Spoon – 19.06.2017 – Technikum, München

Dass die Texaner von Spoon mit ihrem neuntem Studioalbum Hot Thoughts ein neues Level erreicht haben, zeigten sie auch im Münchner Technikum live vor ihren Fans. Vor allem Britt Daniel strotzte vor Selbstbewusstsein und kam den Konzertbesuchern sehr nah.

Draußen scheint noch die Sonne und es hat selbst im Schatten nahezu 30 Grad. Keine guten Bedingungen für einen Konzertabend, wer geht bei dem Wetter schon ins Technikum. Bei Einlassbeginn war es tatsächlich noch etwas leer. Außerdem begann das Konzert um halb acht und damit sogar etwas früher als erwartet. Den Einstieg machte die Vorband His Clancyness aus Italien. Der Sänger Jonathan Clancy selbst stammt allerdings aus Kanada und hat seine Bandkollegen während des Studiums kennengelernt, wie er mir nach dem Konzert am Merchstand erzählte. Pünktlich zum Beginn der Vorband hatten sich auch einige hundert Spoon-Fans im Technikum eingefunden.

His Clanycness wurde vor acht Jahren in Bologna gegründet und die Band weiß, wie sie die Konzertbesucher bestens anheizen kann. Ähnlich wie Spoon haben sie sich auf kunstvollen Rock spezialisiert und bieten dabei die volle Bandbreite zwischen ruhigen, gesangsbetonten Songs und Noise-Rock-Nummern. Die Band war selbst überrascht, als die Texaner sie vor wenigen Wochen kontaktierten und fragten, ob sie nicht in Europa für Spoon als Vorband auftreten könnten. Dementsprechend vollgepackt ist der Terminkalender der Italiener. Nach 30 Minuten war dann auch schon wieder Schluss. Den einen oder anderen Fan hat die Vorgruppe definitiv für sich gewonnen.

Nach kurzer Umbaupause legten Britt Daniel und seine Bandkollegen los. Und wie! Von Beginn an präsentierten sich Spoon aus Austin/Texas in Höchstform. Beim zweiten Song “Inside Out” wollte Frontmann Daniel am liebsten schon zum Publikum reinkriechen, so nah war er den Fans in der ersten Reihe. Er setze sich hin und suchte den Blickkontakt mit den Konzertbesuchern. Eine sehr emotionale Nummer ist der Song ohnehin. Doch live wurde er erst zum richtigen Brett. Immer wieder führte uns die Band durch ihr gesamtes Werk, egal ob mit Songs von ihrem Spitzen-Rockalbum Ga Ga Ga Ga Ga oder von ihrem inzwischen  zwölf Jahre alten Doppelalbum Gimme Fiction. 

Die Band war perfekt aufeinander abgestimmt. Daniel wollte sich nicht nur allein in Szene setzen, sondern überließ auch seinem Schlagzeuger, Bassisten oder dem Keyboarder mal die Hauptrolle auf der Bühne. Vor allem Keyboarder Axel Fischel zeigte mit einem spannenden Klavierinterlude, was er kann. Gleichzeitig läutete er damit die zweite Hälfte des Spoons-Sets ein. Daniel kam zurück auf die Bühne und legte sich erst einmal flach auf den Boden, um von dort aus den emotionalen Song “I Ain´t the One” zu performen. Er ist schon ein dramatischer Sänger, aber keineswegs übertrieben dramatisch. Wieder suchte er die Nähe zum Publikum.

Britt Daniel wirkt beweglicher und frischer als manche langweilig rumstehende neue Indieband mit Mitgliedern Mitte 20. Von Spoon kann sich die eine oder andere junge Band noch viel abschauen. Zudem entwickelt Spoon live einen gewissen Jam-Charakter. Es kommt nicht drauf an, die Songs 1:1, wie sie auf Platte klingen zu performen, sondern sie liefern ein viel raueres Bild, vor allem von Songs aus der von Bowie und Prince geprägten Hot Thoughts Platte. Spoon begeisterten mit insgesamt 20 Songs aus ihrer ganzen Diskografie das Münchner Technikum.  Vor allem “Rent I Pay” vom Vorgängeralbum und der Titeltrack des achten Albums “Hot Thoughts” waren zum Abschluss nochmal richtig feine Highlights.

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Fotos: Christian Gschwilm

Daniel Guggeis

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