Bleachers – Gone Now

Zurück in die Zukunft auf musikalische Art: Mit „Gone Now“ reist Bleachers zurück in die Achtziger, nimmt dort nur das Beste als Souvenir mit und macht zeitgemäßen Wohlfühl-Pop für den Moment daraus.

Wie gute und bei der Masse erfolgreiche Popmusik geht, hat Jack Antonoff schon als Gitarrist bei fun. miterleben können. Beschwingt vom Höhenflug hat er sich, als es um die Band ruhiger wurde, selbstständig gemacht und verwirklicht seitdem unter dem Namen Bleachers seine Retro-Träume. Sein Erstlingswerk Strange Desires lieferte Hits wie „I Don‘t Wanna Get Better“ oder „Rollercoaster“ und begeisterte so sehr, dass ein Jahr später das “Sequel” Terrible Thrills, Vol.2 folgte, in dem das komplette Debüt neu arrangiert und von prominenten Gästen wie Sia, Lucius, MØ oder Carly Rae Jepsen eingesungen wurde.

Passend zum 80ies-Revival der letzten Jahre meldet sich Jack nun mit seiner neuen Platte Gone Now zurück, die sich perfekt in die momentane Bewegung einfügt – seine Zeit ist Jetzt! Und das ironischerweise mit der Musik vergangener Tage. Doch Bleachers gelingt der Spagat zwischen Damals und Heute ausgezeichnet. Verspielte Synthies treffen auf wummernde Beats, Backgroundchöre auf Autotune.

Ein Instant-Hit wie „I Don’t Wanna Get Better“ lässt sich auf dem Album zwar nicht finden, dafür bietet Jacks zweiter Longplayer flächendeckend gute Songs, die viel Abwechslung bieten und so die perfekte Möglichkeit gibt, am Stück gehört zu werden. Der Soundtrack für den nächsten Urlaub oder lange Autofahrten Richtung Sonnenuntergang ist also gesichert! Entgegen dem Pop, den man auf den Spitzenplätzen der Charts findet, treiben die Lieder auf Gone Now keinesfalls zum Tanzen und Feiern an. So ein aggressives Verhalten haben sie aber auch gar nicht nötig. Die angenehme Lockerheit führt viel eher dazu, dass man von selbst einfach gar nicht anders kann, als grinsend dem Rhythmus nachzugeben und mit spontanen Bewegungen einen Freudentanz aufzuführen.

Das omnipräsente Gefühl der Nostalgie tut dazu natürlich auch sein Übriges. Titel wie “I Miss Those days”, „Everybody Lost Somebody“ oder „Goodbye“ machen auch überdeutlich, wohin der Blick gerichtet ist. Und geben wir es doch zu: Irgendwie schaue wir doch ständig auf die guten und schlechten Zeiten zurück und ergeben uns nur allzu oft dem süßen Schmerz des Vergangenen. Die Single „Don’t Take The Money“ in etwa lässt eine Liebe Revue passieren, die schon in jungen Jahren auf den ersten Blick begann und deren Ausgang heute ungewiss ist. In „Let’s Get Married“ wird das euphorische Gefühl beschrieben, seinen Partner/seine Partnerin vom Fleck weg heiraten zu wollen, um ihm/ihr noch näher zu sein (mit der wohl sympathischsten Trauungsrede überhaupt: Can you take this babe to be your only? / And this babe to be your only?). „I Miss Those Days“ und „I’m Ready To Move On/Mickey Mantle Reprise” schaffen es sogar, das Saxophon nach der vollkommenen Übernutzung und Übersättigung um 2015 herum wieder salonfähig zu machen und es organisch in ihren Sound einzufügen.

Gone Now ist definitiv ein würdiger Nachfolger geworden. Das Album zelebriert die Hochs und Tiefs, das Alte und Neue und macht nebenbei noch verdammt gute Laune. Gerade in Zeiten, wo man sich täglich fassungslos an den Kopf fassen und sich an die schönen Erinnerungen klammern muss, um nicht zu verzweifeln, kommt so ein Werk wie das von Bleachers genau richtig.

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Bildquelle: Pressefreigabe

Christian Gschwilm

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Christian Gschwilm

Texter aus Leidenschaft, Konzert-Suchti, Bierdeckelphilosoph. Kann ganz gut mit Worten jonglieren und kennt sich im Medien-Zirkus aus.

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