HAIM – Something To Tell You

Nach dem grandiosen und hochgelobten Debütalbum legen HAIM mit „Something To Tell You“ den lang erwarteten Nachfolger vor, der (fast) perfekt geworden ist.

Vier Jahre haben Danielle, Alana und Este Haim ihre Fanbase warten lassen, seitdem sie sich 2013 mit ihrem Debüt Days Are Gone von 0 auf 100 in der oberen Liga der Pop-Szene eingenistet haben. Ein durchaus schönes Plätzchen, von dem aus es sich gleich ganz anders am Zweitlingswerk schrauben lässt als bei so manch anderem Newcomer. Der durch die Höhenluft entstandene Druck und die allgemeine Erwartungshaltung schien das Trio aber nicht im Geringsten beeinflusst zu haben. Something To Tell You ist wieder so locker-leicht wie eine Zuckerwatte-Wolke und so Endorphin-ausschüttend wie ein strahlender Sommertag geworden – Als ob es nichts Einfacheres geben würde, als eine gute Pop-Platte zu schreiben.

Bleiben wir bei den Meteorologen-Metaphern, bietet die neue Platte mehr als nur einige Hochs und gefühlt keine Tiefs. Ein Hit-Hurricane wie „The Wire“ lässt sich zwar nicht auf Anhieb erkennen, jedoch haben viele Tracks das Potential, zum Track des Sommers vieler Fans zu werden. Allen voran die Single „Want You Back“, die mit dem unverwechselbaren Gesangsstil und der Background-Unterstützung der Schwestern, dem slappenden Bass und dezenten Electronica-Spielereien die Mundwinkel nach oben ziehen und die Beine wippen lässt. Der Bewegungsdrang wird dann auch weiterhin mit Stimmungsaufhellern wie „Nothing’s Wrong“ und „Little Of Your Love“ weiter angeheizt. Selbst Titel wie „Kept Me Crying“ können da nicht an der guten Laune rütteln und stattdessen klatscht sich der Hörer mit den HAIM-Grazien im Takt den Liebeskummer von der Seele. Motivation gibt es  auch gleich hinterher, wenn Streicher, die auch genauso gut irgendein Inspirational-Video auf Youtube hätten unterlegen können, beim Track “Found It In Silence” deutlich besser eingesetzt werden und zu neuen Höhen mitreißen.

Bei so einem Euphorie-pumpenden Knaller muss die Tracklist-Planung mehr als nur schwer gefallen sein, da der nachfolgende Song im direkten Hörvergleich nur verlieren kann. Und so sorgt „Walking Away“, der die Brücke zum ruhig-ausklingenden Schluss der Scheibe so reibungslos wie möglich schlagen soll, ein wenig dafür, dass der Hörer Something To Tell You das Prädikat „All Killer, No Filler“ leider nicht guten Gewissens zusprechen kann. Aber sei es drum, wer will schon perfekt sein? Danach geht es dafür wieder qualitativ hochwertig weiter. „Right Now“ bietet nicht nur überraschend experimentelles Songwriting, sondern mit den Trommel-bearbeitenden Schwestern im Musikvideo auch den Traum schlafloser und einsamer Drummer-Nächte. Das getragene „Night So Long“ entlässt den Hörer dann endgültig und tiefenentspannt in die Stille nach dem Sturm bzw. Album, die bei vielen durch erneutes Drücken der Playtaste unterbrochen werden dürfte. Denn von dem Geschwister-Trio können wir nach wie vor einfach nicht genug kommen.

Obwohl es wie im Metier üblich meistens um die Liebe geht und sich die Songs um das literarisch-anonyme Du drehen, das so schön fragend/anklagend/sehnend angesungen werden kann, bleibt die Stimmung aber immer oben und der Hörer findet in Something To Tell You das (fast) perfekte Album für die nächsten Sommertage, damit die Sonne sowohl innerlich als auch äußerlich scheint.

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Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Suchti, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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