Interview: Circa Waves

Viele Bands verändern sich irgendwann. Das wird von Fans nicht allzu gern gesehen, kann aber auch ganz gut ausgehen – wie Circa Waves beweisen.

Young Chasers war die Party, Different Creatures ist der Kater danach – so lassen sich die zwei Studioalben von Circa Waves wohl am treffendsten miteinander vergleichen. Dieser Stimmungswandel kam sowohl für Fans, als auch für Kritiker überraschend. Grund genug, mit der Band darüber zu sprechen, wie sie sich verändert hat – auch über die Grenzen der neuen Platte hinaus. Vor ihrem Konzert im Berliner Privatclub haben sich Schlagzeuger Colin Jones und Gitarrist Joe Falconer Zeit genommen, um über Different Creatures und dessen Auswirkungen zu sprechen.

Euer Debütalbum war eine ziemlich sorglose, jugendliche Platte. Auf dessen Nachfolger Different Creatures sprecht ihr unter anderem über Politik und Depressionen bei Männern. Wie kam es dazu, dass ihr plötzlich solche Dinge thematisiert?

Joe: Du schreibst über die Dinge, die dich umgeben. Die erste Platte war toll und ich denke, die Leute mochten sie, weil sie sorglos war. Es war ein guter Soundtrack zum Trinken und Jungsein – und es gibt immer einen Kater nach dem Trinken, richtig?

Wir wollten etwas anderes machen. Etwas, das eher reflektiert, wo wir stehen. Diese Platte entstand ganz natürlich. Was mir daran gefällt ist, dass es immer noch nach uns klingt und du immer noch eingängige Refrains hast. Das Songwriting ist ziemlich Circa-Waves-untypisch, aber ich denke es ist ein Statement, welches die Richtung angibt, die wir einschlagen. Du kannst nicht ewig nur über Mädchen und Alkohol singen.

Hat es sich für euch denn wie ein Risiko angefühlt, etwas Neues auszuprobieren? Wenn ihr über Mädchen und Alkohol schreibt, kann euch ja keiner wirklich angreifen. Bei Themen wie Politik oder psychischer Gesundheit allerdings schon eher.

Joe: Aber wo liegt der Sinn im Herumeiern? Wenn du jemanden zum ersten Mal triffst oder dich zum ersten Mal verliebst, dann ist alles zwanglos. Aber du willst ja den Kern der Person erreichen. Diese Platte beschäftigt sich damit, worum es wirklich geht.

Jetzt wo eure Musik deutlich erwachsener ist, habt ihr da das Gefühl, dass die Leute euch auch als Band anders wahrnehmen?

Colin: Es gibt definitiv einen Unterschied zwischen den Fans, die „T-Shirt Weather“ hören und denen, die „Wake Up“ oder „Fire That Burns“ hören werden.

Joe: Die Sache ist die: Als wir die UK-Tour gespielt haben, waren alle genauso verrückt wie zuvor. Die Zuschauer waren ein bisschen älter, aber sie sind genauso darauf abgefahren wie die Jüngeren. Wenn wir langsamere Songs angekündigt haben, dann haben sie das verstanden.
Ich denke nicht, dass sich die Leute betrogen fühlen oder uns anders wahrnehmen. Bisher wirkt es so, als seien sie bereit, mit uns zu kommen.

Colin: Du wirst immer Leute haben, die irgendetwas nicht mögen. Du wirst immer Leute haben, die mit irgendetwas nicht einverstanden sind, so nach dem Motto: „Ah, das Album klingt anders als das, was ich eigentlich mag“. Aber es gibt so viele, denen es gefällt. Das ist auch der Grund, warum wir hier in Europa sind – mit diesem Album.

Außerdem kann man es ja auch nicht allen recht machen, stimmt’s?

Joe: Ja, aber du solltest auch nicht für andere schreiben. Du solltest die besten Songs schreiben, die du glaubst zu haben. Es wäre total langweilig, dieselbe Sache zweimal zu machen. Du meintest ja, Leute werden dich für deine Meinung angreifen, aber Leute werden dich auch angreifen, wenn du immer und immer wieder dasselbe tust.

Ihr fühlt euch also ganz offensichtlich wohl damit, schwierige Themen anzusprechen. Ist das etwas, was ihr auch in Zukunft tun möchtet?

Joe: Eins der großartigsten Dinge an Musik ist, dass Menschen Sachen nachvollziehen können. Fans, die – wie wir denken – am meisten auf unsere Musik eingehen, erzählen, wie die Songs sie auf verschiedenste Weisen berühren. Du solltest Musik schreiben, die du nachempfinden kannst. Das zu tun ist schwieriger, aber es ist wichtig.

Letzte Frage: Ihr betont immer wieder, dass ihr eine Live-Band seid. Jetzt wo sich eure Musik verändert hat, trifft das auch auf eure Konzerte zu?

Colin: Nein. Nein, wenn überhaupt, dann sind wir besser geworden. Wir sind nicht an einer Stelle stehen geblieben. Die Shows, die Songs – wir sind immer noch die Band, die wir immer waren. Und genau deswegen sind wir auch stolz auf uns.

Joe: Ich will, dass jeder, der sich ein Ticket gekauft hat eine gute Show erlebt – selbst, wenn sie die Musik nicht mögen und von einem Freund hergeschleppt wurden. Als wir die erste Show der UK-Tour gespielt haben, da hat es sich so angefühlt, als hätten wir direkt wieder in unseren Rhythmus gefunden. Normalerweise benötigt man etwas Zeit zum Warmwerden, aber diesmal nicht. Ich denke, die Songs sind einfach stark genug – es funktioniert einfach.

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Foto: Joost Vandebrug

Ariane Seidl

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Ariane Seidl

Irgendwer zwischen Milhouse und Zoidberg. Körperklaus aus Leidenschaft, Hai-Fangirl aus Überzeugung.

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