zu bemängeln haben an der Stadt.
Max: Ja, wir wohnen gern da. Wir kommen alle vom Land, wo es genug Rückzugsorte gibt. In der Stadt wird das schon schwieriger, die suchst du da und wir brauchen das. Daher haben wir uns irgendwann mal überlegt, wie cool es wäre, so einen Ort zu haben. Einen Ort, an dem die Dinge passieren, zusammen mit Leuten, die du schätzt und mit denen du arbeiten kannst. Dann haben wir so eine alte, schäbige 700 Quadratmeter große Abrissbude gefunden. Die haben wir bis oben renoviert, über zwei Etagen. Anderthalb Jahre haben wir nur gebaut. Und dann kamen Leute und haben gesagt: Mega, wir machen mit. Und es wurden immer mehr, es ist praktisch gewachsen. Jetzt sind wir ca. dreißig Parteien darin. Von Proberäumen, Werkstätten, Galerien über Büros und Arbeitsräume, wo auch Agenturen drin sitzen, ist alles drin. Alle machen irgendwas miteinander und arbeiten miteinander. Außerdem haben wir einen Club eingebaut mit Bühne, um da, wenn wir Lust haben, Aktionen zu machen. Der Club heißt Hebebühne, weil das mal eine Autowerkstatt war. Das ist alles ist unsere Basis.
Felix: Unsere Homebase ist ein großer Knotenpunkt, der im Netzwerk von Hamburg in der Szene irgendwie gefehlt hat.

Das heißt, ihr bekommt dort auch immer von allen Seiten Input, von anderen Künstlern beispielsweise?

Felix: Voll.
Max: Das war auch die Idee, die Leute zusammenzubringen. Gerade, wenn man Leute zusammenbringt, dann passieren krasse Sachen, das ist Fakt. Das ist genau das, was da passiert.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Brett live beim Vainstream 2017

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Tour:

03.- 05.08.17 – Elend (Harz), Rocken am Brocken
03.- 05.08.17 – Horb am Neckar, Mini Rock Festival
05.08.17 – Hannover, Fährmannsfest
– 14.08.17 – Eschwege, Open Flair Festival
16.08.17 – Köln, c/o pop Festival
19.-20.08.17 – Leipzig, Highfield Festival
02.09.17 – Hamburg, Alstervergnügen
15.09.17 – Lingen, Rock am Pferdemarkt
10.11.17 – Nürnberg, Club Stereo (Support für Van Holzen)
11.11.17 – Braunschweig, Eulenglück (Support für Van Holzen)
12.11.17 – Leipzig, Täubchenthal (Support für Van Holzen)
14.11.17 – Dresden, Groovestation (Support für Van Holzen)
15.11.17 – Berlin, Musik und Frieden (Support für Van Holzen)
16.11.17 – Flensburg, Volksbad (Support für Van Holzen)
17.11.17 – Bremen, Tower (Support für Van Holzen)
18.11.17 – Bonn, BLA (Support für Van Holzen)
19.11.17 – Frankfurt (am Main), Nachtleben (Support für Van Holzen)

Fotos: Stefanie Zerres

Stefanie Zerres

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