Festival voraus: Maifeld Derby 2017

Nicht umsonst wird es mittlerweile als Festival mit dem besten Line-Up der Republik bezeichnet und überrascht jährlich mit internationalen Headlinern, die teilweise ihre ersten Europaauftritte nach Albumveröffentlichung ins bescheidene Mannheim verlegen.

In diesem Jahr geht das Maifeld Derby bereits in die siebte Runde und wird am Wochenende vom 16. – 18. Juni wie gewohnt im Mannheimer MVV Reitstadion auf dem Maimarktgelände stattfinden. Drei Tage, in denen 70 nationale sowie internationale Künstler ihre musikalischen Glanzleistungen auf einer von vier Bühnen demonstrieren werden und ein gekonnter Spagat zwischen großen Headlinern und der variablen Unbekannten, welche darauf hofft, über die Lokalebene hinaus zu wachsen und ihre Fangemeinschaft deutschlandweit zu verstreuen. Die überschaubare Location besticht nicht zuletzt durch ihre liebevoll arrangierten Haupt- und Nebenbühnen oder dem populären Steckenpferdrennen, bei dem Festivalgänger ihren dezenten Mut zur Anmut vorführen und ihr Improvisationstalent im Rahmen einer nur subtil peinlichen Performance unter Beweis stellen können. Wer zwischendurch dann doch mal von seinem hohen Ross herunterkommen muss, fühle sich herzlich dazu eingeladen das Line Up in seiner kompletten Bandbreite auszukosten und auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Hotspots des Geschehens bilden die Open Air-Fackelbühne, das große Palastzelt, der wildromantische Parcours d’amour mit Sitzgelegenheit, sowie das Brückenaward Zelt, das erfahrungsgemäß für laute Beschallung jeglicher Art herhält und Geheimtipps der Genre Fuzz, Psych – und Post Punk im kleinen Publikum offenbart.

Die erlesene Auswahl an Musik bietet sowohl für Laien als auch obsessive Groupies – besonders im Bereich Indie – eine wunderbare Sammlung aktueller Newcomer und alteingesessener Avantgardisten, während das Randprogramm und die Atmosphäre natürlich auch zum einen oder anderen Moment der Entspannung einladen. Schattige Plätzchen gibt es an Ort und Stelle und wer auf eine ausgefallenere Abkühlung besteht, kann sich erstmals über die selbst gebraute Hopfenlimo ,,Early Horse Bier” freuen, die namentlich von Early Horse – Frühbuchern eingeweiht wurde.

Photo: Florian Trykowski.

Camping und Anreise

Für diejenigen, die sich nach allem Überdruss nur noch eine Gelegenheit wünschen, schnellstmöglich am Ende des Tages beruhigt einzuschlafen oder den Abend gemeinsam mit dem importierten Lokalbier ausklingen zu lassen, bietet sich selbstverständlich auch die Möglichkeit zum Camping. In den optimalen Genuss aller Privilegien kommt ihr bereits ab einem Preis von 15,00 Euro pro Person. Mehr Wohlfühlatmosphäre und Komfort im Wohnmobil, könnt ihr euch mit einem zusätzlichen WoMo-Ticket á 15,00 Euro einheimsen.

Alle Pendler aus der Nähe erreichen das Festivalgelände ebenfalls in einer regelmäßigen Taktung via Bus und S-Bahn, die bis zum Maimarktgelände fährt und nur noch einen kurzen Fußweg zum Veranstaltungsgelände erfordert. Nachtbusse verkehren  freitags, sowie samstags mit Anschlüssen nach Heidelberg ab 23:55 Uhr bis 3:25 Uhr im 20-Minuten-Takt. Das Festival-Kombiticket gilt zugleich als Fahrschein im VRN-Bereich und berechtigt im Zeitraum des Festivals zur kostenfreien Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

Line Up und Tickets

3-Tages-Tickets bewegen sich derzeit in der Preisstufe 5* und können exklusive Camping ab 95,00 Euro erworben werden. Wem nicht das ganze Wochenende zur Verfügung gestellt wird, kann erleichtert einen Blick auf das 1-Tagesticket-Kontigent werfen, das preislich zwischen 43,00 – 50,00 Euro variiert. Einen Überblick zum Timetable findet ihr hier:

Bilderbuch| Trentemøller| SOHN| Cigarettes After Sex| Wild Beasts| Why?| Kikagaku Moyo| Rue Royale| Marlon Williams| Voodoo Jürgens| Friends Of Gas| J.Bernardt| Roo Panes| The Lytics| White Wine| Flut| Heim| Moderat| Metronomy| Kate Tempest| Temples| American Football| Minus The Bear| Ryley Walker| Acid Arab| Dear Reader| Sometree| Gewalt| The Tidal Sleep| Tall Heights| Zeal & Ardor| Klez.e| Dan Owen| Sigfried & Joy| Royal Canoe| Inner Tongue| Baby Galaxy| Slowdive| Primal Scream|  Amanda Palmer (The Dresden Dolls) & Edward Ka-Spel (Legendary Pink Dots)| Spoon| King Gizzard & The Lizard Wizard| Thurston Moore Group| Whitney| Mitski| Andy Shauf| Parcels| Wand| King Khan And The Shrines| Josin| Sonars| Holygram| Suzan Köcher.

