Helgi Jonsson – 19.05.2017 – Köln, Gloria (Fotostrecke)

Konzerte im Sitzen – solche Rahmenbedingungen stellen für Shows im Kölner Gloria doch eher die Ausnahme dar, sind aber meist auch ein Zeichen dafür, dass der Altersschnitt der vertretenen Zuschauer deutlich höher liegt, als beim „durchschnittlichen Freitagabend-Konzert“. So geschehen auch beim Besuch des Isländers Helgi Jonsson in der Domstadt.

Eingeleitet wurde der Abend mit einem Gastauftritt von Malakoff Kowalski, welcher sich bei seinem Auftritt auf den charakteristischen Steinway & Sons Flügel beschränkte. Dabei gab er nach eigener Aussage einen Großteil seines bis dato unveröffentlichten Albums zum Besten und lieferte mit ebenjenen Songs auch die erste gute Begründung für eine größtenteils bestuhlte Location. Denn neben den wunderbaren Klängen des Flügels baute Malakoff auch durch absolute Stille eine einzigartige Atmosphäre auf, in der jeder Laut aus dem Publikum hörbar wurde. Gerade durch diese Spannungen verlieh Malakoff seiner Darbietung einen Charakter, der in Erinnerung bleibt.

Anders als auf seiner EP Vængjatak bewegte sich Helgi Jonsson auf der Bühne des Glorias nicht alleine, sondern in Begleitung der beiden Musiker Marianne Lewandowski (Drums, Vocals) und Dennis Ahlgren (Keyboard, Gitarre) sowie seiner Frau Tina Dico (Bass, Gitarre, Vocals), die als Musikerin selbst bereits einige Alben veröffentlicht hat. Helgi selbst präsentierte sich neben dem Gesang am Flügel, an der Gitarre und natürlich auch an der Posaune. Aus dieser musikalischen Mischung resultierte ein wesentlich breiteres und abwechslungsreicheres Klangbild, als es auf der vorangegangen EP noch der Fall war.

Somit fanden sich nicht nur nicht Songs von Vængjatak auf der Setlist wieder, einige altbekannte und vollkommen unbekannte Lieder begeisterten das Publikum ebenso. Neben der musikalischen Darbietung unterhielt der Isländer das Publikum jedoch auch mit kleinen Anekdoten aus seinem eigenen Leben, zum größten Teil sogar auf Deutsch. Mit eigenen Kindheitsgeschichten und amüsanten Erzählungen zu Touristen in Island lockerte Helgi die Stimmung noch mal ein gutes Stück weit auf und verlieh der Show eine sehr persönliche und emotionale Note. Dass es sich dabei keineswegs um irgend eine Inszenierung handelte wurde spätestens klar, als Helgi den im Rahmen der Barsel Sessions aufgenommen „Kathy’s Song“ von „Paul Simonsen“ (Zitat Helgi Jonsson) kurzfristig unterbrach und daraufhin nur die Worte „sorry, this is too emotional“ herausbrachte. Doch gerade mit dieser sehr persönlichen und emotionalen Komponente wurder der Auftrit auf eine angenehme Art und Weise bereichert.

Musikalisch überraschend aber durchaus überzeugend fielen die zahlreichen Stimmungswechsel zwischen den einzelnen Songs auf. Durch den ständigen Wechsel zwischen den verschiedensten Instrumenten entstanden häufig sehr konträre Stimmungen, die so wohl nur selten zu hören sind. Beispielsweise tobte Dennis Ahlgren sich in einem nicht enden wollenden Gitarrensolo aus, welches bei den anwesenden Rock-Fans großes Erstaunen und noch größeren Respekt hervorrief. Dem gegenüber standen dann beispielsweise Songs wie „Hundred Miles“, die Helgi solo am Flügel performerte.

Negativ in Erinnerung bleibt lediglich die offensichtlich sehr hohe Quote an Analphabeten unter den Zuschauern. Die zahlreichen Hinweise auf das herrschende Fotografierverbot wurden von einigen Besuchern gekonnt ignoriert, darunter auch einige Genies, die nicht einmal in der Lage waren, den Blitz ihres Smartphones auszuschalten und damit sowohl für Publikum als auch Musiker einen sehr ärgerlichen Störfaktor darstellten.

Unterm Strich bescherte Helgi Jonsson den anwesenden Besuchern einen mehr als gelungenen Abend, der nicht nur auf musikalischer Ebene überzeugte, sondern vor allem durch seine sehr menschliche und persönliche Note in Erinnerung bleibt.

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Rezension Vængjatak
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Fotos: Lars Junker

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.

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