Interview: The Moonband

Es gibt viele Bands die Folkmusik noch bis heute mit jeder Note Leben einhauchen. Die Münchner The Moonband sind mit Sicherheit ein Grund dafür, dass es auch in Deutschland gute Folkmusik gibt und wir nicht immer auf Größen wie Bear’s Den warten müssen. 

The Moonband aus München haben in den letzten fünf Jahren immerhin vier Alben produziert und sich jedes mal etwas neu erfunden. Einerseits bieten sie den herkömmlichen Folk, andererseits haben sie sich vor allem auf ihrem neuen Album Until the Evil Ghost is Gone in eine experimentelle Folkrichtung entwickelt. Sie können ihren Fans beides bieten. Zu ihrem neuen Album veranstalteten die Münchner in Eigenregie ein Konzert in der Münchner Theaterfabrik. Grund genug für uns vor dem Konzert mit Frontmann Eugen Mondbasis über das neue Album zu und die Entwicklung der Band zu sprechen.

Wie habt ihr euch generell auf diesen für euch großen Abend vor heimischen Publikum vorbereitet und wie lief die Organisation?

Dieses mal war es wirklich sehr gut schon im Vorfeld des großen Releasekonzerts auf Tour zu gehen. Wir haben also schon ein paar Gigs gespielt und zwar nicht nur um mit den Songs zurecht zukommen, sondern vor allem auch mit dem Equipment. Bei so vielen Instrumenten ist das nicht unproblematisch, vor allem das Banjo ist da recht zickig. Aber so kriegen wir das sehr gut in Griff. Was die Organisation betrifft, gab es dieses mal natürlich mehr zu tun. Normalerweise denken die Leute, ja gut die Musiker gehen kurz was essen und schließen dann die Gitarre an. Da wir viel in Eigenregie machen mussten, war das dementsprechend anstrengender.

Natürlich, da seid ihr dann natürlich auch heilfroh, auf der restlichen Tour nicht so viel organisieren zu müssen. Auf eurer Tour spielt ihr ja wirklich in den verschiedensten Städten und eben auch in Clubs. Da ist vom kleinen Cafe bis eben zur großen Halle in München alles dabei. Wie empfindest du diese Diskrepanz?

Es ist sehr schön. Denn es ist wie eine Zeitmaschine zurück zur Anfangszeit in München. In jeder Stadt müssen wir ja erstmal von Null anfangen. Die Veranstalter kennen uns noch nicht. Das erwarten wir auch gar nicht. Aber wir wollen sie mit unser Musik überzeugen.

Überzeugen könnt ihr die Booker bestimmt mit eurem neuen Album Until the Evil Ghost is Gone. Was ist die wichtigste Story hinter eurem neuen Album? 

Es gibt zwei Stränge auf dem Album. Einerseits war uns musikalisch klar, dass wir nach dem letzen Album, was eher volkstümlicher war, wieder mehr in Richtung Pop gehen wollen. Es sollte tanzbar sein. Wir wollen uns aber dabei nicht verraten, sondern Popmusik mit folkiger Instrumentierung mal ausprobieren. Gestalterisch hat sich das Konzept und Design während den schwierigen Aufnahmen entwickelt. Wir hatten ziemlich viele Stolpersteine. Bis dahin hatten wir einen Song namens Evil Ghost und dann wussten wir nach so viel Pech muss das Album Until The Evil Ghost is Gone heißen. Oder auch für unsere Fans gilt dann einfach: Wenn ihr eine schlechte Zeit habt, dann müsst ihr The Moonband reinlegen bis dieser böse Geist verschwunden ist.

Wenn wir uns aber die tagesaktuelle Politik anschauen, dann sehen wir doch auch hier einen bösen Geist der herumschwirrt. Sufjan Stevens sagte letzen in einem Interview mit Pitchfork, dass es völlig surreal ist, warum es einen “March for Science” in dieser Zeit braucht. Auf eurem Album habt ihr diesen Aspekt auch aufgefangen. 

Ja ich hab das vor allem im Klappentext versucht anzusprechen. Wir brauchen die Wissenschaft, vor allem auch in der Politik um solchen Rabauken gegen zuhalten. In Italien wurde nach Berlusconi auch erstmal eine Technokratie eingesetzt, um alles besser zu kontrollieren. Aber ein Rat hilft: Cool bleiben und einfach eine gute Platte auflegen und ein Glas Wein trinken.

Wie wäre es zum Beispiel mit Pure Comedy von Father John Misty? Ein richtig krasser Mix aus Satire und Kritik an die Politik. Welcher Typ seid ihr als Moonband da eher. Wollt ihr da lieber politisch aktiv sein, vor allem in den Lyrics oder bleibt ihr da lieber im Hintergrund? 

Es gibt da ja den Begriff des “Zeigefingersongs”, aufgekommen durch Bob Dylan. Wir tun uns damit schwer, weil wir nicht so in der amerikanischen Tagespolitik drin sind. Wir machen europäischen Folk und versuchen hier zumindest Themen anzukratzen. Es ist natürlich klar auf welcher politischen Seite wir trotzdem stehen. Als Band versuchen wir das mehr mit Humor zu lösen, da “Zeigefingersongs” mit aktuellem Bezug irgendwann ihren Zeitgeist verlieren. Klar, viele Bob Dylan Songs gelten gerade jetzt wieder. Insgesamt betrachtet sind wir keine durchwegs politische Band.

Abschließend noch eine musikalische Frage. Denn die Folkmusik funktionierte ja lange Zeit oft nach Schema F. Doch Bear’s Den oder Bon Iver bringen da mit Synthies und Autotune frischen Wind in die Szene. Ihr selber beschreibt euch auch als innovative Folkband. Wie siehst du diese Entwicklung? 

Es gibt ja auch die große Diskussion was Folk Musik überhaupt ausmacht. Einerseits gibt es die Traditionalisten, wir spielen auch bei einer Irish Folk Session noch gerne mit. Andererseits sollen auch Geschichten erzählt werden die sie ansprechen und dazu gehört natürlich auch eine gewisse Musik. Beides ist für uns wichtig. Unsere letzte Platte war eher traditionell und auf Until the Evil Ghost is Gone sind wir eben neue Wege mit Synthies gegangen.

Tourdaten:

27.05.17 Darmstadt @ Goldene Krone
17.06.17 Ingelheim @ Eurofolkfestival
07.07.17 Augsburg @Kantine Augsburg
21.07.17 Wörthsee @ Raabe am See
12.10.17 Stuttgart @ Kap Tormentoso
19.10.17 Dresden @ GrooveStation
20.10.17 Chemnitz @ Lokomov
26.10.17 Frankfurt a. M @ Elfer
09.11.17 Wien @ dasBach
11.11.17  Linz @ Sputnik

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Foto: Christian Gschwilm

Daniel Guggeis

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