Wer sich gerade fragend vor einem Haufen nichtssagender Künstlernamen wiederfindet oder sich bei diesem faszinierenden Aufgebot kaum entscheiden kann, sollte entweder vorab Probehören und dazu die konzipierte Spotify-Playlist zur Rate ziehen oder sich auf die persönlichen Empfehlungen der Redaktion stützen, die wir in mühevoller Arbeit transkribiert haben – Voilá!

Slowdive : Nach einer 22-jährigen Pause und einem mehr als gelungenen, langersehnten Comeback erschien am 5.Mai ihr aktueller, selbstbetitelter Longplayer, der jede Erwartung in den Schatten stellte. Im letzten Jahr tourte Frontsängerin Rachel Goswell bereits mit den Minor Victories durch die Festivalsaison und erscheint in diesem Jahr in altbewährter Kombination, um Hymnen wie ,,Alison” oder ,,Souvlaki Space Station” wieder neues Leben einzuhauchen. Anfang der 90er etablierten sich Slowdive neben My Bloody Valentine, Ride und Lush als Mitbegründer des Shoegaze und leiteten eine Ära reger Verträumtheit ein, die durch hallverzerrte Gitarren und Effektgeräte charakterisiert wurde. Die erste Single-Auskopplung ,,Sugar for the Pill” verspricht nach gefühlt ewiger Abstinenz einen gekonnten Auftakt als Headliner.

Cigarettes After Sex: Greg Gonzales schafft es mit seiner androgynen Stimme einen dunklen Schleier aus Samt um seine langsamen, hypnotischen Ambient Pop-Oden zu legen, dabei völlig unaufgeregt zu sein und trotzdem sehr intime Momente zu schaffen, die sich um Themen wie Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft winden. Zurückgenommene Gitarrenakkorde verbinden sich mit Hall, während die Atmosphäre eines David Lynch-Films in kurzen Sequenzen aufflammt, um sich in luftig leichten Akkorden zu lösen und den Hörer in ferne Gedankenwelten abdriften zu lassen. Eine Woche vor Festivalbeginn verkünden sie außerdem die Veröffentlichung ihres ersten Longplayers, der gleich mit Kerzenschein-Flair das Abendprogramm des Maifeld Derbys untermalen wird. ,,Affection” oder ,,Keep on Loving you” durften vorab schon als EP unserem Gehör schmeicheln.

Metronomy : Wer von dieser übersteigerten Gefühlsduselei nicht nur Gänsehaut, sondern auch Zustände bekommt, darf sich mit Metronomy einem selbstironischem, britischen Kontrast widmen. Im letzten Jahr erschien mit ihrer aktuellen Platte Summer 08 der Nachzügler und sogleich die Fortsetzung ihres 2008 veröffentlichten Debüts Nights Out, das mit verspielten, tanzbaren 80s-Einflüssen besticht und mental wieder die Spuren von Disko und Erinnerungen pubertärer Highschool-Erlebnisse aufnimmt. Ihre Anfänge widmenten sie noch dem experimentellen Glitch bis sich Keyboard, Synths und Vocals in ihrem Stil vereinten und mit The English Riviera der ultimative Indie-Kultstatus geboren war. Wie immer haben auch ihre Musikvideos nach all der Zeit nicht an Charme und Kreativität eingebüßt und bleiben mit bittersüßen Streuseln ein schmackhaftes Dessert.

Friends of Gas: Das Ergebnis der Müncher Post Punk-Band Friends of Gas fällt in seinem Resultat eher rau, minimalistisch und dissonant aus und erfordert den kompletten Korpus als anpassungsfähigen Klangkörper, der von Kunstakademieabsolventin Nina Walser initiiert wird. Krächzen, schreien und soufflieren changieren im Wechsel, während Instrumente bis zum Anschlag malträtiert und klanglich ausgereizt werden und deutsche Bands wie Messer oder die Einstürzenden Neubauten als Referenzen vorbeiziehen. Auf der Suche nach elanvollen, energ(et)ischen Texten, die randvoll mit lyrischem Existenzialismus stecken, sollte ihre individuelle Darbietung nicht ausgespart werden und kann auch zur Bewältigung von Stress ein Geheimtipp sein, bei dem akustisches Verständnis relativ sekundär bleibt.

Josin : Ihre Songs sind eine treffsichere Symbiose aus in sich ruhenden, elektronischen Passagen, die an Beschleunigung zunehmen und dennoch treiben. Die in Köln geborene Tochter zweier Opernsänger schafft es ihre Zuhörer innerhalb weniger Sekunden in den Bann zu ziehen und nicht zuletzt einen Stil zu etablieren, der sie zum quasi-weiblichen Pendant von Thom Yorke aufsteigen lässt – in Schwermut gehüllt und dennoch mit Hoffnung angereichert, die einen mysteriösen Schein wahrt. Die Halbkoreanerin, die in jüngster Vergangenheit bereits Ry X, Boy oder Hundreds auf  Tour begleitete, startet nun als Solokünstlerin durch, deren erste EP wortwörtlich bloß den Epilogue ihrer Fähigkeiten demonstriert und ihr Talent tranceartige Momente zu erzeugen, hervorhebt.


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Photo credits: Florian Trykowski. Pressefreigabe.

Denise Schmid

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